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Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Die postmoderne Architektur ist ein Baustil, der in den 1960er-Jahren in den USA entstand und in den 1980er-Jahren seinen Höhepunkt erreichte. Sie wendet sich gegen die strenge, schmucklose Moderne. Typisch sind historische Zitate wie Säulen und Giebel, kräftige Farben, Ornamente und ein Augenzwinkern. Bekannte Beispiele sind die Neue Staatsgalerie in Stuttgart und das Portland Building in den USA.
Das Wichtigste in Kürze
- Zeitraum: 1960er-Jahre bis Mitte der 1990er-Jahre
- Leitsatz: „Less is a bore“ statt „Less is more“
- Merkmale: Zitate aus der Geschichte, Farbe, Ornament, Ironie
- Wichtige Bauten: Staatsgalerie Stuttgart, Portland Building, Piazza d’Italia
Was ist Postmodernismus in der Architektur?
Der Begriff beschreibt eine Gegenbewegung zur Moderne. Die Moderne setzte auf Funktion, Glas, Stahl und Beton. Ihr Leitspruch stammt von Ludwig Mies van der Rohe: „Less is more“, weniger ist mehr. Viele Städte füllten sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit ähnlichen Rasterbauten. Kritiker fanden sie kalt und austauschbar.
Die Postmoderne antwortete darauf mit Vielfalt. Die deutsche Wikipedia fasst den Wandel so zusammen: Aus „form follows function“ wurde „form follows fiction“. Gebäude sollten wieder Geschichten erzählen und sich in ihre Umgebung einfügen. Tradition galt als Baukasten, aus dem sich Architekten frei bedienen durften.
Kurzantwort: Postmoderne Architektur ist ein Baustil der 1960er- bis 1990er-Jahre. Sie verbindet moderne Technik mit historischen Formen, Farbe und Humor.
Die Vordenker: Venturi und Jencks
Der US-Architekt Robert Venturi gilt als wichtigster Wegbereiter. 1966 erschien sein Buch „Complexity and Contradiction in Architecture“. Darin kritisierte er die Symbolarmut der Moderne. Auf Mies van der Rohes Satz antwortete er mit dem berühmten „Less is a bore“, weniger ist langweilig. 1972 folgte „Learning from Las Vegas“. Das Buch nahm die bunten Schilder und Fassaden des Strips ernst.
Der Theoretiker Charles Jencks machte den Begriff populär. In „The Language of Post-Modern Architecture“ von 1977 erklärte er die moderne Architektur für tot. Als symbolisches Datum nannte er 1972. Damals wurde die Wohnsiedlung Pruitt-Igoe in St. Louis gesprengt. Sie galt als gescheitertes Vorzeigeprojekt der Moderne.
Merkmale der postmodernen Architektur
Die Postmoderne hat keinen einheitlichen Stil. Einige Merkmale tauchen aber immer wieder auf:
- Historische Zitate: Säulen, Giebel, Bögen und Tempelfronten, oft vereinfacht oder übergroß.
- Farbe: kräftige Töne wie Rosa, Türkis, Gelb und Terrakotta.
- Ornament: Schmuck ohne Funktion, der bewusst gesetzt wird.
- Ironie und Witz: Bauteile, die mit Erwartungen spielen.
- Symbole: Fassaden, die etwas bedeuten sollen, ähnlich wie Symbole im Alltag.
- Collage: Stile verschiedener Epochen an einem Gebäude.
- Bezug zum Ort: Anknüpfen an die Formen der Nachbarschaft.
Wie bei anderen Kunstrichtungen lohnt ein Vergleich. Der Expressionismus setzte auf Gefühl und Ausdruck. Die Postmoderne setzt auf Zitat und Spiel.
Moderne und Postmoderne im Vergleich
| Merkmal | Moderne | Postmoderne |
|---|---|---|
| Leitsatz | Less is more | Less is a bore |
| Form | folgt der Funktion | folgt der Erzählung |
| Schmuck | abgelehnt | bewusst eingesetzt |
| Farbe | Weiß, Grau, Materialfarben | kräftig und bunt |
| Geschichte | überwinden | zitieren |
| Wirkung | sachlich, universell | verspielt, ortsbezogen |
Wer die Farbwelt vergleichen will: Die Moderne arbeitete mit Tönen, wie sie heute als gedeckte Farben in der Mode beliebt sind. Die Postmoderne setzte bewusst auf das Gegenteil.
Bekannte Beispiele
| Bauwerk | Architekt | Ort | Jahr |
|---|---|---|---|
| Vanna Venturi House | Robert Venturi | Philadelphia (USA) | 1964 |
| Piazza d’Italia | Charles Moore | New Orleans (USA) | 1978 |
| Museum Abteiberg | Hans Hollein | Mönchengladbach | 1982 |
| Portland Building | Michael Graves | Portland (USA) | 1982 |
| Neue Staatsgalerie | James Stirling | Stuttgart | 1984 |
| AT and T Building (heute 550 Madison) | Philip Johnson | New York (USA) | 1984 |
Das Vanna Venturi House ist ein Wohnhaus für die Mutter des Architekten. Der gebrochene Giebel zitiert klassische Formen und wirkt zugleich wie eine Kinderzeichnung. Die Piazza d’Italia in New Orleans spielt mit Säulen aus Edelstahl und Neonlicht. Das AT and T Building erhielt einen Giebel, der an ein Möbelstück aus dem 18. Jahrhundert erinnert.
In Deutschland ist die Neue Staatsgalerie in Stuttgart das bekannteste Beispiel. Der Brite James Stirling kombinierte dort Natursteinbänder mit knallbunten Geländern und einer grünen Glasfassade. Das Museum Abteiberg von Hans Hollein staffelt sich terrassenartig in einen Hang. In Frankfurt am Main eröffnete 1984 das Deutsche Architekturmuseum. Oswald Mathias Ungers setzte dort ein weißes Haus in eine alte Villa. Das Haus im Haus ist selbst ein Stück gebaute Architekturtheorie.
Kurzantwort: Das wichtigste postmoderne Bauwerk in Deutschland ist die Neue Staatsgalerie in Stuttgart von James Stirling aus dem Jahr 1984.
Höhepunkt und Ende
Einen Durchbruch brachte die Architekturbiennale in Venedig 1980. Paolo Portoghesi zeigte dort die Ausstellung „Die Gegenwart der Vergangenheit“. Laut Wikipedia kamen täglich über 2.000 Besucher. Danach galt die Postmoderne als eigene Bewegung.
In den 1990er-Jahren verlor der Stil an Kraft. Kritiker warfen ihm Kulissenhaftigkeit vor. Neue Richtungen wie der Dekonstruktivismus übernahmen die Bühne. Heute erleben postmoderne Bauten eine Wiederentdeckung. Einige stehen bereits unter Denkmalschutz.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist postmoderne Architektur?
Ein Baustil ab den 1960er-Jahren, der sich gegen die schmucklose Moderne richtet. Er nutzt historische Formen, Farbe und Ironie.
Wann war die Postmoderne in der Architektur?
Sie begann in den 1960er-Jahren in den USA. Ihren Höhepunkt hatte sie in den 1980er-Jahren, Mitte der 1990er-Jahre endete sie weitgehend.
Wer gilt als Vater der postmodernen Architektur?
Robert Venturi. Sein Buch „Complexity and Contradiction in Architecture“ von 1966 gilt als Startpunkt.
Was bedeutet „Less is a bore“?
Weniger ist langweilig. Venturi antwortete damit auf Mies van der Rohes „Less is more“.
Welche Merkmale hat die Postmoderne?
Historische Zitate, kräftige Farben, Ornamente, Ironie, Symbolik und der Bezug zum Ort.
Welche postmodernen Gebäude gibt es in Deutschland?
Die Neue Staatsgalerie in Stuttgart und das Museum Abteiberg in Mönchengladbach gehören zu den bekanntesten.
Wer war Charles Jencks?
Ein Architekturtheoretiker. Mit seinem Buch von 1977 machte er den Begriff postmoderne Architektur bekannt.
Was ist Pruitt-Igoe?
Eine Wohnsiedlung in St. Louis. Ihre Sprengung 1972 gilt als symbolisches Ende der Moderne.
Was kam nach der Postmoderne?
Unter anderem der Dekonstruktivismus mit schrägen, zersplitterten Formen.
Was ist der Unterschied zwischen Moderne und Postmoderne?
Die Moderne verzichtet auf Schmuck und folgt der Funktion. Die Postmoderne zitiert Geschichte und setzt Schmuck bewusst ein.
Quellen

David bastelt an Handys, Rechnern und WLAN und schreibt auf, was beim Einrichten wirklich hakt.






