Wie funktioniert Sellpy? Ablauf, Konditionen, Grenzen

Kurz gesagt: Man bestellt einen Beutel, füllt ihn mit Kleidung und schickt ihn kostenlos ein. Der Anbieter sortiert, fotografiert, beschreibt und verkauft jeden Artikel einzeln. Verkauft sich etwas, bekommt man einen prozentualen Anteil gutgeschrieben.

Der Ablauf

1. Beutel online bestellen — er kommt per Post.

2. Befüllen mit Kleidung, Schuhen, Taschen, Accessoires.

3. Kostenlos zurückschicken oder abholen lassen.

4. Im Lager wird jedes Stück geprüft, fotografiert, vermessen und eingestellt.

5. Verkauft sich ein Artikel, wird der Anteil dem Konto gutgeschrieben und lässt sich auszahlen.

Was den Reiz ausmacht

Der Aufwand entfällt vollständig. Wer Kleidung selbst verkauft, fotografiert, beschreibt, beantwortet Fragen und verpackt — hier fällt das alles weg.

Dafür ist der Erlös niedriger als beim Selbstverkauf, weil der Anbieter die Arbeit bezahlt bekommt.

Die Konditionen

Der Anteil richtet sich nach dem Verkaufspreis: Bei teureren Artikeln fällt er höher aus, bei sehr günstigen bleibt kaum etwas übrig. Die Preise setzt der Anbieter selbst, es gibt aber eine Möglichkeit, einen Mindestpreis zu hinterlegen.

Nach einer festgelegten Frist werden unverkaufte Artikel im Preis gesenkt.

Was nicht angenommen wird

Beschädigte, stark getragene oder verschmutzte Ware wird aussortiert. Auch sehr günstige Massenware landet häufig nicht im Verkauf. Was aussortiert wird, kann man zurückfordern oder spenden lassen.

Für wen es sich lohnt

Für größere Mengen aus dem Kleiderschrank, bei denen der Einzelverkauf zu aufwendig wäre. Wer wenige, aber wertvolle Stücke hat, erzielt beim Selbstverkauf mehr.

Was hinter dem Modell steckt

Sellpy ist ein schwedisches Unternehmen für den Wiederverkauf gebrauchter Kleidung, das 2014 gegründet wurde. Der Modehändler H und M ist mehrheitlich beteiligt. Der Dienst ist in mehreren europäischen Ländern verfügbar, darunter Deutschland.

Das Geschäftsmodell besteht darin, den Aufwand des Verkaufs zu übernehmen: Fotografieren, Beschreiben, Einstellen, Versand und Kundenkontakt. Verkäuferinnen und Verkäufer geben nur einen Beutel ab. Dafür behält das Unternehmen einen erheblichen Anteil des Erlöses.

Vergleichbare Anbieter arbeiten nach demselben Prinzip. Der Unterschied liegt vor allem in den Anteilssätzen und in der Warenannahme. Ein Vergleich lohnt sich vor der ersten Abgabe.

Wie die Bewertung zustande kommt

Preise setzt das Unternehmen selbst, orientiert an Marke, Zustand und Nachfrage. Verkäuferinnen können in vielen Fällen einen Mindestpreis festlegen, unter dem nicht verkauft wird. Ohne diese Angabe entscheidet der Anbieter allein.

Artikel, die längere Zeit nicht verkauft werden, werden im Preis gesenkt oder aussortiert. Nicht verkaufte Ware wird nach Wahl zurückgeschickt oder gespendet. Der Rückversand ist meist kostenpflichtig.

Für hochwertige Einzelstücke ist der Eigenverkauf über Plattformen deshalb oft lohnender. Der Aufwand ist allerdings erheblich höher. Genau darin liegt die Abwägung.

Was steuerlich zu beachten ist

Der Verkauf gebrauchter privater Gegenstände ist in der Regel steuerfrei, weil kein Gewinn im steuerlichen Sinn entsteht. Anders sieht es aus, wenn regelmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht verkauft wird. Dann kann eine gewerbliche Tätigkeit vorliegen.

Plattformen sind seit 2023 verpflichtet, Verkäufe ab einer bestimmten Zahl oder Höhe an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden. Die Grenzen liegen bei dreißig Verkäufen oder 2.000 Euro Erlös pro Jahr. Eine Meldung bedeutet noch keine Steuerpflicht.

Für den Normalfall der Haushaltsauflösung ist der Punkt unkritisch. Wer regelmäßig größere Mengen verkauft, sollte ihn prüfen. Die Steuerberatung klärt den Einzelfall.

Wie nachhaltig der Weiterverkauf ist

Jedes weitergenutzte Kleidungsstück ersetzt rechnerisch die Herstellung eines neuen. Damit spart der Wiederverkauf Wasser, Energie und Rohstoffe. Studien zur Textilindustrie belegen diesen Effekt.

Kritisch gesehen wird, dass günstige Gebrauchtware zusätzlichen Konsum auslösen kann statt neuen zu ersetzen. Fachleute nennen das Rebound-Effekt. Wie stark er wirkt, ist umstritten.

Was den Reiz und die Grenzen ausmacht

Der Hauptvorteil liegt im Zeitgewinn: Fotografieren, Beschreiben und Versenden entfallen vollständig. Wer eine Wohnung ausräumt oder einen Kleiderschrank leert, spart damit viele Stunden. Genau dafür ist das Modell gedacht.

Der Nachteil ist der Erlös. Nach Abzug des Anteils bleibt bei günstiger Ware häufig nur ein kleiner Betrag pro Stück übrig. Bei Massenware aus dem unteren Preissegment lohnt der Aufwand kaum.

Sinnvoll ist deshalb eine Vorsortierung: Hochwertige Einzelstücke selbst verkaufen, den Rest abgeben. Diese Aufteilung bringt in der Praxis das beste Verhältnis. Sie kostet nur wenig Zeit.

Was mit nicht verkaufter Ware passiert

Artikel, die trotz Preissenkung keinen Käufer finden, werden nach Ablauf einer Frist aussortiert. Verkäuferinnen können vorab festlegen, ob sie zurückgeschickt oder gespendet werden. Der Rückversand ist in der Regel kostenpflichtig.

Wer nichts festlegt, stimmt meist der Spende zu. Diese Voreinstellung sollte man vor der Abgabe prüfen. Sie steht in den Nutzungsbedingungen.

Was nicht angenommen wird

Ausgeschlossen sind in der Regel stark beschädigte oder verschmutzte Ware, Unterwäsche, Kosmetik sowie Artikel mit Sicherheitsrisiko. Auch sehr günstige Massenware wird häufig aussortiert, weil sich der Aufwand nicht lohnt. Die genaue Liste steht in den Nutzungsbedingungen.

Gefälschte Markenware wird ebenfalls nicht angenommen und kann rechtliche Folgen haben. Der Verkauf von Fälschungen ist auch für Privatpersonen unzulässig. Im Zweifel bleibt das Stück besser zu Hause.

Vor der Abgabe lohnt es deshalb, offensichtlich Unbrauchbares auszusortieren. Textilien mit Löchern oder Flecken gehören in die Altkleidersammlung. Das spart Wege und Enttäuschungen.

Wie lange der Vorgang dauert

Von der Abholung bis zum Einstellen der ersten Artikel vergehen je nach Auslastung mehrere Wochen. Der Verkauf selbst zieht sich anschließend über Monate. Wer schnell Geld braucht, ist mit dem Direktverkauf besser bedient.

Auszahlungen erfolgen meist auf ein Guthabenkonto, von dem aus überwiesen oder als Gutschein eingelöst werden kann. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Land. Sie stehen im Kundenkonto.

Häufige Fragen

Was kostet der Versand?

Das Einsenden ist kostenlos.

Wer bestimmt den Preis?

Der Anbieter, ein Mindestpreis lässt sich hinterlegen.

Was passiert mit unverkaufter Ware?

Sie wird im Preis gesenkt oder kann zurückgefordert werden.

Wie lange dauert es?

Von der Einsendung bis zum Einstellen vergehen meist mehrere Wochen.

Quellen

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