Unterschied zwischen Evangelischen und Katholiken einfach erklärt

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Der Unterschied zwischen Evangelischen und Katholiken liegt vor allem im Kirchenverständnis. Katholiken erkennen den Papst als Oberhaupt an und kennen sieben Sakramente. Evangelische orientieren sich allein an der Bibel, haben zwei Sakramente und keinen Papst.

Kurzantwort: Beide Kirchen sind christlich und glauben an denselben Gott. Sie trennen Amtsverständnis, Sakramente, Heiligenverehrung und die Rolle des Papstes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Spaltung geht auf die Reformation ab 1517 zurück.
  • Katholiken haben sieben Sakramente, Evangelische zwei.
  • Evangelische Pfarrer dürfen heiraten, katholische Priester leben zölibatär.
  • Beide Kirchen sind in Deutschland ähnlich groß und verlieren Mitglieder.

Woher kommt die Trennung der Konfessionen?

Die Trennung beginnt mit der Reformation. Traditionell gilt der 31. Oktober 1517 als Startpunkt. An diesem Tag soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel in Wittenberg angeschlagen haben. Aus dem Streit um die Erneuerung der Kirche entstanden mehrere protestantische Richtungen und daneben die katholische Kirche.

Das Wort „Konfession“ bezeichnet eine christliche Glaubensgemeinschaft mit eigenem Bekenntnis. In Deutschland sind die beiden großen Konfessionen die römisch-katholische und die evangelische. Die evangelischen Landeskirchen sind seit 1948 in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verbunden. Sie bilden einen Bund eigenständiger Kirchen. Die katholische Kirche ist dagegen weltweit einheitlich unter dem Papst organisiert.

Papst, Bischöfe und Kirchenaufbau im Vergleich

Der größte sichtbare Unterschied ist die Leitung. Die katholische Kirche hat den Papst in Rom an der Spitze. Darunter stehen Bischöfe, Priester und Diakone. Die Weihe gilt als Sakrament und ist Männern vorbehalten.

Die evangelischen Kirchen kennen keinen Papst. Jede Landeskirche regelt ihre Angelegenheiten selbst. Synoden entscheiden mit, in ihnen sitzen auch Laien. Frauen können Pfarrerin oder Bischöfin werden. Evangelische Pfarrer dürfen heiraten und Familien gründen. Katholische Priester der römischen Kirche leben in der Regel im Zölibat.

Sakramente: sieben oder zwei?

Die katholische Kirche zählt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe. Die evangelischen Kirchen erkennen nur Taufe und Abendmahl als Sakramente an, weil beide auf Jesus selbst zurückgehen. Trauung, Konfirmation oder Segnung gelten als kirchliche Handlungen, nicht als Sakramente.

Die Taufe verbindet beide Konfessionen. Die gegenseitige Anerkennung ist üblich. Wer die Rolle der Taufpaten klären will, findet Antworten im Beitrag zur Patentante ohne Taufe.

Kurzantwort: Katholiken feiern sieben Sakramente, Evangelische nur Taufe und Abendmahl. Die Taufe erkennen beide Kirchen gegenseitig an.

Bibel, Tradition und Heiligenverehrung

Evangelische Christen stellen die Bibel an die erste Stelle. Der Grundsatz lautet „sola scriptura“, also allein die Schrift. Die katholische Kirche stützt sich auf die Bibel und zusätzlich auf die kirchliche Tradition sowie das Lehramt. Die katholische Bibel umfasst mehr Bücher im Alten Testament als die evangelische. Diese Schriften heißen deuterokanonisch.

Auch die Heiligen spielen unterschiedliche Rollen. Katholiken verehren Maria und die Heiligen und bitten sie um Fürsprache. Evangelische halten Christus für den einzigen Vermittler und verehren keine Heiligen. Sie achten Maria als Mutter Jesu, aber ohne besondere Marienfrömmigkeit. Die Beichte ist katholisch ein Sakrament. Evangelische Christen kennen die Beichte, sie ist aber freiwillig und nicht vorgeschrieben.

Abendmahl und Eucharistie: Was passiert im Gottesdienst?

In der katholischen Messe steht die Eucharistie im Mittelpunkt. Nach katholischer Lehre verwandeln sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Für Evangelische ist Christus im Abendmahl gegenwärtig, die Deutung fällt aber je nach Tradition verschieden aus. Der Gottesdienst legt zudem mehr Gewicht auf die Predigt.

Ein sichtbarer Unterschied betrifft den Kelch. In evangelischen Gemeinden empfangen alle Gläubigen Brot und Wein. Die Einladung gilt meist allen getauften Christen. In katholischen Gemeinden ist die Teilnahme an Regeln geknüpft. Konfessionsverschiedene Ehepaare erleben das oft als Hürde.

Merkmal Katholisch Evangelisch
Oberhaupt Papst Kein Papst, Landeskirchen
Sakramente Sieben Zwei
Geistliche Zölibat, nur Männer Heirat erlaubt, auch Frauen
Heiligenverehrung Ja Nein
Jugendfest Erstkommunion, Firmung Konfirmation
Eigener Feiertag Allerheiligen Reformationstag

Feste, Bräuche und Alltag der beiden Kirchen

Im Jahreslauf feiern beide Kirchen Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Die Fastenzeit vor Ostern kennen beide. Wer sich für den Verzicht auf Essen interessiert, kann nachlesen, wie Wasserfasten funktioniert. Katholiken feiern zusätzlich Allerheiligen und viele Marienfeste. Evangelische begehen am 31. Oktober den Reformationstag.

Junge Menschen feiern ihren Glaubensweg unterschiedlich. Katholische Kinder gehen meist mit etwa neun Jahren zur Erstkommunion und später zur Firmung. Evangelische Jugendliche werden mit etwa 14 Jahren konfirmiert. Auch bei Trauerfeiern gibt es Unterschiede in den Liturgien. Wer Blumen für eine Feier plant, findet Hinweise unter Blumen für Trauerfeier und Urnenbeisetzung.

Gemeinsamkeiten und Ökumene in Deutschland

Trotz aller Unterschiede verbindet vieles. Beide Kirchen glauben an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus und an die Bibel. Sie feiern gemeinsam ökumenische Gottesdienste, arbeiten in der Caritas und der Diakonie und finanzieren sich in Deutschland über die Kirchensteuer.

Nach Angaben der Wikipedia zählte die Deutsche Bischofskonferenz Ende 2025 rund 19,2 Millionen Katholiken. Das entspricht 23,0 Prozent der Bevölkerung. Die evangelischen Landeskirchen hatten laut EKD-Angaben 17,4 Millionen Mitglieder oder 20,8 Prozent. Beide Kirchen verlieren seit Jahren Mitglieder durch Austritte und Sterbefälle.

Kurzantwort: Ende 2025 hatte die katholische Kirche in Deutschland rund 19,2 Millionen, die evangelische etwa 17,4 Millionen Mitglieder.

Konfessionsverschiedene Ehe und Beerdigung

Viele Paare gehören verschiedenen Konfessionen an. Eine Trauung ist möglich, oft mit ökumenischer Begleitung. Kinder werden meist in einer der beiden Kirchen getauft. Bei der Beerdigung übernimmt in der Regel die Kirche des Verstorbenen. Wie viel Zeit bis dahin vergeht, erklärt der Beitrag Wie lange dauert es bis zur Beerdigung.

Fazit

Evangelische und Katholiken teilen den christlichen Kern. Die Unterschiede betreffen Kirchenleitung, Sakramente, Priesteramt und Heiligenverehrung. Sie haben ihren Ursprung in der Reformation und prägen bis heute Gottesdienst und Gemeindeleben. Im Alltag begegnen sich beide Kirchen längst auf Augenhöhe und feiern vieles gemeinsam.

FAQ – Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Evangelischen und Katholiken?

Die Stellung des Papstes und das Verständnis von Kirche und Amt. Katholiken folgen dem Papst, Evangelische kennen kein solches Oberhaupt.

Sind Evangelische und Katholiken beide Christen?

Ja. Beide bekennen sich zu Jesus Christus und zur Bibel. Sie unterscheiden sich in Lehre und Praxis.

Warum gibt es zwei Konfessionen?

Die Reformation ab 1517 führte zur Spaltung. Martin Luther kritisierte Missstände wie den Ablasshandel.

Dürfen evangelische Pfarrer heiraten?

Ja. Evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen dürfen heiraten und Kinder haben.

Gibt es evangelische Nonnen und Mönche?

Es gibt evangelische Kommunitäten und Bruderschaften, sie sind aber selten. Klöster prägen vor allem die katholische Kirche.

Dürfen Frauen Priesterin werden?

In der katholischen Kirche nicht. Die evangelischen Kirchen ordinieren Frauen zu Pfarrerinnen.

Kann ein Katholik in einer evangelischen Kirche zum Abendmahl gehen?

Evangelische Gemeinden laden meist alle getauften Christen ein. Die katholische Kirche knüpft die Teilnahme an eigene Regeln.

Wie viele Sakramente gibt es?

Katholisch sind es sieben, evangelisch zwei: Taufe und Abendmahl.

Was ist Konfirmation und was ist Firmung?

Die Konfirmation ist das evangelische Fest der Bestätigung der Taufe, meist mit 14 Jahren. Die Firmung ist ein katholisches Sakrament und folgt auf die Erstkommunion.

Gibt es in beiden Kirchen Kirchensteuer?

Ja. Mitglieder beider Kirchen zahlen in Deutschland Kirchensteuer, sofern sie steuerpflichtig sind.

Mehr zum Thema

Quellen

Nach oben scrollen