Wie funktioniert Enthaarungscreme? Chemie und Risiken

Kurz gesagt: Enthaarungscreme enthält Thioglykolat-Salze in einem stark alkalischen Milieu. Sie brechen die Schwefelbrücken im Keratin des Haares auf – das Haar wird weich und lässt sich abwischen. Die Haarwurzel bleibt unberührt.

Rasiert wird dabei nichts. Das Haar wird chemisch zersetzt.

Die Chemie dahinter

Haare bestehen aus Keratin. Dessen Stabilität kommt von Disulfidbrücken – Verbindungen zwischen Schwefelatomen benachbarter Eiweißketten.

Thioglykolat spaltet genau diese Brücken. Das Haar verliert seine Struktur und zerfällt zu einer weichen Masse. Der hohe pH-Wert von etwa 11 bis 12 lässt es zusätzlich aufquellen, damit der Wirkstoff eindringen kann.

Der typische Geruch stammt von den schwefelhaltigen Verbindungen.

Warum die Haut nicht mitzerfällt

Auch die Hornschicht der Haut enthält Keratin – deshalb ist die Einwirkzeit begrenzt. Innerhalb der angegebenen Zeit reicht die Wirkung für das dünnere Haar, nicht für die deutlich dickere Hornschicht.

Wer die Zeit überschreitet, greift die Haut an. Rötung, Brennen und im schlimmeren Fall eine Verätzung sind die Folge – der häufigste Anwendungsfehler überhaupt.

Die Anwendung

Verträglichkeit testen. 24 Stunden vorher eine kleine Menge an einer unauffälligen Stelle auftragen.

Dick auftragen. Die Haare müssen bedeckt sein; nicht einmassieren.

Zeit einhalten. Meist 5 bis 10 Minuten, nie länger als angegeben.

Abnehmen statt reiben. Mit dem Spatel abschieben, dann mit lauwarmem Wasser abspülen.

Danach schonen. 24 Stunden kein Deo, kein Parfüm, keine Sonne, keine Sauna.

Wo sie nicht hingehört

Nicht auf Gesicht – außer die Creme ist ausdrücklich dafür ausgewiesen –, nicht auf Schleimhäute, nicht in den Intimbereich ohne entsprechende Kennzeichnung, nicht auf gereizte, verletzte oder frisch rasierte Haut, nicht auf Muttermale.

Wie lange das Ergebnis hält

Etwa zwei bis fünf Tage – länger als eine Rasur, kürzer als Waxing. Weil das Haar unterhalb der Hautoberfläche zersetzt wird und die Spitze abgerundet nachwächst, stoppelt es weniger als nach dem Rasieren.

Warum es riecht

Der typische Geruch stammt von schwefelhaltigen Verbindungen, die beim Aufbrechen der Bindungen im Haarkeratin entstehen. Er lässt sich durch Duftstoffe überdecken, aber nicht vermeiden. Deshalb riechen alle Produkte dieser Art ähnlich.

Der hohe pH-Wert ist für die Wirkung nötig, macht das Produkt aber hautreizend. Genau deshalb sind Einwirkzeiten streng begrenzt. Sie stehen auf der Packung und sollten nicht überschritten werden.

Nach dem Abnehmen wird gründlich mit lauwarmem Wasser gespült, um Reste zu entfernen. Seife direkt danach kann zusätzlich reizen. Eine milde Pflege ohne Alkohol ist die bessere Wahl.

Der Test vor der Anwendung

Vor der ersten Anwendung wird an einer kleinen Stelle getestet und mindestens vierundzwanzig Stunden abgewartet. Damit lassen sich Unverträglichkeiten erkennen, bevor größere Flächen betroffen sind. Dieser Test wird regelmäßig übersprungen.

Auch wer ein Produkt schon einmal vertragen hat, kann bei geänderter Rezeptur reagieren. Deshalb lohnt der Test bei jedem neuen Produkt. Er kostet wenige Minuten.

Bei Rötung, Brennen oder Juckreiz wird sofort abgespült. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Chemische Verätzungen sind keine Bagatelle.

Wo sie nicht angewendet werden darf

Nicht angewendet wird sie auf verletzter, gereizter oder sonnenverbrannter Haut, auf Muttermalen sowie im Gesicht, sofern das Produkt nicht ausdrücklich dafür zugelassen ist. Auch Schleimhäute und der Intimbereich sind ausgenommen, wenn es nicht ausgewiesen ist. Diese Angaben stehen in der Kennzeichnung.

Nach dem Sonnenbaden oder vor dem Solarium sollte einige Zeit gewartet werden, weil die Haut empfindlicher reagiert. Empfohlen werden mindestens vierundzwanzig Stunden Abstand. Dasselbe gilt für Schwimmbadbesuche wegen des Chlors.

Bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte ist von der Anwendung abzuraten. Dann sind andere Methoden geeigneter. Die Hautarztpraxis berät dazu.

Die Alternativen im Vergleich

Rasieren ist schnell und günstig, das Ergebnis hält aber nur ein bis drei Tage und die Haarspitzen wirken stumpf. Epilieren und Waxing entfernen das Haar mitsamt Wurzel, das Ergebnis hält zwei bis vier Wochen. Beides ist schmerzhafter.

Enthaarungscreme liegt dazwischen: Sie löst das Haar knapp unter der Hautoberfläche, weshalb das Ergebnis etwas länger hält als beim Rasieren. Stoppeln fühlen sich weicher an. Die Wurzel bleibt erhalten.

Dauerhafte Verfahren mit Laser oder Blitzlampe wirken über mehrere Sitzungen und sind nicht bei allen Haar- und Hauttypen gleich wirksam. Sie sind deutlich teurer. Bei medizinischen Geräten gehören sie in fachkundige Hände.

Eingewachsene Haare vermeiden

Eingewachsene Haare entstehen, wenn das nachwachsende Haar die Hautoberfläche nicht durchdringt und sich seitlich krümmt. Betroffen sind vor allem lockige Haare und Stellen mit Reibung. Sie zeigen sich als kleine, gerötete Pusteln.

Vorbeugen lässt sich mit regelmäßigem, sanftem Peeling und lockerer Kleidung nach der Behandlung. Zu aggressives Rubbeln verschlimmert das Problem. Ein- bis zweimal pro Woche genügt.

Entzündete Stellen sollten nicht aufgekratzt werden, weil daraus Infektionen entstehen. Bei größeren Entzündungen ist ärztlicher Rat angebracht. Antibiotische Behandlung ist selten, aber gelegentlich nötig.

Was rechtlich gilt

Enthaarungscremes sind kosmetische Mittel und unterliegen der europäischen Kosmetikverordnung. Sie müssen sicher sein, eine vollständige Zutatenliste tragen und über eine verantwortliche Person in der EU verfügen. Diese Angaben stehen auf der Verpackung.

Verbotene und beschränkte Stoffe sind in Anhängen der Verordnung gelistet, die regelmäßig aktualisiert werden. Kontrolliert wird durch die Länderbehörden. Beanstandungen werden über ein europäisches Schnellwarnsystem verbreitet.

Wer nach einer Anwendung gesundheitliche Probleme hat, kann das der zuständigen Behörde melden. Solche Meldungen fließen in die Marktüberwachung ein. Sie sind für die Sicherheit anderer Nutzer relevant.

Häufige Fragen

Wachsen die Haare danach dicker nach?

Nein. Die Wurzel bleibt unverändert, Dicke und Farbe ändern sich nicht.

Warum brennt es?

Ein leichtes Kribbeln kommt vom hohen pH-Wert. Bei Brennen sofort abspülen.

Kann man sie vor dem Sonnenbad benutzen?

Besser nicht. Die Haut ist danach empfindlicher; 24 Stunden Abstand sind sinnvoll.

Ist sie für empfindliche Haut geeignet?

Es gibt mildere Varianten, der Verträglichkeitstest bleibt trotzdem Pflicht.

Warum riecht die Creme so streng?

Beim Auflösen des Keratins entstehen Schwefelverbindungen.

Wie lange vorher testen?

Mindestens vierundzwanzig Stunden an kleiner Stelle.

Hält das Ergebnis länger als Rasieren?

Etwas, weil das Haar knapp unter der Oberfläche gelöst wird.

Quellen

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