Geschichte von Schwanensee: Ursprung, Handlung und Hintergründe

Veröffentlicht am 27.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Schwanensee ist das bekannteste klassische Ballett der Welt und erzählt die Geschichte von Prinz Siegfried und der verzauberten Schwanenprinzessin Odette. Die Musik stammt von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, uraufgeführt wurde das Stück 1877 in Moskau. Die heute gefeierte Fassung entstand aber erst 1895 in Sankt Petersburg, nach einem echten Bühnendesaster.

Das Wichtigste in Kürze

  • Uraufführung am 20. Februar 1877 im Bolschoi-Theater Moskau, Choreograf Julius Reisinger
  • Die Premiere floppte, Presse und Publikum verrissen Musik und Tanz
  • Die maßgebliche Neufassung kam am 17. Februar 1895 im Mariinski-Theater Sankt Petersburg heraus, choreografiert von Marius Petipa und Lew Iwanow
  • Die Handlung dreht sich um Odette, den Zauberer Rothbart und dessen Tochter Odile

Wie die Geschichte von Schwanensee entstand

Tschaikowski erhielt den Kompositionsauftrag 1875 vom Bolschoi-Theater. Das Libretto schrieben Wladimir Begitschew und vermutlich der Tänzer Wassili Geltzer. Die Vorlage speist sich aus mehreren europäischen Sagenmotiven: Geschichten über in Schwäne verwandelte Frauen finden sich in deutschen, russischen und sogar keltischen Erzählungen. Tschaikowski verband diese Motive mit einer eigenen, durchkomponierten Partitur, die für ein Ballett damals ungewöhnlich sinfonisch klang.

Die Uraufführung 1877 und ihr Scheitern

Am 20. Februar 1877 hob sich im Moskauer Bolschoi-Theater zum ersten Mal der Vorhang für Schwanensee. Die Choreografie von Julius Reisinger überzeugte niemanden. Kritiker nannten die Inszenierung lieblos, die Ausstattung billig und die Tänzer schlecht vorbereitet. Auch Tschaikowskis Musik geriet ins Kreuzfeuer. Sie wirkte auf die Kritiker zu laut, zu komplex und zu wenig tänzerisch. Das Werk verschwand nach wenigen Spielzeiten fast vollständig von den Bühnen.

Kurzantwort: Die erste Fassung von Schwanensee floppte 1877 in Moskau, weil Choreografie und Ausstattung als schwach galten und die Musik als zu sinfonisch. Erst die Neuinszenierung 1895 machte das Stück zum Welterfolg.

Die Neufassung von 1895 in Sankt Petersburg

Nach Tschaikowskis Tod 1893 nahm sich das Mariinski-Theater in Sankt Petersburg des Stoffs erneut an. Marius Petipa übernahm die höfischen Akte eins und drei, Lew Iwanow gestaltete die poetischen Seeszenen in den Akten zwei und vier. Der Kapellmeister Riccardo Drigo überarbeitete die Partitur und strich einige Passagen. Am 17. Februar 1895 feierte diese Version Premiere und wurde sofort zum Erfolg. Iwanows weißer Akt am See gilt bis heute als Höhepunkt des klassischen Corps de ballet, Petipas Ballszene als Paradestück virtuoser Tanzkunst.

Die Handlung von Schwanensee

Prinz Siegfried feiert seinen Geburtstag und soll eine Braut wählen. Bei einer nächtlichen Jagd trifft er am See auf Odette, eine Prinzessin, die der böse Zauberer Rothbart in einen Schwan verwandelt hat. Nur echte Liebe kann den Fluch brechen. Siegfried verliebt sich sofort und schwört Odette Treue. Beim Ball am nächsten Abend schickt Rothbart seine Tochter Odile, die Odette täuschend ähnlich sieht. Siegfried erkennt die Täuschung zu spät und schwört versehentlich Odile die Treue. Am See angekommen, bittet er Odette um Verzeihung. In der bekanntesten Fassung sterben beide gemeinsam, besiegen damit Rothbart und finden im Tod zueinander.

Warum Schwanensee bis heute fasziniert

Kein anderes Ballett wird weltweit so oft aufgeführt. Große Kompanien wie das Bolschoi-Ballett, das Mariinski-Ballett oder das Royal Ballet London zeigen eigene Fassungen mit unterschiedlichen Enden. Manche Choreografen lassen die Liebenden überleben, andere bleiben bei der Tragödie. Auch die Doppelrolle Odette-Odile bleibt eine der größten Herausforderungen für Balletttänzerinnen, weil sie in einem Abend zwischen zerbrechlicher Reinheit und berechnender Verführung wechseln müssen.

Jahr Ereignis
1875 Kompositionsauftrag an Tschaikowski
1877 Uraufführung in Moskau, gilt als Misserfolg
1893 Tod Tschaikowskis
1895 Neufassung von Petipa und Iwanow in Sankt Petersburg

Bekannte Inszenierungen und Interpretationen

Neben der klassischen Fassung gibt es zahlreiche moderne Deutungen. Matthew Bourne inszenierte 1995 eine Version mit männlichem Corps de ballet, die international für Aufsehen sorgte. Auch deutsche Häuser wie die Staatsoper Berlin oder das Ballett Zürich bringen regelmäßig eigene Fassungen heraus. Die Musik selbst lebt längst unabhängig vom Tanz weiter, etwa in Filmmusik, Werbung und Konzertsälen.

Kurzantwort: Die Handlung von Schwanensee dreht sich um die in einen Schwan verwandelte Odette, den Zauberer Rothbart, dessen Tochter Odile und Prinz Siegfried, der zwischen beiden Frauen entscheiden muss.

Fazit

Schwanensee zeigt, wie ein anfänglicher Misserfolg zum Welterfolg werden kann. Erst die Überarbeitung nach Tschaikowskis Tod brachte dem Ballett den Ruhm, den es heute genießt. Die Mischung aus Musik, Tragödie und technischer Tanzkunst macht das Stück bis heute zu einem der meistgespielten Ballette überhaupt.

FAQ – Häufige Fragen

Wann wurde Schwanensee uraufgeführt?

Die Uraufführung fand am 20. Februar 1877 im Bolschoi-Theater in Moskau statt.

Warum floppte die erste Aufführung?

Kritiker bemängelten die Choreografie von Julius Reisinger, die Ausstattung und empfanden Tschaikowskis Musik als zu sinfonisch für ein Ballett.

Wer schrieb die Musik zu Schwanensee?

Der russische Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowski komponierte die Musik zwischen 1875 und 1876.

Wann entstand die bekannte Fassung von Schwanensee?

Die maßgebliche Neuinszenierung feierte am 17. Februar 1895 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg Premiere.

Wer choreografierte die Fassung von 1895?

Marius Petipa gestaltete die höfischen Akte, Lew Iwanow die Seeszenen mit dem Schwanenkorps.

Worum geht es in der Handlung von Schwanensee?

Prinz Siegfried verliebt sich in die verwunschene Odette, wird aber von Rothbarts Tochter Odile getäuscht und muss die Folgen tragen.

Wie endet Schwanensee?

In der klassischen Fassung sterben Siegfried und Odette gemeinsam und besiegen damit Rothbarts Fluch. Manche modernen Inszenierungen wählen ein versöhnliches Ende.

Woher stammt der Stoff von Schwanensee?

Die Handlung greift europäische Sagenmotive über in Schwäne verwandelte Frauen auf, die in deutschen, russischen und keltischen Erzählungen vorkommen.

Welche Rolle gilt als schwierigste im Ballett?

Die Doppelrolle Odette-Odile gilt als eine der anspruchsvollsten Partien im klassischen Ballettrepertoire.

Gibt es moderne Versionen von Schwanensee?

Ja, etwa Matthew Bournes Fassung mit männlichem Corps de ballet aus dem Jahr 1995 oder zeitgenössische Interpretationen deutscher Ballettkompanien.

Mehr zum Thema

Quellen

Nach oben scrollen