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Kurzantwort: Der Valknut besteht aus drei ineinander verschlungenen Dreiecken. Er ist auf Funden der Wikingerzeit und der Zeit davor nachweisbar, unter anderem auf gotländischen Bildsteinen und im Schiffsgrab von Oseberg. Sein Name ist modern und stammt aus dem Norwegischen. Was er bedeutete, ist nicht überliefert: Die Fundzusammenhänge deuten auf Tod und auf den Gott Odin hin, mehr geben die Quellen nicht her.
Kaum ein nordisches Zeichen wird so oft mit fertigen Bedeutungen verkauft wie der Valknut. Schmuckshops nennen ihn Knoten der Erschlagenen, Symbol der neun Welten oder Zeichen für Mut.
Die Fundlage ist deutlich karger. Es gibt eine überschaubare Zahl von Objekten, auf denen das Zeichen erscheint, und keinen einzigen Text aus der Zeit, der es erklärt.
Was sich sagen lässt, lässt sich trotzdem gut zusammenfassen: wo er auftaucht, in welchem Zusammenhang, und was daraus folgt.
Wie der Valknut aussieht
Drei gleichseitige Dreiecke greifen ineinander. Es gibt zwei Grundformen: eine, die sich aus einer einzigen durchlaufenden Linie zeichnen lässt, und eine, bei der drei getrennte Dreiecke wie Kettenglieder verschlungen sind.
Die zweite Form entspricht mathematisch den borromäischen Ringen: Nimmt man ein Dreieck heraus, fallen die beiden anderen auseinander.
Beide Varianten kommen auf historischen Objekten vor. Welche Form auf welchem Fund erscheint, hängt vom Material und vom Handwerker ab, eine inhaltliche Unterscheidung ist nicht belegt.
Wo der Valknut tatsächlich vorkommt
Die früheste bekannte Darstellung trägt der Bildstein Stora Hammars I auf Gotland aus dem späten 7. Jahrhundert. Das Zeichen steht dort an prominenter Stelle, umgeben von Szenen, die als Opfer und Tod gedeutet werden: ein Gehängter, ein Rabe, ein Mann mit Speer.
Ein zweiter wichtiger Fundkomplex ist das Schiffsgrab von Oseberg in Norwegen aus dem Jahr 834. Dort erscheint das Zeichen unter anderem an einem geschnitzten Bettpfosten.
Weitere Beispiele finden sich auf gotländischen Bildsteinen wie Tängelgårda und auf einzelnen Metallobjekten aus England. Insgesamt bleibt die Zahl der Belege klein.
Auffällig ist der Zusammenhang: Fast alle Fundstücke stehen in der Nähe von Bestattung, Opfer oder Tod.
Verwandt, aber nicht identisch ist das sogenannte Triquetra-Motiv aus drei Bögen, das in der insularen Buchmalerei häufig vorkommt. Wer beide Zeichen nebeneinanderlegt, erkennt den Unterschied sofort: Der Valknut besteht aus geraden Linien und spitzen Winkeln.
Woher der Name kommt
Das Wort Valknut ist eine Bildung der Neuzeit. Es geht auf das norwegische valknute zurück, eine Bezeichnung für einen Knoten in Ornamenten.
Gedeutet wird es meist als Knoten der Gefallenen, gebildet aus valr für die Erschlagenen auf dem Schlachtfeld und knut für Knoten. Dieselbe Wurzel steckt in Walhall und Walküre.
Wie das Zeichen in der Wikingerzeit hieß, weiß niemand. Die Quellen schweigen dazu vollständig, und auch die Runeninschriften der Zeit erwähnen es an keiner Stelle.
Die Deutungen und ihre Grenzen
Am häufigsten wird der Valknut mit Odin verbunden. Dafür sprechen die Bildzusammenhänge: Odin gilt in den Texten als Gott der Gehängten, der Gefallenen und der Bindung.
Eine zweite Deutung knüpft an Snorri Sturluson an. In seiner Prosa-Edda beschreibt er das Herz des Riesen Hrungnir als steinernes Gebilde mit drei Spitzen, das einen eigenen Namen trug. Ein Teil der Forschung bringt diese Beschreibung mit dem Valknut in Verbindung.
Beide Deutungen sind Hypothesen. Sie stützen sich auf Texte, die drei bis fünf Jahrhunderte nach den ältesten Funden entstanden sind.
Die im Netz verbreitete Gleichsetzung mit den neun Welten der nordischen Mythologie hat dagegen keine Grundlage in den Quellen. Sie entstand aus der Beobachtung, dass drei Dreiecke neun Ecken haben.
Der Valknut heute
Das Zeichen findet sich auf Schmuck, in Tattoos, auf Plattencovern und in Videospielen. In Teilen des neuheidnischen Spektrums wird es als Bekenntniszeichen zu Odin getragen.
Gleichzeitig führt die Anti-Defamation League den Valknut in ihrer Datenbank für Hasssymbole. Rechtsextreme Gruppen und rassistische Odinisten haben ihn vereinnahmt.
Die Organisation weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass nichtrassistische Heiden dasselbe Zeichen verwenden und dass der Zusammenhang beurteilt werden muss, statt automatisch von einer rassistischen Nutzung auszugehen.
In Deutschland ist der Valknut nicht verboten. Er zählt nicht zu den Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuchs.
Wenn du ihn tragen willst
Wer den Valknut als Tattoo oder Anhänger trägt, trägt ein Zeichen mit offener Bedeutung und belastetem Umfeld. Beides gehört zur ehrlichen Auskunft dazu.
Hilfreich ist, die eigene Motivation benennen zu können. Wer weiß, dass das Zeichen auf Grabsteinen und in Schiffsgräbern auftaucht, kann auch erklären, warum er es gewählt hat.
Ein Blick auf die Nachbarschaft lohnt sich ebenfalls: In Kombination mit eindeutig rechtsextremen Zeichen verschiebt sich die Aussage, unabhängig von der Absicht des Trägers.
Wer ein Motiv sucht, das weniger belastet ist, findet in der nordischen Bildkunst genug Alternativen: Tierornamentik im Borre- oder Jellinge-Stil, das Schiff, den Hammer oder ganze Szenen von Bildsteinen.
Häufige Fragen
Ist der Valknut ein Wikingersymbol?
Er ist auf Objekten der Wikingerzeit und der Zeit davor belegt. Was er den Menschen bedeutete, steht in keiner Quelle.
Bedeutet er Schutz?
Diese Zuschreibung ist modern. Die Fundzusammenhänge zeigen eher eine Verbindung zu Tod und Bestattung.
Ist der Valknut in Deutschland verboten?
Nein. Verboten sind nur Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Hat er etwas mit der Dreifaltigkeit zu tun?
Nein. Die christliche Triquetra ist ein anderes Zeichen mit eigener Geschichte.
Welche Form ist die richtige?
Beide Formen kommen historisch vor. Eine offizielle Fassung gibt es nicht.
Wo kann ich Originale sehen?
Die gotländischen Bildsteine stehen im Historischen Museum in Stockholm, die Funde von Oseberg im Wikingerschiffsmuseum in Oslo. Für beide Sammlungen gibt es Onlinekataloge mit Fotos der Originale.
Quellen
Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.






