Inhalt
Kurz gesagt: Die kleinen Tischgeräte sind Verdunstungskühler. Ein Lüfter bläst Luft durch eine feuchte Matte; das Wasser verdunstet und entzieht der Luft dabei Wärme. Der Effekt reicht wenige Grad — und nur, solange die Luft trocken ist.
Das Prinzip
Verdunstung braucht Energie. Die holt sich das Wasser aus der vorbeiströmenden Luft, die dadurch abkühlt. Dasselbe passiert, wenn man nass aus dem Wasser steigt und friert.
Die Luft wird dabei allerdings feuchter. Was an Temperatur gewonnen wird, wird an Luftfeuchte bezahlt.
Warum es oft enttäuscht
Der Effekt hängt vollständig an der Ausgangsfeuchte. In trockener Luft — etwa 30 Prozent relative Feuchte — sind mehrere Grad möglich. Bei 70 Prozent, wie sie in einer schwülen deutschen Sommernacht herrschen, passiert fast nichts: Die Luft kann kaum noch Wasser aufnehmen.
Genau dann wünscht man sich Kühlung am meisten.
Der Unterschied zur Klimaanlage
Eine Klimaanlage transportiert Wärme mit einem Kältemittelkreislauf nach draußen und entzieht der Luft dabei Feuchtigkeit. Sie kühlt den Raum wirklich ab.
Ein Verdunstungskühler transportiert nichts nach draußen. Er verschiebt Wärme in Luftfeuchte und wirkt nur dort, wo der Luftstrom hinkommt — auf die Hände, ins Gesicht. Als Raumkühler taugt er nicht.
Was tatsächlich hilft
- Nachts und früh morgens querlüften, tagsüber Fenster und Rollläden zu
- Außenliegende Verschattung statt innenliegender Vorhänge
- Ein Ventilator kühlt nicht die Luft, aber die Haut — das reicht subjektiv oft aus
- Wärmequellen im Raum ausschalten
Der Hygienepunkt
Stehendes Wasser in einem warmen Tank ist ein Nährboden für Keime. Der Tank gehört täglich geleert und regelmäßig gereinigt, die Matte muss trocknen können.
Die Physik dahinter
Verdunstungskühlung nutzt aus, dass Wasser beim Übergang in den gasförmigen Zustand Energie aus der Umgebung aufnimmt. Diese Energie heißt Verdampfungsenthalpie und ist bei Wasser besonders hoch. Die Luft, die dabei vorbeiströmt, kühlt sich ab.
Der Haken ist, dass die Energie nicht verschwindet, sondern als Feuchtigkeit im Raum bleibt. Die Gesamtwärme des Raums ändert sich dadurch kaum. Fachleute sprechen von adiabater Kühlung, weil dem System keine Wärme entzogen wird.
Genau darin liegt der Unterschied zur Klimaanlage, die Wärme über ein Kältemittel nach draußen transportiert. Ohne Abluft nach außen ist echte Kühlung physikalisch nicht möglich. Jedes Gerät ohne Abluftschlauch kann deshalb nur befeuchten und Luft bewegen.
Warum Luftfeuchtigkeit entscheidet
Je trockener die Luft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen und desto stärker ist der Kühleffekt. In heißen, trockenen Klimazonen funktionieren Verdunstungskühler deshalb gut und werden dort seit Jahrhunderten eingesetzt. In Mitteleuropa ist die Luft im Sommer oft schon feucht.
Bei einer relativen Luftfeuchte über etwa sechzig Prozent bleibt kaum Kühlwirkung übrig. Stattdessen steigt die Feuchtigkeit weiter, was als schwül empfunden wird. Das erklärt die häufige Enttäuschung nach dem Kauf.
Praktisch heißt das: Ein solches Gerät hilft am ehesten in einem trockenen, gut belüfteten Raum. In einer feuchten Dachwohnung im Hochsommer bringt es wenig. Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf ein Hygrometer.
Was auf dem Typenschild steht
Anders als bei Klimageräten gibt es bei diesen Geräten keine Kühlleistung in Watt, weil sie keine erbringen. Angegeben wird stattdessen der Luftdurchsatz in Kubikmetern pro Stunde und die Tankgröße. Wer nach einer Angabe in Watt sucht, findet nur die Leistungsaufnahme des Ventilators.
Echte mobile Klimageräte tragen dagegen ein Energielabel und eine Angabe zur Kühlleistung. Sie brauchen zwingend einen Abluftschlauch. Fehlt beides, handelt es sich nicht um ein Klimagerät.
Verbraucherzentralen weisen seit Jahren darauf hin, dass Werbung diese Geräte teils als Klimaanlage bezeichnet. Rechtlich ist das eine irreführende Angabe. Beschwerden nehmen die Verbraucherzentralen entgegen.
Was stattdessen hilft
Am wirksamsten ist es, Wärme gar nicht erst hereinzulassen: außen liegender Sonnenschutz, tagsüber geschlossene Fenster, nachts durchlüften. Außenliegende Rollläden oder Markisen wirken deutlich besser als Innenjalousien. Der Unterschied ist erheblich.
Ein normaler Ventilator kühlt die Luft nicht, erhöht aber die Verdunstung auf der Haut und senkt so das Wärmeempfinden. Er verbraucht wenig Strom und ist leise erhältlich. Für viele Situationen reicht das aus.
Wer echte Kühlung braucht, kommt an einem Gerät mit Abluft nach außen nicht vorbei. Monoblockgeräte mit Schlauch sind die einfachste Variante, Splitgeräte die effizienteste. Beide sind deutlich teurer im Betrieb.
Der Hygienepunkt im Detail
Stehendes Wasser bei Raumtemperatur ist ein guter Nährboden für Bakterien und Schimmel. Wird die Luft anschließend darüber geführt, gelangen Keime in den Raum. Deshalb muss der Tank täglich geleert und getrocknet werden.
Filter und Verdunstungsmatten sollten regelmäßig gereinigt oder getauscht werden, nach Herstellerangabe meist alle paar Monate. Kalkablagerungen verringern zusätzlich die Wirkung. Entkalktes Wasser verlängert die Standzeit.
Für Menschen mit Atemwegserkrankungen ist erhöhte Luftfeuchtigkeit ohnehin ungünstig, weil sie Schimmelbildung im Raum begünstigt. Empfohlen werden Werte zwischen vierzig und sechzig Prozent. Ein einfaches Hygrometer zeigt das an.
Was der Betrieb kostet
Die Leistungsaufnahme liegt meist im Bereich weniger Dutzend Watt, vergleichbar mit einem Ventilator. Die Stromkosten sind damit gering. Ein echtes Klimagerät verbraucht ein Vielfaches davon.
Dafür leistet es auch ein Vielfaches. Der Vergleich der Betriebskosten allein führt deshalb in die Irre. Entscheidend ist, was das Gerät tatsächlich bewirkt.
Woran man Werbeversprechen erkennt
Warnzeichen sind Angaben wie kühlt um bis zu zehn Grad ohne Bezugsgröße, Bezeichnungen als Klimaanlage ohne Abluftschlauch und Vergleiche mit Geräten anderer Bauart. Seriöse Hersteller geben Luftdurchsatz und Tankgröße an. Fehlt beides, fehlt die Grundlage.
Bei Onlinebestellungen aus dem Ausland kommt hinzu, dass Rückgabe und Gewährleistung schwer durchsetzbar sind. Verbraucherzentralen raten deshalb zum Kauf bei Händlern innerhalb der Europäischen Union. Dort gilt das Widerrufsrecht von vierzehn Tagen.
Häufige Fragen
Kühlt das Gerät einen Raum?
Nein, nur den Luftstrom davor.
Wie viel Grad bringt es?
In trockener Luft wenige Grad, in feuchter kaum etwas.
Ersetzt es eine Klimaanlage?
Nein.
Muss man den Tank reinigen?
Ja, regelmäßig – sonst wachsen Keime.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:






