Inhalt
Kurz gesagt: Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Sparkonto ohne feste Laufzeit. Das Geld ist jederzeit verfügbar, der Zinssatz ist variabel und kann von der Bank jederzeit geändert werden. Ausgezahlt wird immer auf ein festes Referenzkonto.
Es ist das einfachste Sparprodukt, das Banken anbieten – und genau deshalb wird es oft falsch eingeschätzt.
Das Grundprinzip
Man überweist Geld auf das Tagesgeldkonto, die Bank verzinst es. Anders als beim Festgeld ist keine Laufzeit vereinbart: Das Guthaben lässt sich jederzeit ganz oder teilweise abrufen, ohne Kündigungsfrist und ohne Zinsverlust.
Der Preis für diese Flexibilität ist der variable Zins. Die Bank darf ihn jederzeit anpassen, nach oben wie nach unten. Wer heute 3 Prozent bekommt, kann in drei Monaten bei 1,5 Prozent liegen.
Das Referenzkonto
Vom Tagesgeldkonto kann man nicht direkt bezahlen oder überweisen. Auszahlungen gehen immer auf ein vorher festgelegtes Girokonto, das Referenzkonto.
Das ist eine Sicherheitsfunktion: Selbst wer Zugang zum Konto erlangt, kann das Geld nur auf dieses eine Konto schicken. Deshalb gibt es zum Tagesgeldkonto auch keine Karte.
Wie die Zinsen berechnet werden
Der angegebene Zinssatz ist immer ein Jahreszins. Verzinst wird aber taggenau: Liegt das Geld nur einen Monat, gibt es ungefähr ein Zwölftel.
Die Gutschrift erfolgt je nach Bank monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Der Unterschied ist nicht nur kosmetisch – bei monatlicher Gutschrift verzinsen sich die Zinsen mit, was den effektiven Ertrag leicht erhöht.
Beispiel: 10.000 Euro bei 3 Prozent bringen im Jahr rund 300 Euro brutto.
Steuern
Zinserträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro für Alleinstehende und 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Paare. Wer einen Freistellungsauftrag erteilt, bekommt bis zu dieser Grenze die Zinsen ungeschmälert. Ohne Freistellungsauftrag führt die Bank die Steuer automatisch ab.
Einlagensicherung
Innerhalb der EU sind Einlagen bis 100.000 Euro je Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Viele deutsche Institute sind zusätzlich einem freiwilligen Sicherungsfonds angeschlossen, der darüber hinausgeht.
Wichtig bei ausländischen Anbietern: Es haftet der Sicherungsfonds des Landes, in dem die Bank ihren Sitz hat. Bei Angeboten über Vermittlungsplattformen lohnt der Blick, welches Land das ist.
Worauf man achten sollte
Neukundenzins. Viele Spitzenangebote gelten nur für sechs oder zwölf Monate und fallen danach deutlich ab.
Einlagenobergrenze. Manche Banken verzinsen den Spitzenzins nur bis zu einer bestimmten Summe.
Kontoführungsgebühren. Tagesgeldkonten sind üblicherweise kostenlos. Wer Gebühren verlangt, ist die Ausnahme.
Inflation. Liegt die Teuerungsrate über dem Zins, verliert das Geld real an Wert – auch bei positiver Verzinsung.
Wie Zinsen gutgeschrieben werden
Die meisten Banken schreiben Zinsen monatlich, vierteljährlich oder jährlich gut. Bei häufigerer Gutschrift wirkt der Zinseszinseffekt stärker, weil bereits gutgeschriebene Zinsen mitverzinst werden. Bei den derzeit üblichen Sätzen ist der Unterschied allerdings gering.
Die Berechnung erfolgt taggenau auf den jeweiligen Kontostand. Wer Geld nur für einige Wochen anlegt, erhält entsprechend anteilige Zinsen. Eine Mindestanlagedauer gibt es nicht.
Der Zinssatz ist variabel und kann jederzeit geändert werden, auch nach unten. Eine Zinsgarantie besteht nur, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurde. Solche Aktionszinsen laufen meist nach drei bis zwölf Monaten aus.
Aktionszinsen und ihre Bedingungen
Viele Angebote gelten nur für Neukunden und nur für einen begrenzten Zeitraum. Danach fällt der Satz auf den Bestandskundenzins, der oft deutlich niedriger liegt. Wer den Termin verpasst, verliert einen erheblichen Teil des Ertrags.
Häufig ist zusätzlich ein Höchstbetrag festgelegt, oberhalb dessen der Aktionszins nicht mehr gilt. Auch die Definition von Neukunde unterscheidet sich zwischen Banken. Diese Bedingungen stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis.
Sinnvoll ist, sich das Ende der Aktionsphase im Kalender einzutragen. Danach lohnt ein Vergleich und gegebenenfalls ein Wechsel. Das Konto lässt sich in der Regel kostenfrei kündigen.
Was das Referenzkonto bedeutet
Auszahlungen erfolgen ausschließlich auf ein vorher festgelegtes Girokonto. Diese Beschränkung dient der Sicherheit, weil Geld nicht an beliebige Empfänger überwiesen werden kann. Sie ist bei allen Anbietern üblich.
Eine Änderung des Referenzkontos ist möglich, erfordert aber eine gesonderte Legitimation. Das dauert einige Tage. Bei einem Bankwechsel sollte man das rechtzeitig einplanen.
Weil kein direkter Zahlungsverkehr möglich ist, eignet sich ein Tagesgeldkonto nicht für laufende Ausgaben. Es ist als Parkplatz für Rücklagen gedacht. Genau darin liegt sein Zweck.
Steuern und Freistellungsauftrag
Zinserträge unterliegen der Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Bank führt sie automatisch ab. Ohne Freistellungsauftrag geschieht das ab dem ersten Euro.
Der Sparer-Pauschbetrag kann auf mehrere Institute verteilt werden, insgesamt aber nur einmal ausgeschöpft werden. Wer mehrere Konten hat, sollte die Aufteilung jährlich prüfen. Nicht genutzte Beträge verfallen zum Jahresende.
Bei ausländischen Banken wird die Steuer teilweise nicht automatisch abgeführt. Dann müssen die Erträge in der Steuererklärung angegeben werden. Auf Zinsbescheinigungen ist deshalb zu achten.
Einlagensicherung im Detail
Innerhalb der Europäischen Union sind Einlagen je Kunde und Bank bis 100.000 Euro gesetzlich gesichert. Bei gemeinschaftlichen Konten gilt der Betrag je Inhaber. Diese Sicherung greift unabhängig vom Institut.
Viele deutsche Banken gehören zusätzlich freiwilligen Sicherungssystemen an, die höhere Beträge abdecken. Diese Systeme sind allerdings nicht gesetzlich garantiert. Ihre Bedingungen stehen auf den Seiten der jeweiligen Verbände.
Bei Angeboten ausländischer Banken greift die Sicherung des jeweiligen Sitzlandes. Entscheidend ist deshalb, wo die Bank ihren Sitz hat, nicht wo der Vermittler sitzt. Diese Angabe steht im Impressum.
Wann sich ein Wechsel lohnt
Ein Wechsel lohnt, wenn der Zinsunterschied den Aufwand rechtfertigt. Bei kleinen Beträgen macht ein Prozentpunkt wenig aus, bei fünfstelligen Summen deutlich mehr. Eine kurze Rechnung klärt das.
Vergleichsportale finanzieren sich über Provisionen, weshalb nicht alle Anbieter aufgeführt sind. Ein Blick auf mehrere Portale und auf die Seiten der Banken selbst ist sinnvoll. Auch Verbraucherzentralen veröffentlichen Übersichten.
Zu prüfen sind neben dem Zins auch Kontoführungsgebühren, Mindestanlage und die Dauer der Zinsgarantie. Ein hoher Zins mit kurzer Laufzeit kann schlechter sein als ein moderater dauerhafter. Die Gesamtrechnung entscheidet.
Häufige Fragen
Wie schnell ist das Geld verfügbar?
In der Regel ein Bankarbeitstag bis zur Gutschrift auf dem Referenzkonto.
Kann ich mehrere Tagesgeldkonten haben?
Ja, bei verschiedenen Banken. Das erhöht auch den Schutz durch die Einlagensicherung.
Was ist der Unterschied zum Festgeld?
Festgeld hat eine feste Laufzeit und einen für diese Zeit garantierten Zins. Dafür kommt man vor Ablauf nicht heran.
Lohnt sich ein Tagesgeldkonto überhaupt?
Als Parkplatz für die Rücklage, an die man kurzfristig heran muss, ja. Als langfristige Geldanlage nicht – dafür ist die Rendite zu niedrig.
Ist der Zinssatz garantiert?
Nur wenn eine Zinsgarantie vereinbart wurde.
Wohin wird ausgezahlt?
Ausschließlich auf das Referenzkonto.
Wie hoch ist die Einlagensicherung?
Gesetzlich 100.000 Euro je Kunde und Bank.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:






