Wiederbelebung: So funktioniert die Herzdruckmassage

Kurzantwort: Bei einer Wiederbelebung prüfst du zuerst, ob die Person reagiert und normal atmet. Reagiert sie nicht und atmet nicht normal, wählst du 112 und drückst sofort auf die Mitte des Brustkorbs. 100 bis 120 Mal pro Minute, fünf bis sechs Zentimeter tief. Wenn du beatmen kannst, wechselst du zwischen 30 Kompressionen und zwei Beatmungen. Wenn nicht, drückst du ohne Pause weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt.

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand kündigt sich meistens nicht an. Die Person sackt zusammen, reagiert auf nichts mehr und atmet nicht normal. Ab dieser Sekunde bekommt das Gehirn keinen Sauerstoff mehr.

Das Deutsche Reanimationsregister erfasste für 2023 rund 55.000 Menschen, die außerhalb einer Klinik vom Rettungsdienst reanimiert wurden. 2024 begannen Anwesende in 52 Prozent der erfassten Fälle selbst mit der Wiederbelebung, bevor der Rettungsdienst eintraf. Die Quote stieg damit erstmals seit Jahren wieder an.

Die Regeln dafür stammen vom European Resuscitation Council. Die aktuelle Fassung der Leitlinien erschien im Oktober 2025, der German Resuscitation Council bringt die deutsche Übersetzung heraus. An den Basismaßnahmen für Laien hat sich dabei wenig geändert.

Woran du einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennst

Zwei Zeichen reichen dir: Die Person reagiert nicht, und sie atmet nicht normal. Mehr musst du nicht feststellen.

Sprich sie laut an und rüttle vorsichtig an den Schultern. Kommt keine Reaktion, überstreckst du den Kopf leicht nach hinten und hältst dein Ohr über Mund und Nase. Höchstens zehn Sekunden lang schaust, hörst und fühlst du.

Vorsicht bei der Schnappatmung: Einzelne, röchelnde oder ruckartige Atemzüge in den ersten Minuten sehen aus wie Atmung, sind aber keine. Wer darauf wartet, dass es sich bessert, verliert die entscheidenden Minuten. Im Zweifel gilt der Fall als Herz-Kreislauf-Stillstand.

Auch ein einzelner Krampfanfall direkt nach dem Zusammensacken schließt einen Herzstillstand nicht aus. Er kommt vor, wenn das Gehirn plötzlich ohne Sauerstoff bleibt.

Prüfen, rufen, drücken

Diese drei Wörter sind die Kurzfassung. Prüfen heißt Ansprechen und Atmung kontrollieren. Rufen heißt 112 wählen, am besten mit Lautsprecher, damit du die Hände frei hast.

Die Leitstelle bleibt am Telefon und leitet dich an. Diese Telefonreanimation ist fester Bestandteil der Rettungskette, du musst also nicht aus dem Gedächtnis arbeiten.

Drücken heißt: Oberkörper frei machen, beide Hände übereinander auf die Mitte des Brustkorbs legen, Arme durchstrecken, Schultern senkrecht über die Hände bringen. Der Druck kommt aus dem Oberkörper, nicht aus den Armen. Sind mehrere Helfer da, wechselt ihr euch etwa alle zwei Minuten ab, weil die Kraft schneller nachlässt als gedacht.

Wie tief und wie schnell du drückst

Die Zahlen der Leitlinien sind eindeutig: fünf bis sechs Zentimeter Tiefe bei Erwachsenen, 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.

Nach jedem Druck muss sich der Brustkorb vollständig entlasten, sonst füllt sich das Herz nicht wieder. Lass die Hände dabei liegen, aber nimm das Gewicht heraus.

Unterbrechungen über zehn Sekunden verschlechtern die Prognose. Halte Pausen für Beatmung, Helferwechsel oder Elektroden also so kurz wie möglich.

Rippen können brechen, gerade bei älteren Menschen. Das ist kein Grund aufzuhören. Ein gebrochener Rippenknorpel heilt, ein Herzstillstand ohne Druckmassage endet tödlich.

30:2 oder nur drücken

Geschulte Helfer arbeiten im Verhältnis 30 Kompressionen zu zwei Beatmungen. Jede Beatmung dauert etwa eine Sekunde, der Brustkorb soll sich sichtbar heben.

Wer nicht beatmen kann oder will, drückt durchgehend. Das ist ausdrücklich vorgesehen und deutlich besser als gar nichts. Die Angst vor der Mund-zu-Mund-Beatmung soll niemanden davon abhalten, überhaupt anzufangen.

Beim Ertrinken, bei Kindern und bei Vergiftungen liegt der Sauerstoffmangel am Anfang der Kette. Dort hilft Beatmung besonders, wenn du sie beherrschst.

Was der AED macht

Ein automatisierter externer Defibrillator hängt in vielen Bahnhöfen, Rathäusern und Betrieben. Er analysiert den Herzrhythmus und gibt nur dann einen Schock ab, wenn er einen schockbaren Rhythmus erkennt.

Du kannst damit nichts falsch machen. Gerät einschalten, Elektroden nach Bild aufkleben, Anweisungen befolgen. Während der Analyse berührt niemand die Person.

Zwischen den Analysen wird weiter gedrückt. Der AED ersetzt die Herzdruckmassage nicht, er ergänzt sie. Hol ihn nur, wenn eine zweite Person da ist, die währenddessen weiterdrückt.

Öffentlich zugängliche Geräte sind in vielen Städten in Karten und Apps eingetragen. Ein Blick darauf lohnt sich, bevor der Ernstfall eintritt, denn im Notfall bleibt keine Zeit zum Suchen.

Kinder, Säuglinge und rechtliche Fragen

Bei Kindern beginnst du mit fünf Beatmungen, danach folgt der Wechsel aus Kompressionen und Beatmungen. Gedrückt wird etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe, bei Säuglingen mit zwei Fingern oder umgreifend mit beiden Daumen.

Wer nicht hilft, obwohl es zumutbar wäre, macht sich nach Paragraf 323c des Strafgesetzbuchs strafbar. Vorgesehen ist Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Umgekehrt haftest du nicht für Verletzungen, die bei einer Hilfeleistung nach bestem Wissen entstehen. Ein Auffrischungskurs dauert neun Unterrichtseinheiten und kostet in vielen Betrieben nichts.

Häufige Fragen

Wie lange muss ich weitermachen?

Bis der Rettungsdienst übernimmt, bis die Person wieder normal atmet oder bis du körperlich nicht mehr kannst.

Was ist, wenn ich mich täusche und die Person atmet doch?

Dann wehrt sie sich, und du hörst auf. Der Schaden durch eine unnötige Herzdruckmassage ist klein gegen den Schaden durch eine unterlassene.

Muss ich beatmen?

Nein. Reine Herzdruckmassage ist für ungeübte Helfer ausdrücklich vorgesehen. Wichtiger als die Beatmung ist, dass der Druck früh beginnt und selten unterbrochen wird.

Wo genau liegen die Hände?

Auf der Mitte des Brustkorbs, also auf der unteren Hälfte des Brustbeins. Der Ballen der unteren Hand liegt auf, die zweite Hand greift darüber und verschränkt die Finger.

Hilft ein Takt zum Mitzählen?

Ja. 100 bis 120 Schläge pro Minute entsprechen dem Tempo vieler bekannter Lieder, unter anderem „Stayin‘ Alive“.

Darf ich einen AED ohne Schulung benutzen?

Ja. Die Geräte sind für Laien gebaut und sprechen jeden Schritt an.

Quellen

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Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

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