Keltische Symbole mit Bedeutung: Herkunft und Fakten

Kurzantwort: Die bekanntesten keltischen Symbole sind Triskele, Triquetra, Knotenmuster, Keltenkreuz und Claddagh-Ring. Ihr Alter ist sehr unterschiedlich: Die Dreifachspirale von Newgrange entstand rund 3200 vor Christus und ist damit älter als jede keltische Kultur. Knotenmuster und Keltenkreuz stammen aus dem christlichen Mittelalter, der Claddagh-Ring aus dem 17. Jahrhundert. Feste Bedeutungen sind für kaum eines der Zeichen überliefert.

Keltisch ist zuerst ein sprachwissenschaftlicher Begriff. Er umfasst Völker, deren Sprachen zur keltischen Familie gehörten, von der Hallstatt- und La-Tène-Zeit bis zu den heutigen Sprachen in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne.

Symbole, die heute als keltisch verkauft werden, stammen aus sehr verschiedenen Epochen. Manche sind Jahrtausende älter, andere stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Diese Übersicht ordnet die bekanntesten Zeichen zeitlich ein und benennt, was über ihre Bedeutung tatsächlich bekannt ist.

Die Triskele

Die Triskele besteht aus drei Spiralen oder drei gebogenen Schenkeln um einen Mittelpunkt. Das berühmteste Beispiel liegt am Eingang des Ganggrabs von Newgrange in Irland.

Diese Anlage gehört zum UNESCO-Welterbe Brú na Bóinne und entstand um 3200 vor Christus. Sie ist damit älter als die Pyramiden von Gizeh und rund zweieinhalb Jahrtausende älter als die ersten keltischen Kulturen in Mitteleuropa.

Spiralen und Dreiermotive kommen später auch in der La-Tène-Kunst vor, etwa auf Schilden und Metallarbeiten. Was die Erbauer von Newgrange damit meinten, ist nicht überliefert.

Die heute übliche Deutung als Zeichen für Werden, Sein und Vergehen ist eine moderne Zuschreibung.

Triquetra und Knotenmuster

Die Triquetra besteht aus drei ineinandergreifenden Bögen. Sie erscheint in der insularen Buchmalerei, unter anderem im Book of Kells, das um 800 entstand und heute im Trinity College in Dublin liegt.

Dort steht sie in einem christlichen Zusammenhang und wird häufig auf die Dreifaltigkeit bezogen. Ältere heidnische Belege für dieses Motiv als eigenständiges Zeichen fehlen.

Dasselbe gilt für die berühmten Knotenmuster. Sie sind ein Merkmal der insularen Kunst des 7. bis 9. Jahrhunderts, sichtbar im Book of Kells und in den Lindisfarne Gospels.

Die endlose Linie wird gern als Symbol für Ewigkeit gedeutet. Belegt ist vor allem, dass es sich um ein Gestaltungsprinzip der Buchmalerei handelt, das Flächen füllt und Ränder rahmt.

Das Keltenkreuz

Das Keltenkreuz ist ein Kreuz mit einem Ring um den Schnittpunkt der Balken. Als Hochkreuze aus Stein stehen solche Kreuze seit dem 8. und 9. Jahrhundert in Irland und Schottland.

Sie sind christliche Denkmäler mit biblischen Bildszenen. Die verbreitete Geschichte, der Ring stelle die Sonne aus vorchristlicher Zeit dar, ist eine Vermutung ohne Quellenbeleg.

In Deutschland ist die Rechtslage zu beachten. Der Bundesgerichtshof entschied am 1. Oktober 2008, dass die öffentliche Verwendung des stilisierten Keltenkreuzes, das eine verbotene rechtsextreme Organisation als Symbol nutzte, grundsätzlich den Tatbestand des Paragrafen 86a des Strafgesetzbuchs erfüllt.

Ausgenommen bleiben Fälle, in denen sich aus den Gesamtumständen eindeutig ergibt, dass der Schutzzweck der Norm nicht berührt ist, etwa bei einem irischen Grabkreuz oder im kirchlichen Zusammenhang.

Wer Originale vergleicht, erkennt schnell den Unterschied zwischen historischen Hochkreuzen und modernen Entwürfen. Die alten Kreuze sind gedrungen, die Balken tragen Bildfelder, und der Ring ist Teil der Statik, weil er die Steinarme stützt.

Claddagh-Ring und Awen

Der Claddagh-Ring zeigt zwei Hände, die ein Herz mit Krone halten. Er stammt aus dem Fischerdorf Claddagh bei Galway und ist seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar.

Die Deutung ist hier ausnahmsweise klar überliefert: Hände für Freundschaft, Herz für Liebe, Krone für Treue. Auch die Trageregeln sind bekannt, denn die Ausrichtung der Herzspitze zeigt an, ob jemand vergeben ist.

Das Awen-Zeichen mit drei Strahlen wirkt uralt, ist es aber nicht. Es wurde im späten 18. Jahrhundert von dem walisischen Dichter Iolo Morganwg entworfen, der zahlreiche angeblich alte Traditionen erfand.

Morganwg gilt heute als einer der einflussreichsten Erfinder von Traditionen. Viele Bräuche, die im 19. Jahrhundert als uralt keltisch galten, gehen auf ihn und seine Zeitgenossen zurück.

Ogham, die eigene Schrift

Ogham ist die einzige Schrift, die im keltischsprachigen Raum selbst entstand. Sie besteht aus Kerben und Strichen entlang einer Kante und wurde vom 4. bis 6. Jahrhundert benutzt.

Erhalten sind rund 400 Steininschriften, die meisten in Irland, dazu einige in Wales und Schottland. Der Inhalt ist meist knapp: ein Name im Genitiv, häufig mit Vatersnamen.

Die späteren Handschriften ordnen den Zeichen Baumnamen zu. Diese Zuordnung ist mittelalterliche Gelehrsamkeit und nicht der ursprüngliche Zweck der Schrift.

Was daraus für Schmuck und Tattoos folgt

Wer ein keltisches Motiv wählt, wählt fast immer ein Ornament ohne überlieferte Bedeutung. Das macht es nicht wertlos, verlangt aber Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Erwartung.

Bei Motiven mit belasteter Geschichte lohnt der Blick auf die Gestaltung. Ein gleichschenkliges Kreuz im Kreis ohne weiteren Kontext wird in Deutschland anders gelesen als ein reich verziertes irisches Hochkreuz.

Für Vorlagen sind Museumssammlungen die bessere Quelle als Motivkataloge. Die Digitalisate des Book of Kells sind frei einsehbar.

Häufige Fragen

Sind Knotenmuster heidnisch?

Die bekannten Muster stammen aus christlichen Handschriften des Frühmittelalters.

Was bedeutet die Triskele?

Keine Quelle nennt eine Bedeutung. Alle gängigen Deutungen sind moderne Zuschreibungen.

Ist der keltische Lebensbaum alt?

Bäume spielten in der keltischen Welt eine Rolle, das bekannte Baumsymbol mit ineinander verschlungenen Wurzeln ist jedoch modern.

Darf ich ein Keltenkreuz tragen?

Im religiösen oder irischen Zusammenhang ja. Bei der stilisierten Form ohne Kontext kann Paragraf 86a StGB greifen.

Welche Symbole sind sicher belegt?

Der Claddagh-Ring und die Ogham-Schrift, weil zu beiden schriftliche Überlieferung existiert.

Wo kann ich Originale ansehen?

Das Book of Kells liegt im Trinity College Dublin, Ogham-Steine unter anderem im University College Cork und im National Museum of Ireland.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

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