Inhalt
Kurz gesagt: Man lädt Unterlagen hoch, ein Steuerbüro im Hintergrund erstellt daraus die Erklärung und reicht sie ein. Bezahlt wird nicht vorab, sondern als Anteil an der Erstattung — üblich sind Sätze im mittleren zweistelligen Prozentbereich mit einer Obergrenze. Gibt es keine Erstattung, entstehen in der Regel auch keine Kosten.
Dieser Text ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
Der Ablauf
1. Anmelden und Fragen beantworten. Statt Formularen gibt es einen Dialog: Beruf, Familienstand, Arbeitsweg, Umzüge, Kinder, Nebenjobs.
2. Unterlagen hochladen. Lohnsteuerbescheinigung, Belege, Bescheinigungen von Versicherungen. Fotos vom Handy genügen meist.
3. Prüfung. Ein kooperierendes Steuerbüro oder ein Lohnsteuerhilfeverein sieht die Angaben durch und ergänzt, was fehlt.
4. Einreichen. Die Erklärung geht elektronisch ans Finanzamt.
5. Abrechnung. Kommt der Bescheid mit einer Erstattung, wird der vereinbarte Anteil fällig.
Warum es dieses Modell überhaupt gibt
Steuerberatung ist in Deutschland ein geschützter Beruf. Wer für andere eine Steuererklärung erstellt, braucht eine Zulassung — als Steuerberater oder als Lohnsteuerhilfeverein.
Eine reine Software darf deshalb nur ausfüllen helfen, nicht beraten. Anbieter mit Erfolgsbeteiligung lösen das, indem sie mit zugelassenen Kanzleien zusammenarbeiten. Die App ist die Oberfläche, die eigentliche Arbeit findet dahinter statt.
Das erklärt auch den Preis: Bezahlt wird nicht die Software, sondern eine Dienstleistung.
Was es kostet
Der Anteil an der Erstattung liegt je nach Anbieter im Bereich von etwa 20 bis 40 Prozent, meist gedeckelt durch einen Höchstbetrag.
Ein Rechenbeispiel: Bei 1.000 Euro Erstattung und 30 Prozent bleiben 700 Euro. Eine Steuersoftware zum Kauf kostet dagegen einen niedrigen zweistelligen Betrag, ein Lohnsteuerhilfeverein staffelt seinen Jahresbeitrag nach Einkommen.
Bei kleinen Erstattungen ist das Modell also günstig, bei großen teuer. Genau umgekehrt zur Steuerberatergebühr, die sich nach dem Gegenstandswert richtet.
Wenn es eine Nachzahlung gibt
Hier lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Manche Anbieter berechnen dann gar nichts, andere eine Grundgebühr. Zu klären ist außerdem, ob die Erklärung im Fall einer Nachzahlung überhaupt eingereicht wird oder ob man selbst entscheidet.
Wichtig: Wer zur Abgabe verpflichtet ist, muss abgeben — unabhängig vom Ergebnis. Eine Pflicht besteht unter anderem bei Nebeneinkünften über dem Freibetrag, bei mehreren Arbeitsverhältnissen, bei Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeiter- oder Elterngeld über 410 Euro und bei bestimmten Steuerklassenkombinationen.
Die Alternativen im Vergleich
- Elster — das kostenlose Portal der Finanzverwaltung. Keine Gebühr, dafür keine Hilfestellung. Wer seinen Fall kennt, fährt damit am günstigsten.
- Steuersoftware — einmaliger Kaufpreis, führt durch die Erklärung und weist auf Absetzbares hin.
- Lohnsteuerhilfeverein — Jahresbeitrag nach Einkommen, persönliche Beratung. Zulässig nur ohne Gewinneinkünfte, also nicht für Selbstständige.
- Steuerberater — die teuerste, aber auch die umfassendste Lösung. Sinnvoll bei Selbstständigkeit, Vermietung, Auslandsbezug oder Erbschaften.
Worauf man achten sollte
Wer haftet, wenn etwas falsch läuft? Bei einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ist das geregelt und versichert. Bei einer reinen Softwarelösung liegt die Verantwortung beim Nutzer.
Zweitens: Welche Daten werden verarbeitet, und wo liegen sie? Eine Steuererklärung enthält so ziemlich alles, was es über einen Menschen zu wissen gibt.
Drittens: Bekommt man die Erklärung vor dem Absenden zu sehen? Das sollte selbstverständlich sein.
Was fast immer vergessen wird
Unabhängig vom gewählten Weg bleiben regelmäßig Posten liegen:
- Arbeitsmittel, auch anteilig genutzte
- Fortbildungen und Fachliteratur
- Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen — der Lohnanteil zählt
- Umzugskosten aus beruflichem Anlass
- Spenden, auch kleine
- Krankheitskosten oberhalb der zumutbaren Belastung
- Kinderbetreuung
Die Fristen
Wer zur Abgabe verpflichtet ist, muss die Erklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres einreichen. Mit steuerlicher Vertretung verlängert sich die Frist erheblich.
Wer freiwillig abgibt, hat vier Jahre Zeit. Das lohnt sich oft: Eine freiwillige Erklärung endet in der großen Mehrzahl der Fälle mit einer Erstattung.
Was das Finanzamt ohnehin schon weiß
Ein Teil der Angaben liegt der Finanzverwaltung bereits vor. Arbeitgeber melden die Lohnsteuerbescheinigung, Krankenkassen die Beiträge, Rentenversicherungen die Zahlungen, Banken die Kapitalerträge.
Diese Daten lassen sich in Elster als vorausgefüllte Steuererklärung abrufen. Wer das nutzt, spart das Abtippen und vermeidet Zahlendreher.
Anbieter mit Erfolgsbeteiligung greifen mit Zustimmung ebenfalls darauf zu. Die eigentliche Leistung liegt deshalb nicht im Erfassen, sondern im Erkennen dessen, was nicht gemeldet wird — Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Leistungen.
Wie lange es bis zum Geld dauert
Zwischen Einreichen und Bescheid vergehen je nach Finanzamt und Jahreszeit zwei bis zwölf Wochen. Im Frühjahr, wenn viele gleichzeitig abgeben, dauert es länger.
Die Erstattung wird auf das im Bescheid genannte Konto überwiesen, meist wenige Tage nach dem Bescheid. Wer die Bankverbindung gewechselt hat, sollte sie vorher aktualisieren — sonst geht die Zahlung zurück und alles verzögert sich.
Gegen einen Bescheid kann man innerhalb eines Monats Einspruch einlegen. Diese Frist läuft ab Bekanntgabe und ist knapp; wer prüfen will, sollte den Bescheid nicht wochenlang liegen lassen.
Wann sich ein Steuerberater lohnt
Sobald der Fall vom Standard abweicht, verschiebt sich die Rechnung. Bei Selbstständigkeit, Vermietung, Kapitalanlagen im Ausland, Erbschaften oder einer Betriebsprüfung ist eine App das falsche Werkzeug.
Die Gebühren richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung und hängen vom Gegenstandswert ab. Sie sind als Steuerberatungskosten teilweise selbst absetzbar, was den tatsächlichen Aufwand senkt.
Ein Anhaltspunkt: Wer neben dem Gehalt nur Werbungskosten und Vorsorgeaufwendungen hat, kommt mit Software oder App gut zurecht. Wer eine eigene Rechnung schreibt, sollte beraten werden.
Häufige Fragen
Was kostet eine Steuer-App mit Erfolgsbeteiligung?
Meist 20 bis 40 Prozent der Erstattung, oft gedeckelt.
Was passiert bei einer Nachzahlung?
Das regelt der Anbieter unterschiedlich – vorher prüfen.
Wer erstellt die Erklärung tatsächlich?
Ein zugelassenes Steuerbüro oder ein Lohnsteuerhilfeverein.
Geht es auch kostenlos?
Ja, über Elster.
Wie lange kann man freiwillig abgeben?
Vier Jahre rückwirkend.
Wann besteht Abgabepflicht?
Unter anderem bei Nebeneinkünften und Lohnersatzleistungen über 410 Euro.
Wie lange dauert die Erstattung?
Meist zwei bis zwölf Wochen bis zum Bescheid.
Wie lange kann man Einspruch einlegen?
Einen Monat ab Bekanntgabe.
Wann braucht man einen Steuerberater?
Bei Selbstständigkeit, Vermietung oder Auslandsbezug.






