Bedeutung von Symbolen: Wie Zeichen zu Botschaften werden

Kurzantwort: Ein Symbol trägt eine Bedeutung, die eine Gemeinschaft ihm zugewiesen hat, nicht eine Bedeutung, die im Gegenstand selbst liegt. Deshalb bedeutet dasselbe Zeichen in verschiedenen Kulturen oft Unterschiedliches. Religiöse Symbole wie das Kreuz, nationale Symbole wie Flaggen und geplante Symbole wie das Peace-Zeichen von 1958 zeigen drei verschiedene Wege, wie Bedeutung entsteht.

Ein Herz auf einer Grußkarte, ein Kreuz auf einem Kirchturm, ein Peace-Zeichen auf einem T-Shirt: Alle drei funktionieren, weil eine Gruppe von Menschen sich stillschweigend darauf geeinigt hat, was das Zeichen bedeuten soll.

Dieser Artikel erklärt, was ein Symbol von einem bloßen Bild unterscheidet, zeigt Beispiele aus Religion, Politik und Alltag und ordnet ein, warum sich Bedeutungen mit der Zeit verschieben können.

Was ein Symbol von einem Bild unterscheidet

Ein Bild zeigt etwas. Ein Symbol steht zusätzlich für etwas, das über das Gezeigte hinausgeht. Eine Taube ist zunächst ein Vogel. Als Symbol steht sie für Frieden, weil eine Kultur ihr diese zweite Bedeutungsebene zugeschrieben hat. Diese Zuschreibung ist erlernt, nicht angeboren – ein Kind muss erst lernen, dass ein Herzsymbol für Liebe steht, so wie es lernen muss, dass ein rotes Achteck an der Straße „Stopp“ bedeutet.

Sprachwissenschaftler unterscheiden dabei zwischen Ikon, Index und Symbol: Ein Ikon ähnelt dem Gemeinten, ein Index verweist ursächlich darauf, ein Symbol dagegen beruht ausschließlich auf Konvention. Ein Foto einer Taube ist ein Ikon. Rauch als Hinweis auf Feuer ist ein Index. Die Taube als Friedenszeichen ist ein Symbol, weil der Zusammenhang zwischen Vogel und Frieden nirgendwo in der Natur festgelegt ist. Diese Unterscheidung erklärt auch, warum sich über Symbole so leicht streiten lässt: Zwei Menschen können dasselbe Zeichen sehen und trotzdem unterschiedliche Bedeutungen darin lesen, je nachdem, welche Konvention sie gelernt haben.

Religiöse und spirituelle Symbole

Das Kreuz steht für das Christentum, der Davidstern für das Judentum, der Halbmond mit Stern in vielen Ländern für den Islam. Diese Zeichen sind über Jahrhunderte gewachsen und werden von den jeweiligen Gemeinschaften selbst als verbindlich anerkannt. Genau das unterscheidet sie von modernen, oft im Internet kursierenden Deutungen einzelner Symbole, für die es keine vergleichbare kollektive Anerkennung gibt. Wer solchen neueren Deutungen begegnet, sollte prüfen, ob sie von einer breiteren Gemeinschaft getragen werden oder nur von einer einzelnen Website stammen.

Symbole in Wissenschaft und im Straßenverkehr

Nicht jedes Symbol trägt eine spirituelle oder politische Botschaft. Das Unendlichkeitszeichen ∞ in der Mathematik, das Paragrafenzeichen § im Recht oder ein rotes Warndreieck im Straßenverkehr sind ebenfalls Symbole – festgelegt durch Fachgemeinschaften oder Gesetzgeber, damit Information eindeutig und sprachunabhängig lesbar bleibt. Auch hier gilt: Die Form selbst trägt keine Bedeutung, erst die Vereinbarung macht sie lesbar. Genormte Symbole haben dabei einen Vorteil gegenüber kulturell gewachsenen: Sie werden zentral festgelegt und bleiben deshalb über Ländergrenzen hinweg stabiler.

Nationale und politische Symbole: das Peace-Zeichen

Am 21. Februar 1958 entwarf der britische Grafiker Gerald Holtom ein Zeichen für die erste Aldermaston-Ostermarsch-Demonstration der Kampagne für nukleare Abrüstung (CND). Die Linienführung kombiniert die Buchstaben „N“ und „D“ aus dem internationalen Winkeralphabet für „Nuclear Disarmament“. Nach eigener Aussage Holtoms zeigt sie zugleich eine Person mit hilflos hängenden Armen angesichts der atomaren Bedrohung. Holtom verzichtete bewusst auf Patent- und Markenschutz, wie das Deutsche Patent- und Markenamt in seiner Übersicht zur Zeichengeschichte dokumentiert. Dadurch konnte sich das Zeichen frei verbreiten und wurde von der US-Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und später von der Studentenbewegung übernommen.

Schutz- und Glückssymbole

Hufeisen über der Tür, vierblättriges Kleeblatt im Portemonnaie, Schornsteinfeger zum Jahreswechsel: Solche Symbole gelten in Teilen Europas als Glücksbringer. Eine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung gibt es dafür nicht, nur eine über Generationen tradierte Vorstellung. Wer solchen Symbolen begegnet, begegnet also einem kulturellen Brauch, keiner belegten Wirkung. Auch innerhalb Europas unterscheidet sich, welches Symbol als Glücksbringer gilt: In manchen Regionen ist es die Zahl Sieben, in anderen ein bestimmtes Tier oder eine Pflanze – ein weiterer Beleg dafür, dass die Zuschreibung regional entsteht und nicht im Gegenstand selbst liegt.

Warum sich die Bedeutung von Symbolen wandelt

Das Peace-Zeichen zeigt, wie schnell sich die Bedeutung eines Symbols ausweiten kann: Innerhalb weniger Jahre wanderte es von einer britischen Atomwaffengegner-Demonstration zur weltweiten Kurzform für Frieden allgemein. Andere Symbole verlieren umgekehrt an Bedeutung oder werden in neuen Zusammenhängen missbraucht, bis ihre ursprüngliche Botschaft kaum noch erkennbar ist. Wer ein Symbol einordnen will, sollte deshalb immer fragen, welche Gruppe es zu welcher Zeit geprägt hat und ob diese Bedeutung bis heute weitergetragen wird oder längst durch eine neue ersetzt wurde.

Häufige Fragen

Was macht ein Zeichen zu einem Symbol?

Eine geteilte Vereinbarung einer Gruppe, dass das Zeichen für etwas über sich selbst hinaus steht. Ohne diese Vereinbarung bleibt es ein bloßes Bild.

Wer erfand das Peace-Zeichen?

Der britische Grafiker Gerald Holtom, entworfen am 21. Februar 1958 für die Kampagne für nukleare Abrüstung.

Wirken Glückssymbole wie das Hufeisen wirklich?

Eine belegte Wirkung existiert nicht. Es handelt sich um einen kulturell tradierten Brauch ohne wissenschaftliche Grundlage.

Warum bedeutet dasselbe Symbol in verschiedenen Kulturen oft Unterschiedliches?

Weil Bedeutung durch die jeweilige Gemeinschaft zugewiesen wird und nicht im Symbol selbst liegt. Verschiedene Kulturen treffen verschiedene Vereinbarungen.

Kann sich die Bedeutung eines Symbols verändern?

Ja. Das Peace-Zeichen etwa wurde innerhalb weniger Jahre von einer einzelnen Bewegung übernommen und international zum allgemeinen Friedenssymbol.

Warum hat Holtom auf einen Markenschutz verzichtet?

Damit sich das Zeichen frei verbreiten konnte, ohne Lizenzfragen oder Gebühren für jede Verwendung. Das begünstigte laut DPMA seine schnelle weltweite Verbreitung durch ganz unterschiedliche Bewegungen, von der US-Bürgerrechtsbewegung bis zur Studentenbewegung der späten 1960er-Jahre.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

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