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Kurz gesagt: Mit einer Anleihe leiht man einem Staat oder Unternehmen Geld. Man erhält dafür regelmäßig Zinsen – den Kupon – und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Der entscheidende Zusammenhang: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen – und umgekehrt.
Wer eine Anleihe bis zum Ende hält, bekommt seinen Nennwert. Wer vorher verkauft, bekommt den Kurs.
Die Bestandteile
Nennwert. Der Betrag, der am Ende zurückgezahlt wird – meist 100 Euro oder ein Vielfaches.
Kupon. Der jährliche Zins in Prozent des Nennwerts. Er ist bei der Ausgabe festgelegt und ändert sich nicht.
Laufzeit. Von wenigen Monaten bis zu 30 Jahren und mehr.
Emittent. Wer die Anleihe ausgibt – Staat, Bundesland, Bank oder Unternehmen.
Kurs. Der aktuelle Preis an der Börse, angegeben in Prozent des Nennwerts. 98 Prozent heißt: unter Nennwert.
Der Zusammenhang von Zins und Kurs
Das ist der Kern, an dem die meisten scheitern.
Angenommen, man hält eine Anleihe mit 2 Prozent Kupon. Steigen die Marktzinsen auf 4 Prozent, gibt es neue Anleihen mit 4 Prozent. Niemand zahlt für die alte noch den vollen Preis – ihr Kurs fällt so weit, bis die Rendite wieder marktüblich ist.
Umgekehrt steigt der Kurs, wenn die Marktzinsen sinken.
Je länger die Restlaufzeit, desto stärker die Kursbewegung. Eine 30-jährige Anleihe reagiert vielfach stärker als eine zweijährige.
Die Rendite
Der Kupon allein sagt wenig. Maßgeblich ist die Rendite: Sie berücksichtigt Kaufkurs, Kupon und Rückzahlung zum Nennwert.
Wer eine Anleihe unter Nennwert kauft, hat eine höhere Rendite als der Kupon; wer über Nennwert kauft, eine niedrigere.
Die Risiken
Zinsänderungsrisiko. Kursverluste bei steigenden Zinsen – relevant nur, wenn man vorzeitig verkauft.
Ausfallrisiko. Der Emittent zahlt nicht zurück. Ratingagenturen bewerten das mit Noten von AAA abwärts. Höhere Zinsen bedeuten immer höheres Risiko.
Inflationsrisiko. Bei fester Verzinsung frisst die Inflation die Kaufkraft der Zahlungen.
Währungsrisiko bei Anleihen in Fremdwährung.
Anleihe oder Aktie
Als Anleihegläubiger ist man Gläubiger, als Aktionär Miteigentümer. Im Insolvenzfall werden Gläubiger vor Aktionären bedient – deshalb gelten Anleihen als sicherer, bieten aber langfristig geringere Erträge.
Wer Anleihen ausgibt
Emittenten sind Staaten, Länder und Kommunen, Banken sowie Unternehmen. In Deutschland gibt der Bund über die Finanzagentur Bundeswertpapiere aus, die als besonders sicher gelten. Unternehmensanleihen bieten höhere Zinsen und tragen ein höheres Ausfallrisiko.
Der Zins richtet sich vor allem nach der Bonität des Schuldners und nach der Laufzeit. Ratingagenturen bewerten diese Bonität mit Buchstabencodes. Diese Einstufungen sind Meinungen, keine Garantien.
Anleihen unterhalb einer bestimmten Einstufung werden als Hochzinsanleihen bezeichnet. Sie versprechen deutlich mehr Zins, fallen aber häufiger aus. Für Privatanleger sind sie kein Ersatz für ein Sparbuch.
Wie eine Anleihe abgewickelt wird
Gekauft wird über die Börse oder außerbörslich über die Bank. Der Kurs wird in Prozent des Nennwerts angegeben, hundert Prozent entsprechen dem Nennwert. Dazu kommen aufgelaufene Stückzinsen seit der letzten Zinszahlung.
Die Mindeststückelung ist bei vielen Unternehmensanleihen hoch, oft 100.000 Euro. Diese Grenze schließt Privatanleger faktisch aus. Bundeswertpapiere sind dagegen in kleinen Stückelungen handelbar.
Am Ende der Laufzeit zahlt der Emittent den Nennwert zurück. Bis dahin ist ein Verkauf jederzeit zum aktuellen Kurs möglich. Dann kann der Erlös über oder unter dem Einstand liegen.
Was Anleihefonds ändern
Ein Fonds hält viele Anleihen gleichzeitig und verteilt damit das Ausfallrisiko. Dafür gibt es keinen festen Rückzahlungstermin, weil laufend gekauft und verkauft wird. Der Anteilswert schwankt entsprechend dauerhaft.
Das erklärt, warum Anleihefonds bei steigenden Zinsen deutlich verlieren können, während eine einzelne gehaltene Anleihe am Ende zum Nennwert zurückgezahlt wird. Beide Wege haben Vor- und Nachteile. Sie sind nicht dasselbe.
Dieser Text ist keine Anlageberatung, sondern eine Beschreibung allgemeiner Zusammenhänge. Wer investiert, sollte die Bedingungen der einzelnen Anleihe lesen. Sie stehen im Wertpapierprospekt.
Wie die Zinswende gewirkt hat
Nach Jahren mit sehr niedrigen Zinsen hob die Europäische Zentralbank ab 2022 die Leitzinsen deutlich an. Bestehende Anleihen mit niedrigem Kupon verloren dadurch an Kurswert, weil neue Papiere mehr Zins boten. Anleger, die vor Fälligkeit verkauften, erlitten Verluste.
Wer die Papiere bis zum Ende hielt, bekam dagegen den Nennwert zurück. Der Buchverlust war dann vorübergehend. Genau dieser Unterschied wird häufig übersehen.
Für Neuanlagen bedeutete die Zinswende, dass Anleihen erstmals seit Langem wieder nennenswerte laufende Erträge boten. Das gilt besonders für kurze Laufzeiten. Die Kursrisiken sind dort geringer.
Wie man Anleihen vergleicht
Vergleichbar sind Anleihen über die Rendite bis zur Fälligkeit, die Kupon, Kurs und Restlaufzeit zusammenfasst. Sie ist die einzige Kennzahl, die alle drei berücksichtigt. Ein hoher Kupon allein sagt nichts.
Zusätzlich zu beachten sind Währungsrisiko bei Papieren außerhalb des Euroraums und die Handelbarkeit. Selten gehandelte Anleihen lassen sich nur mit Abschlag verkaufen. Diese Spanne steht nicht im Prospekt.
Wie Anleihen besteuert werden
Zinsen und Kursgewinne unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von fünfundzwanzig Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Bank führt sie in der Regel automatisch ab. Bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags bleiben Erträge steuerfrei, sofern ein Freistellungsauftrag vorliegt.
Anders als bei Aktien dürfen Verluste aus Anleihen mit allen Kapitalerträgen verrechnet werden. Diese Ungleichbehandlung überrascht viele Anleger. Sie ist im Einkommensteuergesetz geregelt.
Bei ausländischen Papieren kann zusätzlich Quellensteuer anfallen, die teilweise angerechnet wird. Die Einzelheiten hängen vom Doppelbesteuerungsabkommen ab. Die Bank weist das in der Abrechnung aus.
Häufige Fragen
Was passiert am Laufzeitende?
Der Nennwert wird zurückgezahlt, unabhängig vom Kursverlauf davor.
Kann man Anleihen jederzeit verkaufen?
An der Börse ja, zum aktuellen Kurs.
Was sind Bundesanleihen?
Anleihen der Bundesrepublik Deutschland – sie gelten als sehr sicher und dienen als Referenz für den Markt.
Wie werden Erträge besteuert?
Zinsen und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer.
Quellen
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