Wer hat die Pommes erfunden? Belgien oder Frankreich

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Wer die Pommes erfunden hat, ist nicht eindeutig geklärt. Belgien beruft sich auf ein Dokument von 1781 aus dem Maastal. Dessen Echtheit ist aber umstritten. Der belgische Ernährungshistoriker Pierre Leclercq sieht den Ursprung in Paris, wo frittierte Kartoffeln ab etwa 1830 populär wurden. Eine einzelne Erfinderin oder einen Erfinder kennt die Geschichte nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Belgien und Frankreich beanspruchen die Pommes beide für sich.
  • Das belgische Dokument von 1781 gilt als umstritten.
  • Die heutige Stäbchenform setzte sich wohl erst im frühen 20. Jahrhundert durch.
  • Belgiens Frittenbuden-Kultur zählt in Flandern seit 2014 zum immateriellen Kulturerbe.

Wer hat die Pommes erfunden? Die belgische Version

Die Belgier erzählen eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert. Sie stützt sich auf ein Schriftstück, das angeblich aus dem Jahr 1781 stammt. Danach fischten die Menschen in Namur, Huy und Dinant in der Maas. Den Fang frittierten sie, vor allem die Armen. Waren die Flüsse im Winter zugefroren, schnitten sie Kartoffeln in Fischform und frittierten diese stattdessen. Die Gewohnheit sei damals schon über hundert Jahre alt gewesen.

Das würde auf die Zeit um 1680 deuten. Daran gibt es Zweifel. Die Echtheit des Dokuments ist umstritten. Kartoffeln sind im Umland der Maas erst ab 1709 belegt. Eine Fritten-Tradition um 1680 wäre damit kaum möglich.

Kurzantwort: Belgien verweist auf frittierte Kartoffeln im Maastal um 1680. Die Quelle dafür ist umstritten, weil Kartoffeln dort erst ab 1709 nachweisbar sind.

Die französische Version: Paris als Ursprung

Ausgerechnet ein Belgier widerspricht der belgischen Legende. Pierre Leclercq, Experte für Ernährungsgeschichte, verortet den Ursprung in Paris. Dort wurden frittierte Kartoffeln nach 1830 und 1840 populär. Straßenhändler und Jahrmärkte boten sie an.

Leclercq erzählte im Deutschlandfunk auch von einem Bayern. Der Mann hatte in Paris kochen gelernt. 1838 verkaufte er in Lüttich auf dem Jahrmarkt als einer der Ersten Fritten. Er nannte sich Monsieur Fritz und galt als Pommes-König.

Warum verbindet man die Pommes trotzdem mit Belgien? Leclercq erklärt es so: Im 20. Jahrhundert verschwanden die Frittenstände nach und nach aus dem Pariser Straßenbild. In Nordfrankreich und Belgien blieben sie beliebt. Ab den 1970er-Jahren spotteten Franzosen über die Belgier als Frittenesser. Die Belgier nahmen das Erbe schließlich an und beanspruchten sogar die Erfindung.

Was „Pommes frites“ früher bedeutete

Ein Teil des Streits liegt am Begriff. Im 18. und 19. Jahrhundert meinte „pommes de terre frites“ oft etwas anderes. Historische Rezepte beschreiben Kartoffelscheiben oder Bällchen aus Püree. Oft wurden sie in Fett gebraten und gar nicht frittiert.

Die Kochbuchautorin Henriette Davidis beschrieb 1845 „Pommes frites oder roh gebratene Kartoffeln“. Sie schnitt die Kartoffeln walnussgroß oder in Streifen und briet sie in reichlich Butter. Das ähnelt eher Bratkartoffeln. Die schmale Stäbchenform kam nach Leclercq wohl erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Wer sie zuerst nutzte, lässt sich nicht mehr sagen.

Warum Pommes so spät zum Massensnack wurden

Frittieren braucht viel Fett. Speisefett war lange teuer. Im frühen 19. Jahrhundert leisteten sich tiefes Frittieren vor allem Restaurants und reiche Haushalte. Erst neue Quellen für günstiges Fett änderten das. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Pommes an Straßenbuden und auf Jahrmärkten. Zum Alltagssnack wurden sie frühestens in den 1930er-Jahren, richtig verbreitet ab den 1950er-Jahren.

Woher der Name „French Fries“ kommt

Im Englischen heißen Pommes in Nordamerika „French Fries“. Laut Wikipedia wurden sie in den USA nach dem Ersten Weltkrieg bekannt. Amerikanische Soldaten hatten sie bei französischsprachigen belgischen Truppen kennengelernt. Der Name verweist damit auf die Sprache dieser Truppen. In Großbritannien heißen sie „chips“.

Belgien und seine Frittenbuden heute

Fakt Wert
Frittenbuden in Belgien über 5.000
Einwohner je Frittenbude rund 2.200
Kulturerbe in Flandern seit 2014
Antrag bei der UNESCO 2021 durch den Verband der Frittenbuden
Klassisches Fett Rinderfett

Typisch belgisch ist das doppelte Frittieren. Zuerst garen die Kartoffelstäbchen bei etwa 130 Grad sechs bis acht Minuten vor. Nach einer Pause folgen zwei bis drei Minuten bei rund 175 Grad. So werden die Fritten außen knusprig und innen weich. In Brügge widmet sich sogar ein eigenes Museum der Geschichte von Kartoffel und Fritte.

Kurzantwort: Erfunden haben die Belgier die Pommes wohl nicht. Sie haben die Fritten aber zur Kultur gemacht, mit über 5.000 Frittenbuden und doppeltem Frittieren.

Pommes in Deutschland

In Deutschland gehören Pommes zu den beliebtesten Tiefkühlprodukten. 2022 lag der Absatz bei rund 350.000 Tonnen. Serviert werden sie meist als Beilage zu Bratwurst, Schnitzel oder Fisch. Im Ruhrgebiet heißt die Portion mit Ketchup und Mayonnaise „Pommes Schranke“, nach den rot-weißen Bahnschranken.

Fazit

Wer die Pommes erfunden hat, bleibt offen. Das belgische Dokument von 1781 ist umstritten, der Historiker Pierre Leclercq sieht den Ursprung in Paris nach 1830. Die heutige Stäbchenform entstand wohl erst um 1900. Belgien hat die Fritten dafür zur Kultur gemacht, mit Tausenden Buden und eigenem Museum.

FAQ – Häufige Fragen

Kommen Pommes aus Belgien oder Frankreich?

Das ist umstritten. Viel spricht für Paris, Belgien hat die Fritten aber am stärksten geprägt.

Wer gilt als Erfinder der Pommes?

Eine einzelne Person ist nicht bekannt. Frittierte Kartoffeln entstanden wohl an mehreren Orten.

Was steht im belgischen Dokument von 1781?

Dass Menschen an der Maas im Winter Kartoffeln in Fischform frittierten.

Warum ist das Dokument umstritten?

Seine Echtheit ist zweifelhaft. Zudem sind Kartoffeln dort erst ab 1709 belegt.

Wer war Monsieur Fritz?

Ein Bayer, der 1838 in Lüttich auf dem Jahrmarkt Fritten verkaufte.

Seit wann gibt es Pommes in Stäbchenform?

Vermutlich seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Warum heißen Pommes auf Englisch French Fries?

US-Soldaten lernten sie im Ersten Weltkrieg bei französischsprachigen belgischen Truppen kennen.

Was heißt „Pommes frites“ übersetzt?

Frittierte Kartoffeln, kurz für „pommes de terre frites“.

Wie viele Frittenbuden gibt es in Belgien?

Über 5.000, also etwa eine je 2.200 Einwohner.

Sind belgische Fritten Kulturerbe?

In Flandern seit 2014. Ein Antrag bei der UNESCO wurde 2021 gestellt.

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Quellen

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