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Kurz gesagt: waipu.tv ist ein IPTV-Dienst: Die Fernsehsender kommen über die normale Internetleitung, nicht über Kabel, Satellit oder Antenne. Empfangen wird per App auf Smart-TV, Handy, Tablet, Fire TV oder über einen eigenen Stick.
Technisch ist es Streaming – nur eben mit linearem Fernsehprogramm statt einer Mediathek.
Das Prinzip
Klassisches Fernsehen kommt über ein eigenes Netz: ein Kabelanschluss, eine Satellitenschüssel oder eine Antenne. IPTV nutzt stattdessen die Internetverbindung, die ohnehin im Haus liegt.
Der Anbieter empfängt die Sendersignale zentral, wandelt sie in Datenströme um und schickt sie an die Nutzer. Auf dem Endgerät setzt eine App die Daten wieder zu Bild und Ton zusammen.
Damit fällt ein separater Anschluss weg – wer keinen Kabelvertrag mehr will, braucht auch keine neue Leitung.
Was man braucht
Eine Internetverbindung. Für Standardauflösung reichen etwa 6 Mbit/s, für HD sollten es 16 Mbit/s sein, für 4K deutlich mehr. Entscheidend ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Stabilität – schwankt die Leitung, ruckelt das Bild.
Ein Endgerät. Die App läuft auf Smart-TVs vieler Hersteller, auf Amazon Fire TV, Android TV, Apple TV, Chromecast sowie auf Smartphone und Tablet. Alternativ gibt es den waipu.tv 4K Stick, der in den HDMI-Anschluss des Fernsehers kommt.
Ein klassischer Receiver entfällt.
Funktionen, die über Kabel hinausgehen
Aufnahmen in der Cloud. Aufgezeichnet wird nicht auf einer Festplatte zu Hause, sondern beim Anbieter. Der Speicher ist je nach Tarif begrenzt und die Aufnahmen sind an das laufende Abo gebunden.
Neustart und Pause. Eine laufende Sendung lässt sich anhalten oder von vorn beginnen, auch wenn man erst mittendrin eingeschaltet hat.
Parallele Streams. Je nach Tarif können mehrere Geräte gleichzeitig unterschiedliche Sender zeigen.
Mobil nutzbar. Innerhalb Deutschlands funktioniert der Dienst überall, im EU-Ausland greift die Portabilitätsverordnung für einen begrenzten Zeitraum.
Wo die Grenzen liegen
Ohne Internet kein Fernsehen – fällt die Leitung aus, ist auch das Programm weg. Bei Kabel und Satellit ist das entkoppelt.
Der Datenverbrauch ist erheblich: Eine Stunde HD zieht ungefähr 2 bis 3 Gigabyte. Über einen Mobilfunkvertrag mit begrenztem Volumen ist das schnell aufgebraucht.
Nicht jeder Sender ist in jedem Tarif enthalten, und Privatsender in HD setzen meist ein höherwertiges Paket voraus.
Bandbreite und Datenverbrauch
Für einen stabilen Empfang in Standardauflösung reichen etwa drei bis fünf Megabit pro Sekunde, für hochauflösendes Fernsehen sollten es sechs bis zehn sein. Bei mehreren gleichzeitig genutzten Geräten addiert sich der Bedarf. Für vier parallele Streams ist deshalb eine deutlich schnellere Leitung nötig.
Der Datenverbrauch liegt bei hochauflösendem Fernsehen grob bei zwei bis vier Gigabyte je Stunde. Wer über Mobilfunk schaut, erreicht damit übliche Datenpakete innerhalb weniger Abende. Im Festnetz mit Flatrate spielt das keine Rolle.
Ruckler und Bildaussetzer haben häufiger mit dem heimischen WLAN zu tun als mit der Leitung. Ein Netzwerkkabel oder ein besser platzierter Router lösen das meist. Vor einer Beschwerde beim Anbieter lohnt dieser Test.
Warum solche Dienste an Bedeutung gewonnen haben
Bis 2024 konnten Vermieter die Kosten für Kabelfernsehen über die Betriebskosten auf alle Mieter umlegen. Diese Regelung ist entfallen, seither entscheidet jeder Haushalt selbst über seinen Fernsehempfang. Dadurch haben Internetdienste deutlich an Bedeutung gewonnen.
Für Mieterinnen und Mieter bedeutet das: Die Kabelgebühr verschwindet aus der Nebenkostenabrechnung, dafür muss der Empfang selbst organisiert werden. Möglich sind Kabel, Satellit, Antenne oder Internet. Die Kosten unterscheiden sich erheblich.
Internetbasiertes Fernsehen braucht keine zusätzliche Verkabelung und funktioniert überall dort, wo eine ausreichende Leitung liegt. Das ist der praktische Vorteil. Voraussetzung bleibt eine stabile Verbindung.
Aufnahmen und zeitversetztes Sehen
Aufnahmen werden bei solchen Diensten nicht auf einem Gerät zu Hause gespeichert, sondern in der Cloud des Anbieters. Der verfügbare Speicher ist tarifabhängig und wird in Stunden angegeben. Ist er voll, müssen ältere Aufnahmen gelöscht werden.
Zusätzlich gibt es eine Funktion, mit der Sendungen der vergangenen Tage nachträglich abgerufen werden können, ohne dass sie vorher programmiert wurden. Der Zeitraum liegt üblicherweise bei mehreren Tagen. Nicht alle Sender erlauben das.
Rechtlich beruhen solche Angebote auf Lizenzverträgen mit den Sendern. Deshalb sind einzelne Inhalte gesperrt oder das Vorspulen von Werbung ist deaktiviert. Diese Einschränkungen sind vertraglich vorgegeben.
Kosten, Verträge und Kündigung
Angeboten werden meist ein kostenloses Basispaket mit begrenzter Senderzahl und kostenpflichtige Pakete mit mehr Sendern, hochauflösendem Bild und größerem Aufnahmespeicher. Die Preise liegen im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat. Aktionspreise gelten oft nur im ersten Jahr.
Verträge mit Mindestlaufzeit können nach Ablauf der ersten Laufzeit monatlich gekündigt werden, seit der Reform des Vertragsrechts mit einer Frist von einem Monat. Eine automatische Verlängerung um ein weiteres Jahr ist unzulässig. Diese Regel gilt für alle Verbraucherverträge dieser Art.
Vor dem Abschluss lohnt der Blick darauf, welche Sender im gewählten Paket enthalten sind. Senderlisten ändern sich, wenn Lizenzverträge auslaufen. Anbieter informieren darüber in der Regel vorab.
Die Alternativen
Neben internetbasierten Diensten gibt es weiterhin Kabelanschluss, Satellitenempfang und Antennenfernsehen. Satellit ist nach einmaliger Anschaffung der Schüssel kostenfrei für die frei empfangbaren Sender. Antennenfernsehen erfordert je nach Region ein Abonnement für die privaten Sender.
Dazu kommen die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, die viele Inhalte kostenfrei bereitstellen und teilweise auch Live-Streams anbieten. Für wenig Fernsehnutzung reicht das oft aus. Ein Abonnement ist dafür nicht nötig.
Welche Lösung günstiger ist, hängt vom Nutzungsverhalten ab. Wer nur wenige Sender braucht, fährt mit Antenne oder Mediathek am günstigsten. Wer viele Sender und Aufnahmefunktionen will, greift zu einem Abonnement.
Wenn etwas nicht funktioniert
Bei Bildstörungen hilft zunächst ein Neustart von App und Router sowie ein Test mit einem anderen Gerät. Damit lässt sich eingrenzen, ob das Problem am Endgerät, am Netzwerk oder beim Anbieter liegt. Störungsmeldungen veröffentlichen Anbieter auf ihren Seiten.
Bleibt die Störung bestehen, ist eine schriftliche Meldung sinnvoll, weil sie den Beginn dokumentiert. Bei längeren Ausfällen kommt eine Minderung des Entgelts in Betracht. Verbraucherzentralen beraten dazu.
Bei dauerhaft zu langsamer Leitung greift zusätzlich das Telekommunikationsrecht: Wer deutlich weniger Bandbreite erhält als vertraglich zugesagt, kann das Entgelt mindern oder kündigen. Für den Nachweis gibt es ein amtliches Messverfahren. Die Bundesnetzagentur stellt es bereit.
Häufige Fragen
Brauche ich einen Kabelanschluss?
Nein. Genau darin liegt der Zweck: Der Kabelvertrag kann gekündigt werden.
Ersetzt es die Rundfunkgebühr?
Nein. Der Rundfunkbeitrag ist unabhängig vom Empfangsweg und wird pro Wohnung erhoben.
Läuft es auf jedem Fernseher?
Auf Smart-TVs mit passender App direkt, auf älteren Geräten über einen Stick am HDMI-Anschluss.
Wie viele Geräte gleichzeitig?
Das hängt vom Tarif ab, üblich sind ein bis vier parallele Streams.
Wie viel Bandbreite ist nötig?
Für HD sechs bis zehn Megabit je Stream.
Warum ist Kabelfernsehen aus der Nebenkostenabrechnung verschwunden?
Die Umlage über Betriebskosten ist 2024 entfallen.
Wo liegen die Aufnahmen?
In der Cloud des Anbieters, nicht auf einem Gerät.
Quellen
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