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Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Ein RBMK ist ein sowjetischer Kernreaktor, der Graphit als Moderator und Wasser als Kühlmittel nutzt. Der Name steht für „Hochleistungs-Reaktor mit Kanälen“. Weltweit bekannt wurde der Typ durch die Katastrophe von Tschernobyl im April 1986.
Kurzantwort: RBMK-Reaktoren sind graphitmoderierte Siedewasser-Druckröhrenreaktoren aus der Sowjetunion. Ihr größter Schwachpunkt war der positive Dampfblasenkoeffizient, den man nach Tschernobyl mit Umbauten deutlich entschärfte.
Das Wichtigste in Kürze
- RBMK bedeutet „Reaktor Bolschoi Moschtschnosti Kanalny“.
- Von 17 gebauten Blöcken laufen laut Wikipedia noch 7 (Stand Mai 2026).
- Graphit bremst die Neutronen, Wasser kühlt und wird zu Dampf.
- Der Typ hat kein Containment im westlichen Sinn.
RBMK-Reaktoren: Aufbau und Funktionsweise
Ein RBMK hat keinen großen Reaktordruckbehälter. Stattdessen sitzen die Brennelemente in vielen einzelnen Druckröhren mit etwa 8 Zentimetern Durchmesser. Zwischen diesen Röhren liegen Blöcke aus Graphit. Sie bremsen die Neutronen ab und halten so die Kettenreaktion am Laufen.
Das Kühlwasser strömt durch die Röhren und verdampft dabei. Der Dampf treibt Turbinen an, die Generatoren mit Strom versorgen. Das Prinzip ähnelt dem Siedewasserreaktor, wie ihn auch westliche Kraftwerke kennen. Einen Überblick über die Grundlagen liefert der Beitrag wie funktioniert Atomkraft.
Gesteuert wird die Leistung über Steuerstäbe aus Borcarbid. Ein Teil fährt von oben in den Kern, ein kleinerer Teil von unten. Zwischen den Graphitblöcken zirkuliert außerdem ein Gemisch aus Helium und Stickstoff, das die Wärme besser verteilt.
Technische Daten der RBMK-Baureihen
Es gab drei Leistungsklassen. Die folgende Tabelle zeigt die Werte nach der deutschen Wikipedia.
| Typ | Elektrische Leistung | Thermische Leistung |
|---|---|---|
| RBMK-1000 | 1000 MW | 3200 MW |
| RBMK-1500 | 1500 MW | 4800 MW |
| RBMK-2400 | 2400 MW | 6500 MW |
Der RBMK-1500 im litauischen Kernkraftwerk Ignalina war lange der größte Reaktor der Sowjetunion. Bei der thermischen Leistung hält er bis heute den Rekord. Der RBMK-2400 blieb dagegen eine Planung und wurde nie gebaut.
Der Brennstoff bestand anfangs aus Uran mit 2 Prozent des Isotops Uran-235. Nach 1986 stieg die Anreicherung auf 2,4 bis 2,8 Prozent. Ein Reaktor kann bis zu 192 Tonnen Uran enthalten, wenn alle Kanäle besetzt sind.
Warum gilt der RBMK als riskant? Die Schwächen der Bauart
Drei Merkmale machten den Typ anfällig. Das erste ist der positive Dampfblasenkoeffizient. Verdampft mehr Wasser, steigt die Leistung weiter an, weil Wasser in diesem Reaktor Neutronen schluckt. Bei den meisten westlichen Reaktoren wirkt der Effekt in die andere Richtung.
Das zweite Merkmal sind die Steuerstäbe mit Graphitspitze. Beim Einfahren eines ganz herausgezogenen Stabs verdrängt der Graphit zunächst Wasser. Dadurch stieg die Reaktivität kurzzeitig an, statt zu sinken. Das dritte Merkmal ist die große Bauform, die eine ungleichmäßige Leistungsverteilung im Kern begünstigt.
Kurzantwort: Ein RBMK hat kein druckfestes Containment. Nach Tschernobyl wurden die Blöcke in Russland mit einem teilweisen Confinement nachgerüstet.
Der Unfall in Tschernobyl mit dem RBMK-1000
Am 25. April 1986 begann im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl ein Sicherheitstest. Er sollte zeigen, dass auslaufende Turbinen bei einem Stromausfall genug Energie für die Kühlung liefern. Der Test lief bei stark reduzierter Leistung, wichtige Sicherheitssysteme waren abgeschaltet.
Um 1:23 Uhr Ortszeit am 26. April führten Konstruktionsmängel und Verstöße gegen Vorschriften zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg. Der Reaktor explodierte. Die Internationale Skala INES stuft das Ereignis in die höchste Stufe 7 ein. Wikipedia bezeichnet es als folgenschwersten Unfall in der friedlichen Nutzung der Kernenergie.
Über dem zerstörten Block entstand noch 1986 der „Sarkophag“. Von 2010 bis 2019 baute man darüber die Schutzhülle „New Safe Confinement“. Sie wurde nach Angaben der Wikipedia 2025 durch einen Drohnenangriff schwer beschädigt.
Welche Verbesserungen gab es nach 1986?
Die Betreiber änderten mehrere Dinge gleichzeitig. Die Reserve eingefahrener Steuerstäbe stieg von 30 auf mindestens 45 Stabäquivalente. Zusätzliche Absorberstäbe wurden fest im Kern installiert. Die Anreicherung des Urans erhöhte man auf 2,4 Prozent und später auf bis zu 2,8 Prozent.
Diese Sofortmaßnahmen senkten den Dampfblasenkoeffizienten von +4,5 auf +0,7 Beta. Die Steuerstäbe erhielten längere Haltestangen. Ihr Graphitkörper hängt jetzt tiefer und kann beim Einfahren kein Wasser mehr verdrängen. Seit 1996 kommt zudem Erbiumoxid als Absorber in den Brennstoff. Das senkt den Dampfblasenkoeffizienten praktisch auf null.
Wo laufen RBMK-Reaktoren heute?
Gebaut wurden RBMK-Reaktoren nur auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Die Wikipedia zählt 17 in Betrieb genommene Blöcke, von denen im Mai 2026 noch 7 liefen. Die Standorte im Überblick:
- Russland: Kursk, Smolensk, Leningrad und Belojarsk
- Litauen: Ignalina, inzwischen stillgelegt
- Ukraine: Tschernobyl, dauerhaft abgeschaltet
Der letzte RBMK soll laut Wikipedia 2034 vom Netz gehen. Eine Weiterentwicklung namens MKER mit Containment kam bislang nicht zum Einsatz. Wer Kernkraft mit anderen Techniken vergleichen möchte, findet Denkanstöße bei der Brennstoffzelle oder beim Prinzip der Induktion, die in Generatoren eine Rolle spielt.
RBMK und Druckwasserreaktor im Vergleich
Deutsche Kernkraftwerke nutzten Leichtwasser als Moderator und Kühlmittel zugleich. Fällt dort das Kühlwasser aus, bremst das den Prozess. Beim RBMK übernimmt Graphit die Bremswirkung. Wasser kühlt nur.
| Merkmal | RBMK | Westlicher Leichtwasserreaktor |
|---|---|---|
| Moderator | Graphit | Wasser |
| Behälter | Viele Druckröhren | Ein Druckbehälter |
| Dampfblasen-Effekt | Ursprünglich positiv | Negativ |
| Containment | Nicht vorhanden | Vorhanden |
Ein Vorteil des RBMK war der Brennelementwechsel im laufenden Betrieb. Jede Druckröhre lässt sich einzeln vom Wasserkreislauf trennen. Das erhöhte die Verfügbarkeit, brachte aber auch Nachteile mit sich, denn der Graphit im Kern brennt und bildet oberhalb von 900 Grad Celsius mit Wasserdampf brennbare Gase.
Fazit
Der RBMK war ein günstiger und schnell zu bauender Reaktor. Seine Konstruktion enthielt jedoch Schwächen, die in Tschernobyl zur Katastrophe beitrugen. Umbauten haben die Risiken der noch laufenden Blöcke verringert. Ein Restrisiko bleibt, weil das Containment fehlt und die Anlagen alt sind. Mehr zur Technik hinter Motoren und Antrieben bietet der Beitrag wie funktioniert ein Motor.
FAQ – Häufige Fragen
Was bedeutet RBMK?
Die Abkürzung steht für „Reaktor Bolschoi Moschtschnosti Kanalny“. Übersetzt heißt das etwa „Hochleistungs-Reaktor mit Kanälen“.
Wer hat den RBMK entwickelt?
Die Entwicklung begann Mitte der 1960er Jahre in der Sowjetunion am Kurtschatow-Institut. Federführend war der Akademiemitglied Nikolai Dolleschal.
Wie viele RBMK-Reaktoren gab es?
Geplant waren 26 Blöcke. Neun davon wurden nie fertig, 17 gingen in Betrieb.
Wo standen oder stehen RBMK-Reaktoren?
Standorte lagen in Russland (Kursk, Smolensk, Leningrad, Belojarsk), in Litauen (Ignalina) und in der Ukraine (Tschernobyl).
Gibt es RBMK-Reaktoren in Deutschland?
Nein. In Deutschland lief kein Reaktor dieses Typs. Er wurde nur auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion gebaut.
Was ist ein positiver Dampfblasenkoeffizient?
Bei diesem Effekt steigt die Reaktorleistung, wenn im Kühlwasser mehr Dampfblasen entstehen. Das kann eine Kettenreaktion zusätzlich anheizen.
Warum hat der RBMK kein Containment?
Die Bauart mit über tausend einzelnen Druckröhren machte eine druckfeste Hülle um den ganzen Reaktor schwierig. Zudem sollte der Reaktor schnell und günstig entstehen.
Wurde der RBMK nach Tschernobyl verbessert?
Ja. Die Betreiber erhöhten die Anreicherung, änderten die Steuerstäbe und erhöhten die Reserve eingefahrener Stäbe. Später kam Erbium als Absorber im Brennstoff hinzu.
Wann geht der letzte RBMK vom Netz?
Nach dem Stand der deutschen Wikipedia soll der letzte RBMK im Jahr 2034 stillgelegt werden. Zeitpläne können sich ändern.
Warum braucht ein RBMK so viel Graphit?
Graphit bremst die Neutronen ab, damit sie weitere Kerne spalten können. Das Wasser dient in diesem Typ nur zum Kühlen und zum Erzeugen von Dampf.
Quellen
- Wikipedia: RBMK
- Wikipedia: Nuklearkatastrophe von Tschernobyl
- World Nuclear Association: RBMK Reactors

Ariane erklärt Technik so, wie sie es ihrer Mutter am Küchentisch erklären würde. Kurz, ohne Fachwörter, mit Beispiel.






