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Kurz gesagt: Zwei Teams schieben abwechselnd Granitsteine über eine Eisbahn auf ein Zielkreisfeld. Punkte bekommt nur ein Team pro Durchgang: für jeden eigenen Stein, der näher am Zentrum liegt als der beste gegnerische. Gewischt wird, um den Stein weiter und gerader laufen zu lassen.
Das Wischen ist kein Ritual. Es verändert die Laufbahn messbar.
Das Spielfeld
Die Bahn ist rund 45 Meter lang und knapp 5 Meter breit. Am Ende liegt das Haus – vier konzentrische Kreise mit dem Zentrum, dem Button.
Der Stein wiegt etwa 20 Kilogramm und besteht aus einer besonderen Granitart, die kaum Wasser aufnimmt.
Der Ablauf
Ein Spiel besteht aus acht oder zehn Ends – vergleichbar mit Innings. In jedem End spielt jedes Team acht Steine, die vier Spieler je zwei.
Der Spieler stößt sich vom Startblock ab, gleitet mit dem Stein und lässt ihn vor einer Linie los. Dabei gibt er ihm eine leichte Drehung – daher der Name Curling, vom Kurven des Steins.
Die Punkte
Nach dem letzten Stein zählt nur das Team, dessen Stein dem Zentrum am nächsten liegt.
Es bekommt einen Punkt für jeden eigenen Stein, der näher liegt als der beste Stein des Gegners. Mehr als einen Punkt gibt es also nur, wenn mehrere eigene Steine besser liegen.
Wer im End keinen Punkt macht, hat im nächsten den Hammer – den letzten Stein und damit den größten Vorteil. Deshalb gilt es taktisch als Erfolg, ein End ohne Punkte zu beenden, wenn man den Hammer nicht hatte.
Warum gewischt wird
Das Eis ist nicht glatt, sondern mit feinen gefrorenen Tropfen überzogen – dem Pebble. Der Stein läuft auf diesen Spitzen.
Beim Wischen erwärmt die Reibung die Oberfläche minimal. Es entsteht ein dünner Wasserfilm, die Reibung sinkt.
Die Folge: Der Stein läuft mehrere Meter weiter und krümmt seine Bahn weniger stark. Das Team steuert damit die Länge und den Bogen – der Stein wird nach dem Loslassen nicht mehr angefasst.
Die Positionen
Lead spielt die ersten beiden Steine, Second die nächsten, Third danach.
Skip ist der Kapitän, gibt die Anweisungen im Haus und spielt die letzten beiden Steine.
Der Sport und sein Ruf
Curling gilt als Sport mit ausgeprägter Fairnesskultur: Regelverstöße zeigen die Teams selbst an, und traditionell gibt der Sieger dem Verlierer nach dem Spiel ein Getränk aus.
Olympisch ist Curling seit 1998 wieder durchgehend, mit Wettbewerben für Frauen, Männer und im Mixed-Doppel.
Woher der Sport kommt
Curling entstand im Schottland des 16. Jahrhunderts, wo auf zugefrorenen Teichen mit Feldsteinen gespielt wurde. Der älteste bekannte Stein trägt die Jahreszahl 1511 und stammt aus Stirling. Von dort verbreitete sich das Spiel über Auswanderer nach Kanada.
Kanada ist bis heute die stärkste Nation, gefolgt von Schweden, der Schweiz und Schottland. In Deutschland ist der Sport klein, hat aber eine eigene Bundesliga. Bei Olympischen Winterspielen ist er seit 1998 dauerhaft im Programm.
Der Name geht vermutlich auf das schottische Wort curr für ein brummendes Geräusch zurück, das der Stein auf dem Eis erzeugt. Eine andere Deutung verweist auf die gekrümmte Bahn. Beide sind belegt, keine ist gesichert.
Die Steine
Ein Curlingstein wiegt zwischen 17 und 20 Kilogramm und besteht aus Granit. Verwendet wird fast ausschließlich Gestein von der schottischen Insel Ailsa Craig, weil es besonders dicht und wasserabweisend ist. Die Insel steht unter Naturschutz, Abbau erfolgt nur in Ausnahmen.
Die Lauffläche ist nicht flach, sondern ein schmaler Ring, der auf dem Eis aufliegt. Dadurch entsteht die charakteristische Krümmung der Bahn. Der Griff ist heute meist elektronisch und erkennt, ob der Stein rechtzeitig losgelassen wurde.
Ein Satz von sechzehn Steinen kostet mehrere Tausend Euro und hält bei Pflege Jahrzehnte. Vereine teilen sie sich deshalb. Für Anfänger stellen Hallen sie zur Verfügung.
Warum das Eis präpariert wird
Die Eisfläche ist nicht glatt, sondern mit feinen Wassertröpfchen besprüht, die zu kleinen Erhebungen gefrieren. Diese Schicht heißt Pebble und verringert die Auflagefläche des Steins erheblich. Ohne sie würde der Stein kaum gleiten und nicht krümmen.
Für die Präparation sind eigens ausgebildete Eismeister zuständig, die Temperatur, Luftfeuchte und Pebble laufend kontrollieren. Bei Turnieren wird die Fläche zwischen den Spielen erneuert. Kleine Unterschiede verändern das Spiel spürbar.
Genau deshalb wirkt Wischen überhaupt: Es erwärmt die Oberfläche minimal und erzeugt einen dünnen Wasserfilm. Der Stein läuft dadurch weiter und weniger stark gekrümmt. Der Effekt ist messbar, aber begrenzt.
Der Umgang mit Regeln und Fairness
Curling wird traditionell ohne Schiedsrichter für Regelfragen im Spiel gespielt: Verstöße zeigen die Mannschaften selbst an. Diese Praxis wird als Spirit of Curling bezeichnet und ist in den Regeln ausdrücklich beschrieben. Sie gilt auch bei Weltmeisterschaften.
Üblich ist außerdem, dass die unterlegene Mannschaft aufgibt, wenn ein Rückstand nicht mehr aufzuholen ist. Das gilt als höflich, nicht als Schwäche. Nach dem Spiel geben sich beide Mannschaften die Hand.
Wie man anfängt
Einstieg bieten Curlinghallen und Vereine mit Schnupperkursen, bei denen Schuhe und Steine gestellt werden. Nötig sind nur bequeme, warme Kleidung und saubere Turnschuhe. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Der Sport ist gelenkschonend und wird bis ins hohe Alter gespielt, es gibt eigene Wettbewerbe für Senioren und für Rollstuhlfahrende. Rollstuhlcurling ist paralympische Disziplin. Gewischt wird dort nicht.
Wie Curling im Fernsehen wirkt
Der Sport gilt als langsam und wird trotzdem regelmäßig übertragen, weil die Taktik gut zu erklären ist. Kommentatoren zeigen mögliche Steinwege ein und machen die Entscheidungen sichtbar. Das erklärt einen Teil der Beliebtheit bei Olympischen Spielen.
Hinzu kommt, dass die Mannschaften während des Spiels laut miteinander sprechen und die Mikrofone das übertragen. Zuschauer hören die Absprachen mit. Das gibt es in kaum einer anderen Sportart.
Häufige Fragen
Wie schwer ist ein Curlingstein?
Etwa 20 Kilogramm.
Warum wird gewischt?
Um den Stein weiter und gerader laufen zu lassen.
Wie lange dauert ein Spiel?
Zwei bis drei Stunden.
Was ist der Hammer?
Der letzte Stein eines Ends – ein taktischer Vorteil.
Quellen
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