Könige von Deutschland: Herrscher im Überblick

Veröffentlicht am 29.09.2026 · Lesezeit 6 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Die Könige von Deutschland regierten rund 1.000 Jahre lang, von Konrad I. im Jahr 911 bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806. Danach gab es im Kaiserreich von 1871 bis 1918 drei Deutsche Kaiser aus dem Haus Hohenzollern. Dieser Überblick ordnet die Herrscher nach Dynastien und erklärt, wie das Königtum funktionierte.

Kurzantwort: Einen einzigen „König von Deutschland“ gibt es nicht. Im Mittelalter wählten Fürsten den römisch-deutschen König, ab 1871 regierten drei Kaiser. Die Monarchie endete 1918.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erster König im Ostfrankenreich: Konrad I. ab 911
  • Erster Kaiser der Ottonen: Otto I. im Jahr 962
  • Ende des Reiches: Franz II. legte 1806 die Krone nieder
  • Letzter Kaiser: Wilhelm II. dankte 1918 ab

Wann beginnt die Geschichte der deutschen Könige?

Einen genauen Startpunkt gibt es nicht. Das Frankenreich Karls des Großen zerfiel im 9. Jahrhundert. Im Vertrag von Verdun 843 teilten die Enkel das Reich in drei Teile. Ludwig der Deutsche erhielt den östlichen Teil und gilt als erster Herrscher des Ostfrankenreichs.

Als die Karolinger im Osten 911 ausstarben, wählten die Herzöge Konrad I. zum König. Viele Historiker sehen hier den Anfang des deutschen Königtums. Andere nennen erst die Ottonen als Beginn. Die Liste der römisch-deutschen Herrscher auf Wikipedia beginnt deshalb mit den Ostfranken.

Die Herrscher im Überblick: Dynastien und Zeiträume

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Herrscherhäuser mit bekannten Vertretern. Die Jahreszahlen sind gerundet.

Dynastie Zeitraum Bekannte Herrscher
Konradiner 911–918 Konrad I.
Ottonen 919–1024 Heinrich I., Otto I. der Große
Salier 1024–1125 Konrad II., Heinrich IV.
Staufer 1138–1254 Friedrich I. Barbarossa, Friedrich II.
Habsburger ab 1273 Rudolf I., Maximilian I., Karl V.
Luxemburger 1308–1437 Karl IV., Sigismund
Wittelsbacher 1314–1347 Ludwig IV. der Bayer

Zwischen den Dynastien gab es Gegenkönige. Deshalb schwanken die Zählungen je nach Quelle.

Die Ottonen: Vom König zum Kaiser

Heinrich I. regierte von 919 bis 936 und festigte das Reich gegen Ungarn. Sein Sohn Otto I. besiegte die Ungarn 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg. 962 krönte ihn der Papst in Rom zum Kaiser. Damit begann die Tradition, dass der deutsche König zugleich Anspruch auf die Kaiserwürde hatte.

Otto I. erhielt den Beinamen „der Große“. Er baute die Kirche als Stütze der Herrschaft aus. Bischöfe und Äbte bekamen Land und Aufgaben, weil sie keine erbliche Dynastie gründen konnten. Das machte sie zu verlässlichen Helfern der Krone.

Salier und Staufer: Machtkampf mit dem Papst

Die Salier stellten mit Konrad II. und Heinrich III. mächtige Könige. Unter Heinrich IV. kam es zum Streit mit dem Papst um die Einsetzung der Bischöfe. Der Gang nach Canossa 1077 ist bis heute ein Sinnbild dafür.

Die Staufer prägten das Hochmittelalter. Friedrich I. Barbarossa zog mehrfach nach Italien und starb 1190 auf dem Dritten Kreuzzug. Sein Enkel Friedrich II. wuchs in Sizilien auf und regierte von dort aus Teile des Reiches. Nach dem Tod Konrads IV. 1254 folgte die Zeit ohne starken König.

Kurzantwort: Ein römisch-deutscher König wurde von den Kurfürsten gewählt. Kaiser durfte er sich erst nach der Krönung durch den Papst nennen, bis Karl V. 1530 als letzter Kaiser vom Papst gekrönt wurde.

Wie wurde ein deutscher König gewählt?

Das deutsche Königtum war ein Wahlkönigtum. Zunächst entschied der Adel, oft nach Verwandtschaft zum Vorgänger. Ab dem 13. Jahrhundert wählte ein kleiner Kreis von Fürsten. Der Kurfürst erhielt sein Recht zur Wahl dauerhaft.

Karl IV. legte 1356 in der Goldenen Bulle fest, dass sieben Kurfürsten den König wählen. Es waren die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln sowie der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Gewählt wurde meist in Frankfurt am Main.

Habsburger und das Ende des Heiligen Römischen Reiches

Mit Rudolf I. kam 1273 erstmals ein Habsburger auf den Thron. Ab 1438 blieb die Krone fast ohne Unterbrechung in dieser Familie. Maximilian I. baute das Haus zur Großmacht aus. Sein Enkel Karl V. regierte ein Reich, in dem laut Sprichwort die Sonne nie unterging.

Im 17. und 18. Jahrhundert verlor der Kaiser an Macht. Die Fürsten regierten ihre Territorien fast wie eigene Staaten. Napoleon zwang 1806 Franz II. zum Rücktritt. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endete nach rund 850 Jahren. Ein Vergleich lohnt sich mit der Geschichte Japans.

Könige und Kaiser im Deutschen Kaiserreich

1871 rief Preußen nach dem Sieg über Frankreich das Deutsche Kaiserreich aus. Wilhelm I. war König von Preußen und nun Deutscher Kaiser. Sein Sohn Friedrich III. regierte 1888 nur 99 Tage. Danach folgte Wilhelm II., der bis 1918 im Amt blieb.

Neben dem Kaiser gab es weiterhin Könige. Bayern, Sachsen und Württemberg hatten eigene Monarchen mit eigenen Regierungen. Der König von Preußen war zugleich der Kaiser. Nach der Novemberrevolution 1918 dankten alle ab. Die Weimarer Republik folgte 1919.

Was bleibt von den Königen von Deutschland?

Viele Spuren sind sichtbar. Der Bundesadler geht auf ältere Reichswappen zurück, und die Farben der Flagge haben eigene Wurzeln in der Geschichte. Dome wie in Speyer, Bamberg und Aachen entstanden im Auftrag von Königen. Städte wie Frankfurt und Aachen erinnern an Wahl und Krönung.

Fazit

Die Könige von Deutschland bilden keine einfache Reihe. Von Konrad I. über Otto den Großen bis Franz II. wechselten Dynastien und Regeln der Wahl. 1871 kam das neue Kaiserreich, das 1918 endete. Wer den Überblick behalten will, orientiert sich an den Dynastien und an den drei Wendepunkten 962, 1356 und 1806.

FAQ – Häufige Fragen

Wer war der erste König von Deutschland?

Als erster ostfränkisch-deutscher König gilt je nach Zählweise Ludwig der Deutsche (ab 843) oder Konrad I. (911 bis 918). Historiker streiten über den Startpunkt, weil Deutschland nicht an einem Tag entstand.

Wer war der erste deutsche Kaiser?

Im Mittelalter krönte der Papst Otto I. 962 in Rom zum Kaiser. Das erste Kaiserreich der Neuzeit gründete sich 1871 mit Wilhelm I. als Deutschem Kaiser.

Wie viele Könige hatte Deutschland?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Liste der römisch-deutschen Herrscher umfasst rund 60 Namen, je nachdem, ob Gegenkönige mitgezählt werden.

Wie wurde ein König gewählt?

Zuerst wählten die Herzöge und Großen des Reiches. Ab dem 13. Jahrhundert setzte sich der Kreis der Kurfürsten durch, den die Goldene Bulle von 1356 festschrieb.

Was bedeutet römisch-deutscher König?

Der Titel verband die Königswürde im Reich mit dem Anspruch auf die Kaiserkrone in Rom. Der König wurde erst nach der Krönung durch den Papst zum Kaiser.

Welche Dynastien regierten das Reich?

Die wichtigsten Häuser waren Karolinger, Ottonen, Salier, Staufer, Habsburger, Luxemburger und Wittelsbacher. Die Habsburger stellten ab 1438 fast durchgehend den König.

Wer war der letzte König von Deutschland?

Für das Heilige Römische Reich war es Franz II., der 1806 die Krone niederlegte. Im Kaiserreich war Wilhelm II. der letzte Kaiser und König von Preußen. Er dankte 1918 ab.

Gab es Könige in Bayern und Sachsen?

Ja. In Bayern, Sachsen, Württemberg und Preußen regierten bis 1918 eigene Könige. Sie standen im Kaiserreich unter dem Deutschen Kaiser.

Wer war Karl der Große?

Karl der Große herrschte als Frankenkönig und ließ sich im Jahr 800 zum Kaiser krönen. Er gilt als Vorbild späterer Herrscher, war aber kein deutscher König im engen Sinn.

Warum gibt es heute keinen König mehr?

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel 1918 die Monarchie. Die Weimarer Verfassung machte Deutschland 1919 zur Republik, das Grundgesetz von 1949 bestätigte diese Ordnung.

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Quellen

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