Tattoos: Symbole mit Bedeutung und woher sie stammen

Kurzantwort: Die meisten Tattoo-Symbole haben eine belegbare Herkunft: Anker und Schwalbe kommen aus der Seefahrt, das Semikolon aus einer Kampagne zur psychischen Gesundheit von 2013, das Hamsa aus dem Vorderen Orient. Bei Runen und historischen Abzeichen lohnt sich ein Blick ins Strafgesetzbuch, bevor die Nadel läuft.

Ein Symbol auf der Haut trägt zwei Bedeutungen: die, die du hineinlegst, und die, die andere darin lesen. Beide fallen nicht immer zusammen.

Das ist kein Grund, auf Zeichen zu verzichten. Es ist ein Grund, ihre Geschichte zu kennen, bevor du dich entscheidest.

Warum Symbole so oft gestochen werden

Ein Symbol sagt in einer Form, wofür ein Satz mehrere Zeilen bräuchte. Es passt aufs Handgelenk, funktioniert ohne Farbe und altert besser als filigrane Schrift.

Dazu kommt die Anschlussfähigkeit. Wer ein Zeichen trägt, das andere kennen, bekommt Gespräche geschenkt. Genau darauf setzen Kampagnen, die ein Symbol bewusst verbreiten.

Der Preis dafür ist die Fremddeutung. Ein Zeichen mit Geschichte bringt diese Geschichte mit, ob du sie meinst oder nicht. Bei manchen Motiven ist das gleichgültig, bei anderen entscheidet es darüber, wie du gelesen wirst.

Zeichen aus der Seefahrt

Die ältesten europäischen Tattoo-Symbole stammen von Seeleuten. Der Anker stand für Halt und für die sichere Rückkehr in den Hafen. Getragen wurde er traditionell, wenn jemand den Atlantik überquert hatte.

Die Schwalbe folgte demselben Prinzip. Sie galt als Vogel, der zum Nest zurückfindet, und wurde nach einer bestimmten zurückgelegten Seemeilenzahl gestochen. Zwei Schwalben zeigten entsprechend die doppelte Strecke.

Ähnlich funktioniert die Nautische Sternschnuppe, der fünfzackige Stern in zwei Farben. Er verweist auf die Sterne, nach denen früher navigiert wurde, und stand für die Hoffnung, den Weg nach Hause zu finden.

Kompass und Kompassrose gehören in dieselbe Familie. Sie stehen für Orientierung und für den Wunsch, den Weg zurück zu finden. Diese Motive sind heute weit über die Seefahrt hinaus verbreitet, ihre Herkunft ist aber gut dokumentiert.

Symbole aus Religion und Mythologie

Das Hamsa, eine offene Hand mit einem Auge in der Mitte, stammt aus dem Vorderen Orient und Nordafrika. Es gilt als Abwehrzeichen gegen den bösen Blick und wird sowohl in jüdischen als auch in islamischen Zusammenhängen verwendet.

Die Triquetra, ein Knoten aus drei ineinandergreifenden Bögen, taucht in insularer Buchmalerei auf, etwa im Book of Kells. Christlich wird sie auf die Dreifaltigkeit bezogen, in modernen naturreligiösen Strömungen auf drei Lebensphasen.

Der Ouroboros, die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, ist seit dem alten Ägypten belegt und wanderte über die Alchemie in die europäische Bildwelt. Gedeutet wird er als Kreislauf ohne Anfang und Ende.

Das ägyptische Anch bedeutet schlicht „Leben“ und ist die häufigste Hieroglyphe dieser Art. Als Tattoo steht es meist für Lebenskraft oder Neuanfang.

Moderne Zeichen mit klarer Botschaft

Das bekannteste jüngere Beispiel ist das Semikolon. Es geht auf Project Semicolon zurück, eine 2013 von Amy Bleuel gegründete US-Organisation, die sich gegen Suizid und für psychische Gesundheit einsetzt.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Ein Semikolon beendet einen Satz nicht, es setzt ihn fort. Bleuel ließ sich das Zeichen im Gedenken an ihren Vater stechen. Sie starb 2017 im Alter von 31 Jahren.

Wer ein solches Symbol trägt, macht damit eine Aussage über sich. Das ist beabsichtigt — und es lohnt sich zu wissen, worauf man sich einlässt, weil das Zeichen Fragen auslöst.

Symbole, die rechtlich heikel sind

In Deutschland verbietet § 86a des Strafgesetzbuchs das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das gilt auch für ein Tattoo, das öffentlich sichtbar ist.

Betroffen sind unter anderem die doppelte Sigrune als Abzeichen der SS und weitere Zeichen verbotener Gruppen. Einzelne Runen des älteren Futhark sind für sich genommen nicht verboten, können aber strafbar werden, wenn sie in der Gestalt eines verbotenen Abzeichens auftreten.

Wenn du dir bei einem Motiv unsicher bist, frag vor dem Termin bei einer Rechtsberatung nach. Ein Tattoo lässt sich nur mit erheblichem Aufwand wieder entfernen.

Bevor du dich stechen lässt

Prüfe die Herkunft an einer belastbaren Quelle, nicht an einer Bildersammlung ohne Impressum. Bei Zeichen aus lebenden Traditionen, etwa aus der Māori-Kultur, ist die Frage der Herkunft nicht nur historisch, sondern auch eine Frage des Respekts.

Denk außerdem an die Platzierung. Ein Zeichen, das an einer Stelle ruhig wirkt, kann an einer anderen dauerhaft sichtbar sein — im Bewerbungsgespräch genauso wie am Strand.

Nimm dir Zeit zwischen Entscheidung und Termin. Wer ein Motiv vier Wochen lang als Ausdruck am Arm trägt, merkt schnell, ob die Größe stimmt und ob die Stelle im Alltag stört.

Sprich beim Erstgespräch offen über die Bedeutung. Gute Tätowierer kennen die Herkunft der gängigen Symbole und weisen dich auf Motive hin, die in ihrer Szene anders gelesen werden als in Bildersuchen im Netz.

Häufige Fragen

Was bedeutet ein Semikolon-Tattoo?

Es steht für Weitermachen nach einer Krise und geht auf Project Semicolon zurück, gegründet 2013 in den USA.

Was bedeutet der Anker?

Halt und sichere Rückkehr. In der Seefahrt wurde er nach einer Atlantiküberquerung gestochen.

Sind Runen-Tattoos verboten?

Einzelne Runen nicht. Verboten ist die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, etwa der doppelten Sigrune.

Welche Symbole altern gut?

Klare Formen mit kräftigen Linien. Sehr feine Details und kleine Schrift verlaufen über die Jahre.

Kann ein Symbol seine Bedeutung ändern?

Ja. Zeichen werden von Gruppen übernommen und umgedeutet. Prüfe deshalb auch die aktuelle Verwendung, nicht nur die historische.

Was kostet ein kleines Symbol-Tattoo?

Die meisten Studios arbeiten mit einem Mindestpreis. Frag vorab nach, statt dich am Stundensatz zu orientieren.

Woher weiß ich, ob ein Motiv problematisch ist?

Such nach der aktuellen Verwendung, nicht nur nach der Herkunft. Taucht ein Zeichen regelmäßig im Umfeld verbotener Gruppen auf, ist Vorsicht angebracht.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

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