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Kurzantwort: Rettungsdecken gehen auf reflektierende Folien zurück, die die NASA für die Wärmeisolation von Raumfahrzeugen entwickelte. Über Umwege gelangte die Technologie ab den 1970er-Jahren zunächst zu Marathonläufern und wird heute weltweit auch in der Katastrophenhilfe eingesetzt. Die Folie wärmt nicht aktiv. Sie verhindert Wärmeverlust durch Reflexion und eine dichte Ummantelung.
Die dünne, golden-silbern glänzende Folie im Kfz-Verbandkasten wirkt unscheinbar. Ihre Herkunft ist es nicht: Sie stammt aus derselben Materialfamilie, die einst Satelliten vor der Kälte des Weltalls schützte. Kaum ein anderes Stück Notfallausrüstung hat einen so weiten Weg zurückgelegt, vom Orbit bis in den Handschuhkasten.
Dieser Artikel zeichnet nach, wie die Rettungsdecke entstand, wie sie physikalisch wirkt und in welchen Situationen sie heute eingesetzt wird – und wo ihre Grenzen liegen.
Von der Raumfahrt zur Erste-Hilfe-Ausrüstung
Nach Angaben des NASA-Spinoff-Programms entwickelte die US-Raumfahrtbehörde ein dünnes, vakuumbeschichtetes Kunststofffilm mit Aluminiumschicht zur Wärmeisolation von Raumfahrzeugen. Das Material kam laut NASA bei praktisch allen bemannten und unbemannten Missionen zum Einsatz. Als 1973 beim Raumlabor Skylab der Wärmeschutzschild abriss, half ein Zulieferer der NASA, kurzfristig einen provisorischen Sonnenschutz aus demselben Material zu entwickeln. Die US-Raumfahrtbehörde stellte die Technologie anschließend als öffentlich zugängliche Erkenntnis bereit, sodass Hersteller weltweit darauf aufbauen konnten, ohne Lizenzgebühren zu zahlen.
Wie die Technologie zu Marathonläufern kam
Den Sprung in den Alltag beschreibt NASA Spinoff mit der Geschichte von David Deigan, der 1978 oder 1979 beim New York City Marathon miterlebte, wie unterkühlte Läuferinnen und Läufer nach dem Zieleinlauf froren. Zwischen 1979 und 1982 entwickelte Deigan daraus flach verpackte „Heatsheets“, die sich schnell an große Teilnehmerfelder ausgeben ließen. Ab 1982 stiegen Sponsoren ein, in den 1980er- und 1990er-Jahren übernahmen Marathons in Chicago, Boston und weltweit das Prinzip. Heute gehört das Einwickeln in eine goldene Folie zum festen Bild jeder Marathon-Zielgeraden, von New York über Berlin bis Tokio. Ohne diesen Schutz kühlt ein durchgeschwitzter Körper nach dem Stillstehen sehr schnell aus, selbst bei milden Außentemperaturen.
Wie die Reflexionsfolie physikalisch wirkt
Die Folie besteht laut Wikipedia aus einer etwa 12 Mikrometer dünnen Polyesterschicht mit aufgedampfter Aluminium-Reflexionsschicht. Die silberfarbene Seite reflektiert rund 99 Prozent der Infrarot-Wärmestrahlung zurück zum Körper, die goldfarbene Seite rund 97 Prozent. Entscheidender als die reine Reflexion ist die geschlossene Ummantelung: Sie bremst den Wärmeverlust durch Wind und durch die Verdunstung von Feuchtigkeit auf der Haut, die beide bei einem Unfallopfer im Freien viel Körperwärme kosten. Ohne Schutz verliert ein Körper Wärme zusätzlich durch direkten Kontakt mit kaltem Untergrund. Ersthelfer sollten die Decke deshalb wenn möglich zusätzlich unter die betroffene Person legen, nicht nur darüber.
Einsatzbereiche jenseits des Autos
Neben dem Kfz-Verbandkasten kommen Rettungsdecken heute in der Katastrophenhilfe zum Einsatz. Nach dem schweren Erdbeben in Pakistan 2005 mit einer Stärke von 7,6 verteilte das Hilfsnetzwerk Mercy Corps nach NASA-Angaben rund 150.000 Rettungsdecken an Betroffene. Rettungsdienste nutzen sie bei jedem Einsatz im Freien, Bergsteiger und Wanderer führen robustere Varianten in ihrer Notfallausrüstung mit, und bei großer Hitze dient die goldene Seite nach außen gedreht auch als Sonnenschutz. Auch Rettungsleitstellen und Hilfsorganisationen lagern Rettungsdecken in großen Mengen, weil sie leicht, günstig und lange lagerfähig sind – ideal für den Einsatz an vielen Betroffenen gleichzeitig, etwa nach einem Massenunfall oder einer Evakuierung.
Grenzen der Rettungsdecke
Eine Rettungsdecke wärmt nicht aktiv. Sie kann nur Wärme zurückhalten, die der Körper selbst produziert, und ersetzt deshalb keine isolierende Kleidung oder echte Decken. Ohne eine Unterlage gegen Bodenkälte verpufft ein Großteil des Effekts, weil Wärme weiterhin nach unten abfließt. Bei einer bereits fortgeschrittenen Unterkühlung mit Bewusstseinstrübung ersetzt die Folie keinesfalls den Notruf und professionelle Rettung. Auch bei starkem Wind kann die dünne Folie leicht wegfliegen oder reißen, weshalb sie an Rändern oder Ecken fixiert werden sollte, etwa mit Klebeband oder indem eine zweite Person sie festhält.
Rettungsdecke im Vergleich zu anderen Materialien
Eine gewöhnliche Wolldecke wiegt deutlich mehr als eine Rettungsdecke, die zusammengefaltet in jede Jackentasche passt und nur wenige Gramm wiegt. Dafür bietet die Folie keine eigene Wärmedämmung durch Luftpolster, wie es dicke Textilien tun. Sie wirkt fast ausschließlich durch Reflexion und Abdichtung. Im Kfz-Verbandkasten ist sie deshalb kein Ersatz für eine echte Decke im Kofferraum, eher eine kompakte Erstmaßnahme nach DIN 13164 für den Moment zwischen Unfall und Eintreffen des Rettungsdienstes. Genau dieses Verhältnis aus geringem Gewicht, niedrigem Preis und großer Wirkung machte die Technologie erst für den Massenmarkt attraktiv, weit über die ursprüngliche Raumfahrtanwendung hinaus, die auf Kosten kaum Rücksicht nehmen musste.
Häufige Fragen
Woher stammt die Technologie der Rettungsdecke?
Aus der Raumfahrt: Die NASA entwickelte die reflektierende Folie zur Wärmeisolation von Raumfahrzeugen, wie das NASA-Spinoff-Programm dokumentiert.
Seit wann werden Marathonläufer in Rettungsdecken gehüllt?
Seit den frühen 1980er-Jahren, ausgehend von einer Idee, die David Deigan 1978 oder 1979 beim New York City Marathon entwickelte.
Wärmt eine Rettungsdecke aktiv?
Nein. Sie reflektiert und hält vorhandene Körperwärme zurück, erzeugt aber selbst keine Wärme.
Wofür wurde die Rettungsdecke bei Skylab 1973 genutzt?
Als Notlösung für einen abgerissenen Sonnenschutzschild, um die Raumstation und ihre Besatzung vor gefährlicher Überhitzung im Inneren zu schützen.
Werden Rettungsdecken auch in der Katastrophenhilfe eingesetzt?
Ja. Nach dem Erdbeben in Pakistan 2005 verteilte Mercy Corps laut NASA rund 150.000 Stück an Betroffene. Hilfsorganisationen lagern sie bis heute in großen Mengen für genau solche Einsätze.
Kann eine Rettungsdecke auch vor Hitze schützen?
Mit der goldenen Seite nach außen reflektiert sie auch Sonnenstrahlung und kann so als provisorischer Sonnenschutz dienen, etwa über einem Zelt oder als Notfall-Sonnensegel.
Quellen
- Wikipedia: Rettungsdecke
- NASA Spinoff: Reflecting on Space Benefits
- DRK Baden-Württemberg: Unterkühlung
Nico Thalmann schreibt fuer wissenkosmos.de und belegt Regeln mit Woerterbuechern und Fachliteratur.

Nico probiert Apps und Geräte aus, bevor er sie empfiehlt, und schreibt über Tastenkürzel, Einstellungen und Abkürzungen im Alltag.






