Inhalt
Kurzantwort: Die Taube gilt seit der Antike als Zeichen für Frieden, Liebe und Neuanfang. Die bekannteste Fassung dieses Motivs stammt aus dem 20. Jahrhundert: Pablo Picasso zeichnete 1949 die Taube für das Plakat des Weltfriedenskongresses in Paris. Ältere Wurzeln liegen in der Bibel, wo eine Taube mit einem Ölzweig zu Noah zurückkehrt, und in den Kulten antiker Göttinnen.
Kaum ein Vogel wird so unterschiedlich bewertet wie die Taube. Auf Plakaten steht sie für Frieden, auf Bahnhofsvorplätzen gilt sie als Plage.
Beides beschreibt dieselbe Art. Die Stadttaube stammt von der Haustaube ab, und die wiederum von der Felsentaube, die der Mensch seit Jahrtausenden hält.
Dieser Text geht beiden Seiten nach: der Symbolgeschichte und dem realen Vogel, der dahintersteckt.
Die Taube als Friedenszeichen
Das moderne Bild der Friedenstaube geht auf Pablo Picasso zurück. Seine Lithografie einer weißen Taube wurde 1949 zum Plakatmotiv des Weltfriedenskongresses in Paris.
Das Motiv verbreitete sich schnell über die Friedensbewegung des Kalten Krieges und wurde zum internationalen Zeichen. Bis heute erscheint es auf Demonstrationsplakaten, Briefmarken und Denkmälern.
Picasso griff dabei auf ein sehr altes Bild zurück. Die Verbindung von Taube und Frieden war in Europa schon lange durch die biblische Erzählung geprägt.
Tauben in der Bibel
Im Buch Genesis lässt Noah nach der Flut eine Taube fliegen. Sie kehrt mit einem frischen Ölblatt im Schnabel zurück, und daran erkennt er, dass das Wasser gesunken ist.
Die Stelle steht in Genesis 8,11. Aus ihr stammt die bis heute übliche Kombination aus Taube und Ölzweig.
Im Neuen Testament erscheint die Taube bei der Taufe Jesu. Der Geist Gottes kommt dabei auf ihn herab wie eine Taube, so beschreibt es das Matthäusevangelium in Kapitel 3.
Aus dieser Stelle entwickelte sich die Darstellung des Heiligen Geistes als Taube, die in der christlichen Kunst über Jahrhunderte hinweg fest verankert ist.
Ölzweig und Taube trugen dabei je eigene Bedeutungen. Der Ölbaum stand im Mittelmeerraum für Frieden und Wohlstand, weil er nur in ruhigen Zeiten gepflegt und geerntet werden konnte.
Tauben in der Antike
Vor der christlichen Deutung gehörten Tauben zu mehreren Göttinnen des östlichen Mittelmeerraums. Sie erscheinen im Umfeld von Ischtar und Astarte.
In Griechenland und Rom ist die Taube der Aphrodite und der Venus zugeordnet, also der Liebe. Daher stammt die Verbindung von Taubenpaaren mit Verliebten, die bis in die Hochzeitsbräuche des 20. Jahrhunderts wirkt.
Gleichzeitig waren Tauben verbreitete Opfer- und Nutztiere. Sie ließen sich leicht halten und lieferten Fleisch, Eier und Dünger.
Auch die Haustaube selbst stammt aus dieser Zeit. Sie wurde bereits im Alten Orient gehalten und ist damit eines der ältesten Nutztiere überhaupt, älter als das Huhn in Europa.
Brieftauben im Krieg
Tauben finden über große Entfernungen zu ihrem Heimatschlag zurück. Diese Fähigkeit machte sie zum Nachrichtenmittel, lange bevor es Funk gab.
Bekannt wurde Cher Ami, eine Brieftaube der US-Armee im Ersten Weltkrieg. Sie überbrachte 1918 eine Meldung eines eingeschlossenen Bataillons, obwohl sie unterwegs verwundet wurde, und erhielt dafür eine französische Auszeichnung.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Tiere in Großbritannien mit der Dickin Medal geehrt, gestiftet 1943 von Maria Dickin. Zwischen 1943 und 1949 ging die Auszeichnung 54 Mal an Tiere, darunter 32 Mal an Tauben.
Der Brieftaubensport entstand daraus im 19. Jahrhundert und war lange ein Massenphänomen im Ruhrgebiet und in Belgien. Heute geht die Zahl der Züchter zurück, die Vereine überaltern.
Die Stadttaube
Stadttauben sind verwilderte Haustauben. Ihre Stammform ist die Felsentaube, die auf Klippen brütet, weshalb sich die Vögel in Städten an Fassaden, Brücken und Nischen wohlfühlen.
Sie sind also keine Wildtiere, die den Menschen zufällig gefunden haben, sondern Nachfahren von Tieren, die der Mensch gezüchtet und dann sich selbst überlassen hat.
Daraus folgt der Streit über den Umgang mit ihnen. Fütterungsverbote, Vergrämung und betreute Taubenschläge stehen nebeneinander, wobei Schläge mit Eiaustausch als tierschutzgerechte Variante der Bestandskontrolle gelten.
Von den heimischen Wildtauben ist die Turteltaube am stärksten gefährdet. NABU und LBV wählten sie 2020 zum Vogel des Jahres in Deutschland.
Was Taubenmotive heute ausdrücken
Auf Trauerkarten, Tattoos und Hochzeitseinladungen steht die Taube meist für Frieden, Treue oder für die Seele. Diese Zuordnungen sind kulturelle Konventionen, keine feststehenden Bedeutungen.
Wer ein solches Motiv wählt, sollte deshalb wissen, welche Tradition er aufgreift. Die Taube mit Ölzweig ist biblisch, das Taubenpaar antik, die fliegende weiße Taube modern und politisch geprägt.
Das Loslassen weißer Tauben bei Hochzeiten wird von Tierschutzorganisationen kritisch gesehen, weil die Tiere je nach Herkunft und Entfernung nicht zuverlässig zurückfinden.
Wer Tauben beobachten will, braucht dafür keine Ausrüstung. Balzverhalten, Nestbau und die Fütterung der Jungen mit Kropfmilch lassen sich mitten in der Stadt aus wenigen Metern Entfernung verfolgen.
Häufige Fragen
Warum gilt die Taube als Friedenssymbol?
Wegen der biblischen Erzählung von Noah und wegen der modernen Verbreitung durch Picassos Plakat von 1949.
Sind weiße Tauben eine eigene Art?
Nein. Weiße Tauben sind Zuchtformen der Haustaube.
Warum finden Brieftauben nach Hause?
Sie nutzen mehrere Orientierungshilfen, darunter den Sonnenstand und das Erdmagnetfeld. Die Forschung dazu ist nicht abgeschlossen.
Darf ich Stadttauben füttern?
Das regeln die Kommunen unterschiedlich. In vielen Städten gilt ein Fütterungsverbot mit Bußgeld.
Übertragen Tauben Krankheiten?
Erreger kommen vor, das Risiko für gesunde Menschen gilt jedoch als gering. Der Kontakt mit trockenem Kot sollte trotzdem vermieden werden, weil dabei Staub eingeatmet wird.
Welche Taubenarten leben in Deutschland?
Neben der Stadttaube vor allem Ringeltaube, Türkentaube, Hohltaube und die seltene Turteltaube. Die Ringeltaube ist die größte heimische Art und inzwischen auch in Parks und Gärten häufig.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.






