Italienische Präsidenten seit 1946: Alle Staatsoberhäupter

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Italien hatte seit 1946 zwölf Präsidenten. Der erste war Enrico De Nicola, der aktuelle ist Sergio Mattarella. Die folgende Übersicht nennt alle Staatsoberhäupter der Republik mit Amtszeit und Besonderheiten.

Kurzantwort: Seit 1946 amtierten zwölf italienische Präsidenten von Enrico De Nicola bis Sergio Mattarella. Mattarella ist seit dem 3. Februar 2015 im Amt und wurde 2022 wiedergewählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwölf Präsidenten seit 1946
  • Amtszeit: sieben Jahre, Wiederwahl möglich
  • Gewählt vom Parlament und den Regionen
  • Amtssitz: Quirinalspalast in Rom

Italienische Präsidenten seit 1946 im Überblick

Die Tabelle zeigt alle Präsidenten der Italienischen Republik. Die Daten stammen aus der Liste bei Wikipedia. Die Spalte „Wahlgang“ nennt den Durchgang, in dem der Präsident die nötige Mehrheit erreichte.

Nr. Präsident Amtsantritt Amtsende Partei
1 Enrico De Nicola 1. Juli 1946 12. Mai 1948 PLI
2 Luigi Einaudi 12. Mai 1948 11. Mai 1955 PLI
3 Giovanni Gronchi 11. Mai 1955 11. Mai 1962 DC
4 Antonio Segni 11. Mai 1962 6. Dezember 1964 DC
5 Giuseppe Saragat 29. Dezember 1964 29. Dezember 1971 PSDI
6 Giovanni Leone 29. Dezember 1971 15. Juni 1978 DC
7 Sandro Pertini 9. Juli 1978 29. Juni 1985 PSI
8 Francesco Cossiga 3. Juli 1985 28. April 1992 DC
9 Oscar Luigi Scalfaro 28. Mai 1992 15. Mai 1999 DC / parteilos
10 Carlo Azeglio Ciampi 18. Mai 1999 15. Mai 2006 parteilos
11 Giorgio Napolitano 15. Mai 2006 14. Januar 2015 DS / parteilos
12 Sergio Mattarella 3. Februar 2015 amtierend PD

Wie Italien zum Amt des Staatspräsidenten kam

Am 2. und 3. Juni 1946 stimmten die Italiener über die Staatsform ab. Eine knappe Mehrheit entschied sich für die Republik. König Umberto II. musste das Land mit seiner Familie verlassen. Ministerpräsident Alcide De Gasperi übernahm kurz die Aufgaben des Staatsoberhaupts. Ende Juni wählte die Verfassunggebende Versammlung Enrico De Nicola zum vorläufigen Staatsoberhaupt.

Die neue Verfassung trat am 1. Januar 1948 in Kraft. De Nicola galt ab diesem Tag als erster Präsident der Republik. Nach der Parlamentswahl vom 18. April 1948 wählte das neue Parlament am 11. Mai 1948 seinen Nachfolger Luigi Einaudi.

Die Präsidenten der Nachkriegszeit bis 1971

Luigi Einaudi blieb bis 1955 im Amt und brauchte vier Wahlgänge. Giovanni Gronchi folgte ihm ebenfalls im vierten Wahlgang. Beide erfüllten ihre sieben Jahre voll. Bei Antonio Segni endete die Amtszeit früher. Er wurde 1962 im neunten Wahlgang gewählt und trat am 6. Dezember 1964 zurück.

Sein Nachfolger Giuseppe Saragat vom PSDI kam erst im 21. Wahlgang ans Ziel. Er amtierte vom 29. Dezember 1964 bis zum 29. Dezember 1971.

Von Giovanni Leone bis Oscar Luigi Scalfaro

Giovanni Leone von der Democrazia Cristiana brauchte im Dezember 1971 sogar 23 Wahlgänge. Das ist bis heute der Rekord. Er trat am 15. Juni 1978 vor Ablauf seiner Amtszeit zurück. Ihm folgte Sandro Pertini vom PSI, der im 16. Wahlgang gewählt wurde und bis 1985 amtierte.

Francesco Cossiga schaffte 1985 die Wahl im ersten Wahlgang. Er trat am 28. April 1992 zurück. Oscar Luigi Scalfaro folgte ihm im Mai 1992 nach 16 Wahlgängen. Er blieb bis zum 15. Mai 1999 im Amt und war zuletzt parteilos.

Kurzantwort: Die meisten Präsidenten blieben sieben Jahre im Amt. Vor Ablauf traten Segni (1964), Leone (1978), Cossiga (1992) und Napolitano (2015) zurück.

Ciampi, Napolitano und Mattarella seit 1999

Carlo Azeglio Ciampi wurde 1999 im ersten Wahlgang gewählt und amtierte bis zum 15. Mai 2006. Er war parteilos. Giorgio Napolitano trat sein Amt am 15. Mai 2006 an. Er gehörte den Linksdemokraten (DS) an.

Im April 2013 fanden die Parteien in vier Wahlgängen keinen Nachfolger. Napolitano ließ sich zur Wiederwahl bewegen. Damit brach er die Tradition der einmaligen Amtszeit. Nach dem Ende der italienischen EU-Ratspräsidentschaft trat er am 14. Januar 2015 mit 89 Jahren zurück.

Sergio Mattarella kam am 23. Juli 1941 in Palermo auf Sizilien zur Welt. Mehr zur Insel steht im Beitrag über Sizilien. Er ist Jurist und war der zwölfte Präsident. Sein Amt begann am 3. Februar 2015. Am 29. Januar 2022 wählte ihn das Parlament nach sieben erfolglosen Wahlgängen erneut. Die meisten Parteien hatten ihn zur Kandidatur gedrängt.

Wie wird der Präsident gewählt?

Beide Kammern des Parlaments tagen gemeinsam, also Abgeordnetenkammer und Senat. Hinzu kommen Vertreter der 20 Regionen. Jede Region entsendet drei Delegierte, das Aostatal einen. Die Abstimmung ist geheim. In den ersten Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Ab dem vierten Wahlgang genügt die absolute Mehrheit.

Wählbar sind italienische Staatsbürger ab 50 Jahren mit vollen bürgerlichen und politischen Rechten. Das Verfahren erinnert an eine Stichwahl. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zur Stichwahl bei Bürgermeisterwahlen.

Aufgaben, Amtssitz und Bezüge

Der Präsident ist Staatsoberhaupt, aber kein Regierungschef. Er vertritt das Land nach außen und verkörpert die Einheit der Nation. Fällt er vorübergehend aus, übernimmt der Präsident des Senats seine Befugnisse.

Der Amtssitz ist der Quirinalspalast in Rom. Der Palast dient meist dienstlichen Zwecken und als Museum. Dem Präsidenten steht dort eine relativ kleine Privatwohnung zur Verfügung. Außerdem gibt es ein Landgut in Castelporziano und die Villa Rosebery bei Neapel. Die Amtsbezüge betragen laut Wikipedia rund 240.000 Euro im Jahr.

Kurzantwort: Der italienische Präsident amtiert sieben Jahre und sitzt im Quirinalspalast in Rom. Das Parlament und Regionsvertreter wählen ihn, das Volk nicht.

Fazit

Zwölf Präsidenten prägten die Republik seit 1946. Rekorde hält Giovanni Leone mit 23 Wahlgängen. Zwei Präsidenten wurden wiedergewählt, nämlich Napolitano und Mattarella. Vier traten vorzeitig zurück. Weitere Länderthemen finden sich im Beitrag über Länder mit den meisten Nachbarn.

FAQ – Häufige Fragen

Wer war der erste Präsident Italiens?

Enrico De Nicola. Die Verfassunggebende Versammlung wählte ihn Ende Juni 1946 zum vorläufigen Staatsoberhaupt. Sein Amt begann am 1. Juli 1946. Nach Inkrafttreten der Verfassung galt er ab dem 1. Januar 1948 als erster Präsident der Republik.

Wer ist aktuell Präsident von Italien?

Sergio Mattarella. Er ist seit dem 3. Februar 2015 im Amt und der zwölfte Präsident der Republik. Das Parlament wählte ihn am 29. Januar 2022 für eine zweite Amtszeit.

Wie lange dauert die Amtszeit?

Sieben Jahre. Die Verfassung begrenzt die Zahl der Amtszeiten nicht. Eine Wiederwahl ist deshalb unmittelbar und beliebig oft möglich.

Wer wählt den italienischen Präsidenten?

Beide Parlamentskammern tagen gemeinsam. Dazu kommen Vertreter der 20 Regionen, jeweils drei pro Region. Das Aostatal entsendet nur einen Vertreter.

Wie alt muss ein Kandidat sein?

Mindestens 50 Jahre. Außerdem muss er italienischer Staatsbürger sein und im Vollbesitz der bürgerlichen und politischen Rechte stehen.

Wer wurde zweimal zum Präsidenten gewählt?

Giorgio Napolitano im April 2013 und Sergio Mattarella im Januar 2022. Beide sollten nach eigener Aussage eigentlich nicht mehr antreten. Die Parteien drängten sie zur erneuten Kandidatur.

Wer war der Präsident mit den meisten Wahlgängen?

Giovanni Leone. Er wurde 1971 im 23. Wahlgang gewählt. Danach folgt Giuseppe Saragat 1964 mit 21 Wahlgängen.

Welche Präsidenten traten vorzeitig zurück?

Antonio Segni (1964), Giovanni Leone (1978), Francesco Cossiga (1992) und Giorgio Napolitano (2015). Bei Segni und Leone endete die Amtszeit vor Ablauf der sieben Jahre.

Wo wohnt der Präsident?

Der Amtssitz ist der Quirinalspalast in Rom. Dazu kommen ein Landgut in Castelporziano bei Rom und die Villa Rosebery bei Neapel.

Wie viel verdient der Präsident?

Die Amtsbezüge belaufen sich laut Wikipedia auf rund 240.000 Euro im Jahr. Pensionszahlungen werden darauf angerechnet.

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Quellen

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