Orthodoxes Weihnachtsfest: Termin, Kalender und Bräuche

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 6 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Das orthodoxe Weihnachtsfest fällt in vielen Kirchen auf den 7. Januar. Grund ist der julianische Kalender, der dem gregorianischen um 13 Tage hinterherläuft. Andere orthodoxe Kirchen feiern längst am 25. Dezember, denn sie haben den Kalender angepasst.

Kurzantwort: Orthodoxe Kirchen mit altem julianischem Kalender feiern am 25. Dezember julianisch, das ist der 7. Januar gregorianisch. Kirchen mit neujulianischem Kalender feiern am 25. Dezember wie der Westen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Altkalendarier feiern am 7. Januar, Neukalendarier am 25. Dezember.
  • Zwischen beiden Kalendern liegen von 1900 bis 2100 genau 13 Tage.
  • Das Weihnachtsfasten dauert 40 Tage, Fisch ist erlaubt.
  • Die Ukraine wechselte 2023 zum 25. Dezember.

Warum gibt es zwei Termine für das orthodoxe Weihnachtsfest?

Die Ursache liegt in der Kalenderreform von 1582. Damals ließ Papst Gregor XIII. den julianischen Kalender korrigieren. Das julianische Jahr ist um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Über Jahrhunderte summierte sich der Fehler, und schon im 14. Jahrhundert betrug er mehr als sieben Tage.

Die katholische Kirche übernahm die Reform zuerst, die protestantischen Kirchen folgten später. Die orthodoxen Kirchen zogen nicht mit. Bis heute nutzen einige von ihnen den alten Kalender für alle festen Feiertage. Weihnachten bleibt dort der 25. Dezember, nur eben nach julianischer Zählung.

Julianischer Kalender: Warum der 25. Dezember auf den 7. Januar fällt

Seit März 1900 und noch bis zum 28. Februar 2100 beträgt der Abstand 13 Tage. Wenn der gregorianische Kalender den 7. Januar zeigt, steht der julianische erst beim 25. Dezember. Wer also einen festen Termin nach altem Stil feiert, landet im modernen Kalender 13 Tage später.

Das gilt für alle festen Feste, etwa Weihnachten, Epiphanias oder Mariä Entschlafung. Nur die beweglichen Feste rund um Ostern folgen einer eigenen Regel, auf die weiter unten ein Blick lohnt.

Welche orthodoxen Kirchen feiern wann Weihnachten?

Die Orthodoxie ist bei diesem Thema gespalten. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Kirchen mit ihrem Kalender und dem Weihnachtstermin nach gregorianischer Zählung.

Kirche Kalender Weihnachten
Russisch-Orthodoxe Kirche julianisch 7. Januar
Serbisch-Orthodoxe Kirche julianisch 7. Januar
Georgische Orthodoxe Kirche julianisch 7. Januar
Kirche von Griechenland neujulianisch 25. Dezember
Rumänisch-Orthodoxe Kirche neujulianisch 25. Dezember
Bulgarisch-Orthodoxe Kirche neujulianisch 25. Dezember
Orthodoxe Kirche der Ukraine neujulianisch seit 2023 25. Dezember

Eine Ausnahme bilden die Klöster auf dem Berg Athos. Sie bleiben trotz der griechischen Kirche beim julianischen Kalender. Die Orthodoxe Kirche Finnlands führte den gregorianischen Kalender bereits 1921 ein.

Neujulianischer Kalender: Der Kompromiss von 1923

Auf einem gesamtorthodoxen Kongress in Konstantinopel wurde 1923 ein neuer Kalender beschlossen. Entwickelt hatte ihn der serbische Geophysiker Milutin Milanković. Zum Start übersprang man 13 Tage, konkret vom 9. auf den 23. März 1924.

Der Milanković-Kalender ist etwas genauer als der gregorianische. Beide laufen bis zum Jahr 2800 parallel. Die russische Kirche konnte wegen der politischen Lage nach der Oktoberrevolution nicht am Kongress teilnehmen und blieb beim alten Kalender. Später zogen einige Kirchen ihre Zustimmung zurück, zum Beispiel die serbische und die jerusalemitische.

Kurzantwort: Ostern feiern alle orthodoxen Kirchen am selben Tag. Sie berechnen den Termin nach dem julianischen Kalender, damit die Gemeinschaft gewahrt bleibt.

Ukraine und der Wechsel zum 25. Dezember

Die Orthodoxe Kirche der Ukraine führte 2023 den neujulianischen Kalender ein. Katholisch.de berichtete im Mai 2023 über den Beschluss. Seitdem feiert sie das Weihnachtsfest wie viele Kirchen im Westen am 25. Dezember. Damit rückte sie von der russischen Kirche ab, die weiter am 7. Januar festhält.

Weihnachtsfasten und Gottesdienst: So läuft das orthodoxe Fest ab

Das Fasten vor Weihnachten beginnt bei den Orthodoxen 40 Tage vor dem Fest. Es fällt milder aus als vor Ostern, denn Fisch darf auf den Tisch. Ab dem 17. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt am 24. Dezember. Eine liturgische Adventszeit wie im Westen kennt die orthodoxe Tradition nicht.

Am Vorabend feiert die Gemeinde die Vesper mit acht Schriftlesungen. Sie deuten alle auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen hin. Danach folgt die Basilius-Liturgie. Die große Komplet geht in den Frühgottesdienst über, beide zusammen bilden die Nachtwache. Bei der Matutin singt die Gemeinde den Kanon „Christus ist geboren“ und betet vor der Ikone der Geburt Jesu.

Weihnachtsbräuche in der Ostkirche: Was sich vom Westen unterscheidet

Der Gottesdienst steht im Mittelpunkt, Geschenkeberge spielen eine kleinere Rolle. Viele Familien besuchen die lange Liturgie und essen erst danach das festliche Mahl, weil das Fasten bis dahin gilt. Wer westliche Bräuche vergleichen möchte, findet Anregungen etwa bei haltbaren Tannenzweigen für den Advent oder bei einer Wichteltür für Kinder.

Wo orthodoxe und westliche Familien zusammenleben, feiern manche beide Termine. Für Taufpaten hilft ein Blick auf die Frage, ob eine Patentante ohne Taufe möglich ist.

Weihnachten am 6. Januar: Der armenische Sonderweg

Die Armenische Apostolische Kirche hält am umfassenden Fest Epiphanias fest. Geburt und Taufe Jesu werden dort am 6. Januar gefeiert. Weil die Kirche nach julianischem Kalender rechnet, fällt dieser Tag nach gregorianischer Zählung auf den 19. Januar.

Fazit

Das orthodoxe Weihnachtsfest hat keinen einheitlichen Termin. Wer nach dem julianischen Kalender lebt, feiert am 7. Januar. Wer den neujulianischen Kalender nutzt, feiert am 25. Dezember. Der Unterschied liegt am Kalender, der Glaube hinter dem Fest ist derselbe. Wer Verwandte oder Nachbarn aus der Ostkirche hat, kann mit einem Glückwunsch zum 7. Januar viel Freude machen. Kleine Aufmerksamkeiten wie ein gefüllter Geschenkkorb passen zu beiden Terminen.

FAQ – Häufige Fragen

Wann ist das orthodoxe Weihnachtsfest?

In vielen orthodoxen Kirchen fällt es auf den 7. Januar nach dem gregorianischen Kalender. Kirchen mit neujulianischem Kalender feiern wie der Westen am 25. Dezember.

Warum feiern Orthodoxe Weihnachten am 7. Januar?

Diese Kirchen nutzen für feste Feiertage weiter den julianischen Kalender. Er liegt seit 1900 dreizehn Tage hinter dem gregorianischen zurück, deshalb wandert der 25. Dezember auf den 7. Januar.

Feiern alle orthodoxen Christen am 7. Januar?

Nein. Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Zypern und seit 2023 die Orthodoxe Kirche der Ukraine feiern am 25. Dezember. Russland, Serbien, Georgien und Belarus bleiben beim 7. Januar.

Welche Kirchen halten am julianischen Kalender fest?

Dazu zählen die russische, serbische, georgische, belarussische und jerusalemitische Kirche. Auch der Berg Athos und die äthiopisch-orthodoxe Kirche rechnen nach dem alten Kalender.

Was ist der Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender?

Das julianische Jahr ist um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Papst Gregor XIII. korrigierte das 1582. Die Abweichung summierte sich bis 1900 auf 13 Tage.

Wie lange fasten orthodoxe Christen vor Weihnachten?

Das Weihnachtsfasten beginnt 40 Tage vor dem Fest. Fisch ist erlaubt. Ab dem 17. Dezember gelten strengere Regeln, am 24. Dezember erreicht das Fasten seinen Höhepunkt.

Was ist der neujulianische Kalender?

Der serbische Mathematiker Milutin Milanković entwickelte ihn 1923. Er stimmt mit dem gregorianischen Kalender bis zum Jahr 2800 überein und gilt in Griechenland, Rumänien und Bulgarien.

Wann feiert die Armenische Apostolische Kirche Weihnachten?

Sie feiert Geburt und Taufe Jesu gemeinsam am 6. Januar. Nach ihrem julianischen Kalender entspricht das dem 19. Januar des gregorianischen Kalenders.

Gibt es im orthodoxen Kirchenjahr eine Adventszeit?

Nein. Es gibt das Weihnachtsfasten, aber keine liturgische Adventszeit im westlichen Sinn. Die Liturgie nimmt in dieser Zeit schrittweise weihnachtliche Motive auf.

Ändert sich der 7. Januar irgendwann?

Bis Ende Februar 2100 bleibt der Abstand bei 13 Tagen. Danach wächst er auf 14 Tage, und der julianische 25. Dezember rutscht auf den 8. Januar.

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Quellen

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