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Kurz gesagt: Licht wird von Hornhaut und Linse gebündelt und erzeugt auf der Netzhaut ein umgekehrtes Bild. Dort wandeln Sinneszellen das Licht in elektrische Signale um, die über den Sehnerv ins Gehirn laufen. Gesehen wird erst dort.
Der Weg des Lichts
Hornhaut. Sie leistet den größten Teil der Brechung — rund zwei Drittel. Ihre Krümmung ist fest.
Pupille. Die Öffnung in der Iris regelt, wie viel Licht hereinkommt. Bei Helligkeit eng, bei Dunkelheit weit.
Linse. Sie übernimmt die Feineinstellung. Der Ziliarmuskel verformt sie: entspannt für die Ferne, angespannt und kugeliger für die Nähe. Dieser Vorgang heißt Akkommodation.
Glaskörper. Das gallertige Innere hält die Form des Auges.
Netzhaut. Hier entsteht das Bild — seitenverkehrt und auf dem Kopf.
Zapfen und Stäbchen
Rund sechs Millionen Zapfen arbeiten bei Helligkeit und liefern Farbe. Es gibt drei Typen für kurze, mittlere und lange Wellenlängen. Sie sitzen dicht gedrängt in der Sehgrube — dem Punkt des schärfsten Sehens.
Rund 120 Millionen Stäbchen sind hochempfindlich, liefern aber keine Farbe. Deshalb sieht man in der Dämmerung nur Graustufen.
An der Stelle, an der der Sehnerv austritt, liegen keine Sinneszellen — der blinde Fleck. Er fällt nicht auf, weil das Gehirn ihn aus der Umgebung ergänzt.
Warum wir nichts auf dem Kopf sehen
Das Bild auf der Netzhaut bleibt umgekehrt. Das Gehirn dreht es nicht mechanisch um — es interpretiert die Signale von Anfang an so, dass sie zur Bewegung und zum Tastsinn passen. Sehen ist Auswertung, nicht Abbildung.
Wenn die Brechung nicht stimmt
Kurzsichtigkeit: Der Augapfel ist zu lang, das Bild entsteht vor der Netzhaut. Ferne wird unscharf.
Weitsichtigkeit: Der Augapfel ist zu kurz, das Bild läge hinter der Netzhaut.
Alterssichtigkeit: Die Linse verliert ab etwa dem 45. Lebensjahr an Elastizität. Die Nähe wird unscharf — das betrifft jeden, unabhängig von einer vorherigen Fehlsichtigkeit.
Hornhautverkrümmung: Die Hornhaut ist nicht gleichmäßig gekrümmt, Punkte werden zu Strichen verzerrt.
Wann man zum Augenarzt sollte
Sofort bei plötzlichem Sehverlust, Lichtblitzen, einem Schwarm neuer schwarzer Punkte, einem Schatten wie ein Vorhang von der Seite oder starken Augenschmerzen mit Übelkeit. Das können Netzhautablösung oder Glaukomanfall sein — beides sind Notfälle.
Wie das Bild scharf wird
Der größte Teil der Brechkraft entsteht nicht in der Linse, sondern an der Hornhaut, weil dort der Übergang von Luft zu Gewebe am stärksten bricht. Die Linse übernimmt nur die Feinanpassung. Sie liefert etwa ein Drittel der Gesamtbrechkraft.
Zum Scharfstellen verändert der Ziliarmuskel die Wölbung der Linse. Für die Nähe zieht er sich zusammen und die Linse wird runder, für die Ferne entspannt er sich. Dieser Vorgang heißt Akkommodation.
Mit dem Alter verliert die Linse an Elastizität, wodurch die Nahsicht nachlässt. Das ist die Alterssichtigkeit, die etwa ab dem fünfundvierzigsten Lebensjahr beginnt. Sie betrifft praktisch alle Menschen.
Zapfen und Stäbchen
In der Netzhaut sitzen zwei Arten von Sinneszellen: etwa sechs Millionen Zapfen für das Farbsehen bei Helligkeit und rund 120 Millionen Stäbchen für das Sehen bei wenig Licht. Die Zapfen gibt es in drei Typen für kurze, mittlere und lange Wellenlängen. Aus ihrem Zusammenspiel entsteht der Farbeindruck.
Stäbchen sind deutlich lichtempfindlicher, unterscheiden aber keine Farben. Deshalb erscheint die Welt in der Dämmerung grau. Diese Umstellung dauert bis zu dreißig Minuten und heißt Dunkeladaptation.
Die schärfste Stelle ist die Sehgrube, in der fast ausschließlich Zapfen dicht gepackt sitzen. Nur dort wird wirklich scharf gesehen. Alles andere ist Randbereich.
Warum wir den blinden Fleck nicht sehen
An der Stelle, an der der Sehnerv die Netzhaut verlässt, gibt es keine Sinneszellen. Dieser blinde Fleck liegt bei jedem Auge etwa fünfzehn Grad seitlich der Sehachse. Im Alltag fällt er nicht auf.
Der Grund ist, dass das Gehirn die Lücke aus der Umgebung ergänzt und das zweite Auge die Stelle abdeckt. Diese Ergänzung geschieht unbewusst. Sichtbar wird der blinde Fleck nur bei speziellen Testbildern.
Ähnlich arbeitet das Gehirn bei der Bildstabilisierung während Augenbewegungen. Auch dort wird ergänzt und geglättet. Wahrnehmung ist damit keine reine Abbildung.
Was bei Fehlsichtigkeit passiert
Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang, das Bild entsteht vor der Netzhaut. Bei Weitsichtigkeit ist er zu kurz, das Bild entsteht dahinter. Beide werden mit Brille, Kontaktlinsen oder operativ ausgeglichen.
Kurzsichtigkeit nimmt weltweit deutlich zu, besonders in Ostasien. Als wichtigster beeinflussbarer Faktor gilt zu wenig Tageslicht im Kindesalter. Fachgesellschaften empfehlen deshalb täglich zwei Stunden im Freien.
Dieser Text ersetzt keine augenärztliche Untersuchung. Bei plötzlichen Sehverschlechterungen, Lichtblitzen oder Schatten im Gesichtsfeld ist sofort eine Praxis aufzusuchen. Diese Zeichen können auf eine Netzhautablösung hinweisen.
Wie das Gehirn das Bild fertigstellt
Auf der Netzhaut entsteht ein umgekehrtes, seitenverkehrtes Bild. Erst die Verarbeitung im Gehirn dreht es und setzt beide Augenbilder zu einem räumlichen Eindruck zusammen. Ein erheblicher Teil der Großhirnrinde ist an der Verarbeitung visueller Reize beteiligt.
Aus dem geringfügig unterschiedlichen Blickwinkel beider Augen errechnet das Gehirn die Tiefe. Dieser Effekt heißt Querdisparation. Er funktioniert nur bis zu einer Entfernung von einigen Metern.
Auf größere Entfernungen nutzt das Gehirn andere Hinweise: Verdeckung, Größenvergleich, Perspektive und Bewegungsparallaxe. Deshalb sehen auch Menschen mit einem Auge räumlich. Der Eindruck ist nur weniger genau.
Wie das Auge geschützt wird
Sonnenbrillen sollten das Kennzeichen für den vollständigen Schutz vor ultravioletter Strahlung tragen. Dunkle Gläser ohne diesen Schutz sind schädlich, weil sich die Pupille weitet und mehr Strahlung eindringt. Auf die Kennzeichnung ist deshalb zu achten.
Bei Bildschirmarbeit hilft die Regel, alle zwanzig Minuten für zwanzig Sekunden in die Ferne zu blicken. Das entspannt die Nahakkommodation. Auch bewusstes Blinzeln beugt trockenen Augen vor.
Häufige Fragen
Wie viele Farbrezeptoren hat der Mensch?
Drei Zapfentypen.
Was ist der blinde Fleck?
Die Austrittsstelle des Sehnervs ohne Sinneszellen.
Warum sieht man nachts keine Farben?
Nur die farbblinden Stäbchen sind dann aktiv.
Was ist Akkommodation?
Die Scharfstellung über die Verformung der Linse.
Quellen
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