Wie funktioniert eine Wago-Klemme? Technik und Regeln

Kurz gesagt: In der Klemme sitzt eine Käfigzugfeder. Sie drückt den eingeführten Leiter gegen eine Stromschiene aus Kupfer. Der Druck kommt allein von der Feder — deshalb bleibt der Kontakt auch dann sicher, wenn sich das Material mit der Temperatur ausdehnt.

Warum das besser hält als eine Schraube

Eine Schraubklemme drückt starr. Dehnt sich das Kupfer bei Erwärmung aus und zieht sich beim Abkühlen wieder zusammen, lockert sich die Verbindung über Jahre — der bekannte Übergangswiderstand, der zu Wärmeentwicklung führen kann.

Die Feder gleicht diese Bewegung aus, weil sie nachfedert. Ein Nachziehen entfällt.

Die Bauarten

Steckklemme. Der Leiter wird gerade eingeschoben, die Feder schnappt zu. Für starre Leiter.

Hebelklemme. Ein orangefarbener Hebel öffnet die Feder. Auch für feindrähtige Leiter geeignet und wieder lösbar.

Reihenklemme für die Hutschiene im Verteiler.

So wird angeschlossen

1. Abisolierlänge beachten — sie steht auf der Klemme, meist rund 11 Millimeter. Zu kurz abisoliert heißt: Die Feder klemmt auf der Isolierung, es gibt keinen Kontakt. Zu lang heißt: Blankes Kupfer liegt frei.

2. Leiter gerade und bis zum Anschlag einführen.

3. Am Leiter ziehen und prüfen, ob er hält.

Feindrähtige Leiter

Litze darf nur in Klemmen, die dafür zugelassen sind — Hebelklemmen oder Klemmen mit entsprechender Kennzeichnung. In reine Steckklemmen für starre Leiter gehört sie nicht, weil einzelne Drähtchen ausweichen können.

Der Sicherheitshinweis

Arbeiten an der festen Elektroinstallation sind Sache einer Elektrofachkraft. Vor jedem Eingriff gilt: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen.

Was hinter dem Namen steckt

Wago ist ein Unternehmen aus Minden in Westfalen, das die Federklemmtechnik seit den 1950er Jahren entwickelt hat. Der Markenname wird umgangssprachlich für alle Klemmen dieser Bauart verwendet, ähnlich wie Tempo für Papiertaschentücher. Es gibt jedoch mehrere Hersteller.

Technisch heißt die Bauart Federkraftklemme oder steckbare Verbindungsklemme. Die Feder drückt den Leiter dauerhaft gegen eine Stromschiene. Der Anpressdruck bleibt dabei über die Lebensdauer konstant.

Genau darin liegt der Unterschied zur Schraubklemme, deren Schraube sich durch Temperaturwechsel und Vibration lockern kann. Bei Aluminiumleitern war das früher ein häufiger Fehlerfall. Federklemmen sind davon unabhängig.

Welche Bauarten es gibt

Verbreitet sind Steckklemmen für starre Leiter, Hebelklemmen für starre und flexible Leiter sowie Durchgangsklemmen für Verteiler. Hebelklemmen lassen sich mehrfach öffnen und wieder verwenden. Steckklemmen sind für den einmaligen Einsatz gedacht.

Die Zahl auf dem Gehäuse gibt die Anzahl der Anschlüsse an, üblich sind zwei bis fünf. Farbige Hebel kennzeichnen bei manchen Herstellern den zulässigen Querschnitt. Die Angaben stehen zusätzlich auf dem Gehäuse.

Für Verteilerdosen gibt es Halterungen, in die mehrere Klemmen eingesetzt werden. Das hält die Dose übersichtlich. Lose Klemmen dürfen nicht wandern.

Worauf beim Anschließen zu achten ist

Die Abisolierlänge ist auf der Klemme angegeben, meist zwischen zehn und dreizehn Millimetern. Zu kurz abisoliert entsteht kein sicherer Kontakt, zu lang bleibt blanker Draht sichtbar. Eine Markierung am Werkzeug hilft.

Feindrähtige Leiter dürfen nur in Klemmen, die dafür zugelassen sind, und sollten nicht verzinnt werden. Verzinntes Kupfer fließt unter Druck und der Kontakt lockert sich. Aderendhülsen sind je nach Klemme zulässig oder unnötig.

Jeder Anschluss nimmt genau einen Leiter auf. Zwei Drähte in eine Öffnung zu stecken ist unzulässig. Für mehr Verbindungen wird eine Klemme mit mehr Anschlüssen verwendet.

Der Sicherheitshinweis

Arbeiten an der festen elektrischen Installation dürfen in Deutschland nur von Elektrofachkräften ausgeführt werden. Das ergibt sich aus der Niederspannungsanschlussverordnung und den anerkannten Regeln der Technik. Wer selbst arbeitet, riskiert Versicherungsschutz und Leben.

Vor jeder Arbeit gelten die fünf Sicherheitsregeln: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte Teile abdecken. Für Laien ist bereits der dritte Schritt ohne geeignetes Messgerät nicht sicher möglich. Ein Phasenprüfer genügt dafür nicht.

Was die Zulassung bedeutet

Klemmen für die feste Installation müssen nach der Normenreihe für Verbindungsmaterial geprüft und gekennzeichnet sein. Auf dem Gehäuse stehen zulässige Spannung, Strom und Leiterquerschnitt. Fehlen diese Angaben, gehört das Bauteil nicht in eine Installation.

Auch die Umgebung zählt: In feuchten Räumen und im Außenbereich sind gekapselte Ausführungen mit Gelfüllung vorgesehen. Sie schützen vor Korrosion. Normale Klemmen sind dafür nicht zugelassen.

Billige Nachbauten ohne Prüfzeichen sind ein reales Risiko, weil Federkraft und Materialqualität nicht gesichert sind. Bei Bränden entstehen daraus Haftungsfragen. Der Preisunterschied ist gering.

Wo sie eingesetzt werden

Typisch sind Verteilerdosen, Leuchtenanschlüsse, Schaltschränke und Steckdosenverbindungen. In Neubauten sind Federklemmen heute die Regel. Schraubklemmen finden sich vor allem im Bestand.

Für Leuchten gibt es eigene Klemmen mit Zugentlastung, weil dort mechanische Belastung auftritt. Ohne sie kann der Leiter aus der Klemme rutschen. Auch das ist genormt.

Wie man sie wieder löst

Hebelklemmen werden geöffnet, indem der Hebel hochgeklappt wird, danach lässt sich der Leiter herausziehen. Steckklemmen für starre Leiter löst man durch Ziehen unter leichtem Drehen. Gewalt beschädigt die Feder.

Steckklemmen gelten nach dem Lösen als verbraucht und sollten ersetzt werden. Hebelklemmen sind mehrfach verwendbar. Die Herstellerangabe nennt die zulässige Zahl.

Warum sie sich durchgesetzt haben

Der Zeitgewinn gegenüber Schraubklemmen ist erheblich, und Nacharbeiten entfallen, weil sich nichts lockern kann. In der Serienfertigung und auf Baustellen zählt beides. Auch die Fehlerquote sinkt.

Hinzu kommt, dass kein Werkzeug nötig ist und der Anschluss sichtbar geprüft werden kann. Bei transparenten Gehäusen ist der Leiter erkennbar. Das erleichtert die Abnahme.

Wie viel Strom sie vertragen

Übliche Verbindungsklemmen für die Hausinstallation sind für Leiterquerschnitte bis 2,5 oder 4 Quadratmillimeter und Ströme bis 24 oder 32 Ampere zugelassen. Die genauen Werte stehen auf dem Gehäuse. Sie dürfen nicht überschritten werden.

Für größere Querschnitte gibt es eigene Baureihen, etwa für Verteiler und Hauptleitungen. Dort sind auch die Gehäuse größer. Eine Verwechslung fällt beim Einführen des Leiters auf.

Häufige Fragen

Wie weit abisolieren?

Nach der Angabe auf der Klemme, meist etwa 11 Millimeter.

Kann man Litze verwenden?

Nur in dafür zugelassenen Klemmen.

Muss man nachziehen?

Nein, die Feder hält selbst.

Sind die Klemmen wiederverwendbar?

Hebelklemmen ja, reine Steckklemmen nur eingeschränkt.

Quellen

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