Alte Deutschland-Flagge: Schwarz-Weiß-Rot und ihre Geschichte

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Die alte deutsche Flagge des Kaiserreichs zeigte die Farben Schwarz, Weiß und Rot in drei waagerechten Streifen. Sie galt von 1871 bis 1919 als Nationalflagge des Deutschen Reiches. Schwarz-Rot-Gold ist dagegen der ältere Entwurf und heute wieder die offizielle Flagge.

Kurzantwort: Die „alte“ deutsche Flagge ist meist Schwarz-Weiß-Rot aus der Kaiserzeit (1867 bis 1919). Vorher und nachher war Schwarz-Rot-Gold die Flagge der Demokraten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwarz-Weiß-Rot: 1867 bis 1919 Flagge von Norddeutschem Bund und Kaiserreich
  • Schwarz-Rot-Gold: 1848, 1919 und seit 1949 Flagge der Demokratie
  • Farbursprung: Preußen (Schwarz-Weiß) und Hansestädte (Weiß-Rot)
  • Rechtslage heute: kein generelles Verbot der Reichsflagge

Welche Farben hatte die alte deutsche Flagge?

Wer nach der alten Deutschlandflagge fragt, meint in der Regel die schwarz-weiß-rote Trikolore. Sie hat drei gleich breite waagerechte Streifen, oben Schwarz, in der Mitte Weiß und unten Rot. Das Seitenverhältnis beträgt 2:3. Offiziell festgelegt hat sie das Kaiserreich am 8. November 1892 in einer Verordnung über die Führung der Reichsflagge.

Die Bezeichnung „Reichsflagge“ ist dafür üblich. Daneben gab es Kriegsflaggen mit Kreuz und Adler, die man von der schlichten Trikolore unterscheiden muss. Die Flagge der Bundesrepublik nutzt dagegen Schwarz, Rot und Gold. Ein Blick auf die Flagge in Rot-Weiß-Blau zeigt, wie unterschiedlich Farbfolgen Staaten kennzeichnen können.

Entstehung der Reichsflagge: Von Soetbeer bis Bismarck

Die Idee stammt aus Hamburg. Adolf Soetbeer, Sekretär der Handelskammer, schlug am 22. September 1866 im Bremer Handelsblatt vor, die preußischen Farben Schwarz-Weiß mit den Hansefarben Weiß-Rot zu verbinden. Bismarck nahm den Gedanken am 9. Dezember 1866 in seine Grundzüge für eine Verfassung des Norddeutschen Bundes auf.

Am 1. Juli 1867 trat diese Verfassung in Kraft. Artikel 55 lautete: „Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-rot.“ Bismarck selbst zeigte wenig Begeisterung für Farbfragen. Überliefert ist sein Satz von 1871: „Sonst ist mir das Farbenspiel einerlei.“

Was bedeuten Schwarz, Weiß und Rot?

Die Öffentlichkeit erfuhr eine einfache Deutung. Schwarz-Weiß stand für Preußen, Rot-Weiß für die Hansestädte. Rot und Weiß tragen unter anderem die Wappen von Hamburg, Bremen und Lübeck. Rot-Weiß gehörte außerdem zur Mark Brandenburg. Die Hohenzollern führten in ihrem Familienwappen Schwarz und Weiß.

Damit verband die Flagge die beiden wichtigsten Kräfte des jungen Staates. Preußen lieferte die Führung, die Hansestädte brachten Schiffe und Handel ein. Eine tiefere Farbsymbolik gab es zunächst nicht. Die Schiffe des Bundes mussten international erkennbar sein.

Die deutschen Flaggen im Überblick

Zeitraum Flagge Anlass
1848 bis 1849 Schwarz-Rot-Gold Frankfurter Nationalversammlung, Reichsgesetz vom 13. November 1848
1867 bis 1871 Schwarz-Weiß-Rot Norddeutscher Bund, Handels- und Kriegsmarine
1871 bis 1919 Schwarz-Weiß-Rot Deutsches Kaiserreich, ab 1892 offiziell geregelt
1919 bis 1933 Schwarz-Rot-Gold Weimarer Republik, Handelsflagge mit Kompromiss
1933 bis 1935 Schwarz-Weiß-Rot plus Hakenkreuzflagge Erlass vom 12. März 1933
seit 1949 Schwarz-Rot-Gold Grundgesetz, Artikel 22

Schwarz-Rot-Gold als ältere Flagge

Die Farben Schwarz, Rot und Gold gehen auf die Befreiungskriege gegen Napoleon zurück. Das Lützowsche Freikorps färbte 1813 seine Uniformen schwarz und ergänzte rote Aufschläge und goldene Knöpfe. Studenten der Urburschenschaft wählten die Farben 1815. Beim Wartburgfest 1817 und beim Hambacher Fest 1832 zogen Tausende unter dieser Fahne.

Am 9. März 1848 nahm der Bundestag des Deutschen Bundes die Farben offiziell an. Die Frankfurter Nationalversammlung beschloss am 13. November 1848 eine deutsche Kriegs- und Handelsflagge. Nach der Niederschlagung der Revolution verschwand sie zunächst aus dem Alltag. Warum Symbole solche Wirkung entfalten, beschreibt der Beitrag über die Bedeutung von Symbolen.

Flaggenstreit in der Weimarer Republik

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg stand Schwarz-Weiß-Rot für die zusammengebrochene Monarchie. Die Nationalversammlung in Weimar entschied am 3. Juli 1919 mit 211 gegen 90 Stimmen für Schwarz-Rot-Gold. Die Handelsflagge behielt als Kompromiss ein schwarz-weiß-rotes Tuch mit einer schwarz-rot-goldenen Gösch.

Kurzantwort: Die Weimarer Nationalversammlung wählte am 3. Juli 1919 mit 211 zu 90 Stimmen Schwarz-Rot-Gold zur Nationalflagge. Monarchisten und Rechte hielten an Schwarz-Weiß-Rot fest.

Der Streit dauerte bis in die späten 1920er Jahre. Das republikanische Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold stand dem rechtskonservativen Stahlhelm gegenüber, der Schwarz-Weiß-Rot als Bundesfarben führte. Die Nationalsozialisten verspotteten die Republikflagge als „Schwarz-Rot-Mostrich“.

Schwarz-Weiß-Rot in der NS-Zeit

Reichspräsident Paul von Hindenburg verfügte am 12. März 1933, dass bis zur endgültigen Regelung zwei Flaggen zu hissen seien. Das waren die schwarz-weiß-rote Fahne und die Hakenkreuzflagge. Ab 1935 galt nur noch die Hakenkreuzflagge als Nationalflagge, eingeführt durch die Nürnberger Gesetze.

Diese Verbindung erklärt, warum die schwarz-weiß-rote Trikolore heute umstritten ist. Historisch war sie zuerst ein monarchisches und nationales Symbol. In der Weimarer Zeit entwickelte sie sich zum Erkennungszeichen der antirepublikanischen Rechten. Weitere Einordnungen zu Zeichen und Deutungen finden sich unter Kreuze und ihre Bedeutung.

Ist die alte Reichsflagge heute verboten?

Ein generelles Verbot gibt es nicht. Nach Angaben des Verfassungsschutzes erfüllt das Führen der Reichskriegsflagge weder einen Tatbestand des Strafgesetzbuches noch des Ordnungswidrigkeitengesetzes. Polizei und Ordnungsbehörden dürfen sie jedoch im Einzelfall sicherstellen, wenn konkrete Gefahren für die öffentliche Sicherheit bestehen. Das Zeigen muss laut Wikipedia nicht Ausdruck rechtsextremer Gesinnung sein.

Verboten bleiben verfassungsfeindliche Kennzeichen wie die Hakenkreuzflagge. Für Veranstalter und Vereine lohnt sich ein Blick in die jeweilige Hausordnung, denn viele Stadien und Versammlungsorte schließen die Reichsflagge per Regel aus.

FAQ – Häufige Fragen

Welche Farben hatte die alte deutsche Flagge?

Das Kaiserreich führte Schwarz-Weiß-Rot in drei waagerechten Streifen. Die Weimarer Republik kehrte 1919 zu Schwarz-Rot-Gold zurück.

Wann galt die schwarz-weiß-rote Flagge in Deutschland?

Sie war ab 1867 Flagge des Norddeutschen Bundes, von 1871 bis 1919 Nationalflagge des Kaiserreichs und von 1933 bis 1935 eine von zwei Reichsflaggen.

Wer hat Schwarz-Weiß-Rot erfunden?

Der Hamburger Adolf Soetbeer schlug die Kombination 1866 vor. Otto von Bismarck übernahm sie in die Verfassung des Norddeutschen Bundes.

Was bedeuten die Farben Schwarz, Weiß und Rot?

Schwarz-Weiß stand für Preußen, Weiß-Rot für die Hansestädte und die Mark Brandenburg. So erklärte man es der Öffentlichkeit ab 1867.

Ist die Reichsflagge heute verboten?

Ein generelles Verbot gibt es nicht. Nach Angaben des Verfassungsschutzes erfüllt das Führen der Reichskriegsflagge keinen Straftatbestand, Behörden dürfen sie im Einzelfall aber sicherstellen.

Was ist der Unterschied zwischen Reichsflagge und Reichskriegsflagge?

Die Reichsflagge ist die schlichte Trikolore. Die Reichskriegsflagge zeigt zusätzlich Kreuz und Adler und diente den Streitkräften.

Wann wurde Schwarz-Rot-Gold zur Nationalflagge?

Erstmals 1848 durch die Frankfurter Nationalversammlung. Dauerhaft gilt sie seit dem 23. Mai 1949 laut Artikel 22 des Grundgesetzes.

Welche Flagge hatte die DDR?

Die DDR übernahm 1949 Schwarz-Rot-Gold. Seit dem Flaggengesetz vom 1. Oktober 1959 trug sie Hammer, Zirkel und Ährenkranz in der Mitte.

Welches Seitenverhältnis hatte die Reichsflagge?

Die Reichsflagge im Kaiserreich hatte das Seitenverhältnis 2:3. Die heutige Bundesflagge misst 3:5.

Warum wurde die Hakenkreuzflagge 1935 zur alleinigen Flagge?

Die Nürnberger Gesetze machten sie 1935 zur einzigen Nationalflagge. Schwarz-Weiß-Rot verschwand damit aus dem offiziellen Gebrauch.

Mehr zum Thema

Quellen

Nach oben scrollen