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Kurzantwort: Erste Hilfe am Hund heißt: Ruhe bewahren, auf Eigenschutz achten, Vitalwerte prüfen und schnellstmöglich in die Tierarztpraxis fahren. Normal sind 38,0 bis 39,0 Grad Körpertemperatur und rosa, feuchte Schleimhäute. Bei Magendrehung, Hitzschlag und Vergiftung zählt jede Minute.
Die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat für Hundehalter eine Anleitung zusammengestellt. Die Zahlen und Handgriffe in diesem Artikel stammen daraus.
Zwei Dinge stehen vor allem anderen. Erstens: Auch der freundlichste Hund kann bei starken Schmerzen schnappen. Zweitens: Erste Hilfe überbrückt die Zeit bis zur Praxis, sie ersetzt keine Behandlung.
Wer die Normalwerte seines Hundes einmal in Ruhe misst, erkennt im Notfall schneller, dass etwas nicht stimmt.
Vitalwerte: was beim Hund normal ist
Vier Werte lassen sich ohne Geräte prüfen. Übe sie an einem entspannten Nachmittag, nicht zum ersten Mal im Notfall.
- Atmung: nicht hechelnd 20 bis 50 Atemzüge pro Minute bei kleinen Hunden, 10 bis 30 bei großen
- Puls: 80 bis 120 Schläge pro Minute bei kleinen Hunden, 60 bis 80 bei großen — mittig an der Innenseite des Oberschenkels tasten
- Schleimhaut: rosa, feucht, glänzend. Drückst du mit dem Finger auf das Zahnfleisch, muss die weiße Stelle nach zwei Sekunden wieder rosa sein
- Temperatur: 38,0 bis 39,0 Grad Celsius, rektal gemessen
Blasse, graue oder trockene Schleimhäute sind ein Alarmzeichen. Dasselbe gilt, wenn die Druckstelle länger als zwei Sekunden weiß bleibt.
Auch nach einem kleinen Unfall ohne sichtbare Verletzung lohnt der Blick über 48 Stunden. In die Praxis gehört der Hund, wenn er erbricht, Durchfall bekommt, den Appetit verliert, schwankend läuft, ungleich große Pupillen hat, verfärbten oder gar keinen Urin absetzt.
Eigenschutz zuerst
Ein Hund im Schock beißt aus Reflex, nicht aus Bosheit. Nähere dich ruhig und von vorne, sprich leise, greife nicht hektisch nach dem Kopf.
Bei einer Rauferei gehört keine Hand dazwischen. Ineinander verbissene Hunde lassen sich mit Leinenzug schlecht trennen, ein Hilfsmittel funktioniert besser: eine Jacke, ein Brett, ein Wasserstrahl.
Eine Maulschlinge kann dich schützen. Sie hat aber Tabus: nicht bei Atemnot, nicht bei Erbrechen, nicht bei Verdacht auf einen Fremdkörper im Rachen und nicht bei kurznasigen Rassen.
Wiederbelebung beim Hund
Prüfe zuerst, ob der Hund auf Ansprache reagiert und ob das Herz schlägt. Den Herzschlag erfühlst du an der linken Brustwandseite auf Höhe des Ellbogens.
Ohne Herzschlag legst du den Hund in rechte Seitenlage. Mit beiden Händen hinter dem Ellbogen beginnst du die Herzmassage, der Brustkorb wird dabei etwa ein Drittel eingedrückt. Das Tempo liegt bei 120 Kompressionen pro Minute — der Rhythmus von „Stayin’ Alive“ passt.
Atmet der Hund nicht, folgt die Mund-zu-Nase-Beatmung: Maul zuhalten, Nase mit den Lippen abdichten, alle fünf Sekunden beatmen, bis sich der Brustkorb hebt. Zu zweit teilt ihr euch die Aufgaben. Allein machst du 30 Kompressionen und dann zwei Beatmungen.
Weitermachen, bis das Herz wieder schlägt. Die Tierärztliche Hochschule weist darauf hin, dass ein Versuch auch nach 30 Minuten noch erfolgreich sein kann. Parallel geht es in die Klinik.
Blutungen, Wunden und Brüche
Kleine blutende Wunden reinigst du und deckst sie mit einem sauberen Tuch ab. Bei großflächigen, starken Blutungen legst du einen Druckverband an und fährst sofort los.
Eingespießte Gegenstände bleiben stecken. Ziehst du sie heraus, drohen stärkere Blutungen. Bei Bedarf kürzt du sie, mehr nicht. Treten Eingeweide aus, deckst du sie mit einem sauberen, feuchten Tuch ab.
Bei Verdacht auf einen Knochenbruch — Lahmheit, Schwellung, Schmerz — kannst du mit Stöcken oder Latten schienen. Offene Stellen kommen unter feuchte, saubere Tücher.
Jede Bissverletzung durch einen anderen Hund gehört in die Praxis. Hundespeichel ist stark keimbelastet, und das Ausmaß der Schäden unter der Haut lässt sich von außen nicht beurteilen.
Hitzschlag und Magendrehung
Hunde schwitzen kaum und kühlen sich über das Hecheln. Im Auto, bei Anstrengung in der Sommerhitze oder bei kurznasigen Rassen kippt das schnell. Anzeichen sind ausgeprägtes Hecheln, Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Kollaps.
Bring den Hund an einen kühlen Ort und kühle ihn langsam herunter: nasse Tücher auf die Pfoten, Fell mit lauwarmem Wasser befeuchten. Ist er ansprechbar, biete Wasser an. Danach sofort zur Tierärztin, es besteht Lebensgefahr.
Die Magendrehung trifft vor allem große Hunde. Typisch sind ein aufgeblähter, tonnenförmiger Bauch, Würgen ohne Erbrechen, schleimig-schaumiger Auswurf, hohe Atemfrequenz und schwacher Puls. Das ist ein chirurgischer Notfall, hier hilft nur die nächstgelegene Klinik.
Vergiftungen: was gefährlich ist
Bei beobachteter Giftaufnahme fährst du sofort los und nimmst Rest oder Verpackung mit. Auskunft zu Giften gibt das Giftinformationszentrum-Nord unter +49 551 192-40.
Diese Stoffe nennt die Tierärztliche Hochschule Hannover ausdrücklich:
- Schokolade: Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Übererregbarkeit
- Zwiebeln roh oder gekocht: blasse bis gelbliche Schleimhäute, blutiger Urin
- Weintrauben und Rosinen: Nierenversagen, bei kleinen Hunden reichen ein bis zwei Trauben
- Macadamia-Nüsse: Schwäche, Muskelzittern, Gangstörungen
- Xylit in Kaugummi und Diätprodukten: Krämpfe durch Unterzuckerung
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol: blutiges Erbrechen, Krampfanfälle
- Frostschutzmittel, Rattengift, Schneckenkorn
Häufige Fragen
Wann muss ich sofort in die Klinik?
Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Blutungen, Verdacht auf Magendrehung, Hitzschlag oder Vergiftung. Ruf vorher an, damit das Team vorbereitet ist.
Soll ich meinen Hund zum Erbrechen bringen?
Nicht auf eigene Faust. Bei ätzenden Stoffen richtet Erbrechen zusätzlichen Schaden an. Diese Entscheidung trifft die Tierärztin.
Was gehört in eine Notfallapotheke für den Hund?
Verbandmaterial, saubere Tücher, Fieberthermometer, Pinzette, Zeckenzange, Einmalhandschuhe, Rettungsdecke und eine Liste mit Telefonnummern.
Wie erkenne ich einen Schock?
Blasse Schleimhäute, verlängerte Rückfüllzeit über zwei Sekunden, schneller schwacher Puls, Teilnahmslosigkeit, kalte Pfoten.
Lohnt sich ein Erste-Hilfe-Kurs für Hundehalter?
Ja. Tierarztpraxen, Kliniken und Hundeschulen bieten solche Kurse an. Die Handgriffe einmal geübt zu haben, macht im Ernstfall den Unterschied.
Wie transportiere ich einen verletzten Hund?
Große Hunde auf einer Decke als Trage, zu zweit. Kleine Hunde in einer Box. Bei Hitzschlag Fell anfeuchten und Kühlung im Auto auf höchste Stufe.
Quellen
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Erste Hilfe für Ihren Hund (PDF)
- TiHo Hannover, Klinik für Kleintiere
- Giftinformationszentrum-Nord der Universitätsmedizin Göttingen
Das passt dazu
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Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.






