Hand der Fatima: Bedeutung, Herkunft und Verwendung

Kurzantwort: Die Hand der Fatima ist ein Schutzzeichen aus dem Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens. Ihr arabischer Name Chamsa bedeutet „fünf“ und meint die fünf Finger. Sie soll den bösen Blick abwehren, also Neid und Missgunst. Im Judentum heißt dasselbe Zeichen Hand der Mirjam, bei orientalischen Christen Hand der Maria. Der Name geht auf Fatima zurück, die Tochter des Propheten Mohammed.

Die Hand der Fatima hängt heute an Ketten, Schlüsselbunden und Hauswänden von Marrakesch bis Berlin. Sie gilt als Glücksbringer und wird oft rein dekorativ getragen.

Dahinter steht ein sehr altes Motiv: die offene Hand als Abwehrzeichen. Sie kommt in mehreren Kulturen und Religionen des Mittelmeerraums vor, mit jeweils eigenen Namen.

Dieser Text sortiert die Herkunft, die verschiedenen Traditionen und die Frage, was das Zeichen heute noch trägt.

Was das Zeichen zeigt

Dargestellt ist eine offene Hand, meist symmetrisch mit zwei Daumen. Die Finger zeigen je nach Ausführung nach oben oder nach unten.

Häufig sitzt ein Auge in der Handfläche. Dazu kommen oft Fische, Blumen, geometrische Muster und die Farbe Blau, die im Volksglauben ebenfalls als schützend gilt.

Das arabische Wort chamsa bedeutet fünf, das hebräische chamesch ebenso. Beide beziehen sich auf die Zahl der Finger.

Verwechselt wird die Chamsa oft mit dem Nazar, dem blauen Glasauge aus der Türkei und Griechenland. Beide richten sich gegen den bösen Blick, sind aber verschiedene Zeichen.

Woher der Name kommt

Namensgeberin ist Fatima, die jüngste Tochter des Propheten Mohammed und seiner ersten Frau Chadidscha. Sie lebte etwa von 606 bis 632.

Fatima genießt in der islamischen Überlieferung hohes Ansehen, besonders in der Schia. Eine Verbindung zwischen ihr und dem Handzeichen ist in frühen Quellen allerdings nicht belegt.

Der Name setzte sich vor allem in Nordafrika durch. In anderen Regionen heißt dasselbe Zeichen schlicht Chamsa, also „Fünf“.

Erzählungen über Fatima werden in Nordafrika zur Erklärung des Zeichens weitergegeben, etwa die Geschichte einer Hand, die sich schützend vor die Familie stellt. Solche Legenden sind Volksüberlieferung und stehen nicht im Koran.

Dieselbe Hand in mehreren Religionen

Im Judentum ist das Zeichen als Hand der Mirjam bekannt, benannt nach der Schwester von Mose und Aaron. Der Zentralrat der Juden in Deutschland führt die Chamsa unter den jüdischen Symbolen.

Besonders verbreitet ist sie bei Jüdinnen und Juden mit nordafrikanischen Wurzeln. In Israel gehört sie zum alltäglichen Bildrepertoire, auf Schmuck ebenso wie an Türen.

Orientalische Christen kennen dieselbe Form als Hand der Maria. Das Zeichen wandert also zwischen den Religionen und wird in jeder neu benannt.

In allen drei Traditionen gehört es zum Volksglauben. Eine religiöse Pflicht oder ein theologisch begründetes Gebot steht dahinter nicht.

Der böse Blick

Der böse Blick ist eine der ältesten Vorstellungen des Mittelmeerraums. Gemeint ist die Idee, dass Neid, Missgunst oder auch übertriebene Bewunderung Schaden anrichten können.

Dagegen richtet sich die offene Hand. Sie wehrt ab, zeigt Stopp und lenkt den Blick auf sich, weg von der Person oder dem Haus.

Das erklärt auch das Auge in der Handfläche: Es blickt zurück. Nach derselben Logik funktionieren Spiegel, glänzende Perlen und auffällige Farben an Türen und Fahrzeugen.

Im islamischen Volksglauben schützt die Chamsa daneben vor Dschinn, also vor Geistwesen, die im Koran erwähnt werden.

Der Glaube an den bösen Blick ist bis heute lebendig. In vielen Familien gilt es als unhöflich, ein Kind übermäßig zu loben, ohne eine schützende Formel hinzuzufügen.

Ältere Wurzeln

Handdarstellungen als Schutzzeichen sind deutlich älter als Islam und Judentum. Sie erscheinen im gesamten antiken Mittelmeerraum.

Häufig genannt wird die Verbindung zu Tanit, der Schutzgöttin Karthagos, deren Zeichen unter anderem erhobene Arme zeigt. Diese Herleitung ist plausibel, aber nicht zwingend nachweisbar.

Sicher ist nur, dass das Motiv über Jahrhunderte in Nordafrika und im Nahen Osten gebräuchlich blieb und dabei mehrfach neu benannt wurde.

Als Schmuck und Tattoo heute

Verbreitet ist die Auffassung, dass eine nach unten geöffnete Hand Segen und Fülle empfängt, während die nach oben gerichtete Hand abwehrt. Feste Regeln gibt es dafür nicht, die Deutungen unterscheiden sich je nach Region.

Wer das Zeichen trägt, trägt ein religiös aufgeladenes Symbol aus einer fremden Tradition. Das ist unproblematisch, solange die Herkunft bekannt ist und respektvoll damit umgegangen wird.

Kritisch wird es, wenn ein Schutzzeichen als bloßes Modeaccessoire vermarktet wird, ohne dass klar ist, worauf es sich bezieht. Ein Satz zur Herkunft kostet nichts und verhindert Missverständnisse.

Beim Kauf lohnt der Blick auf die Herstellung. Kunsthandwerk aus Marokko, Tunesien oder Israel stammt aus der Region, in der das Zeichen zu Hause ist, und ist häufig sauberer gearbeitet als Massenware.

Häufige Fragen

Ist die Hand der Fatima islamisch?

Sie gehört zum islamischen Volksglauben, ist aber kein religiöses Gebot und wird auch von Juden und Christen verwendet.

Was bedeutet das Auge in der Hand?

Es steht für den zurückgeworfenen Blick und gehört zur Abwehr des bösen Blicks.

Ist Chamsa dasselbe wie Hamsa?

Ja. Chamsa, Hamsa und Khamsa sind Umschriften desselben arabischen Wortes für fünf.

Darf ich sie als Nichtmuslimin tragen?

Das Zeichen ist über mehrere Religionen hinweg verbreitet. Ein Verbot gibt es nicht, Kenntnis der Herkunft gehört aber dazu.

Warum ist sie oft blau?

Blau gilt im Volksglauben der Region ebenfalls als Schutzfarbe, deshalb tauchen beide Elemente häufig gemeinsam auf.

Wo begegnet man ihr am häufigsten?

In Marokko, Tunesien, Algerien, Ägypten, der Türkei und in Israel, an Türen, Autos, Schmuck und Hauswänden. Auch in Südeuropa taucht das Motiv auf, dort meist ohne den Namen Fatima.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

Nach oben scrollen