Erste-Hilfe-Set: Inhalt, Normen und Sets für unterwegs

Kurzantwort: Pflicht ist in Deutschland nur ein Set: der Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164, vorgeschrieben in § 35h der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Alle anderen Sets für Rad, Wandern, Reise oder Haushalt sind freiwillig. Sie sollten dieselben Grundelemente enthalten: Handschuhe, Wundauflagen, Binden, Dreiecktuch, Schere und Rettungsdecke.

Ein Erste-Hilfe-Set ist kein Arztkoffer. Es überbrückt die Minuten, bis professionelle Hilfe eintrifft, und mehr soll es nicht leisten.

Deshalb sind die genormten Sets so schlicht bestückt. Sie enthalten das, was Laien ohne Ausbildung sinnvoll einsetzen können.

Was ein Erste-Hilfe-Set enthalten muss

Sechs Gruppen bilden den Kern jedes brauchbaren Sets. Erstens der Eigenschutz: Einmalhandschuhe und seit der Normänderung von 2022 auch zwei Gesichtsmasken. Zweitens Wundauflagen in mehreren Größen.

Dazu kommen Binden zum Fixieren, ein Dreiecktuch für Ruhigstellung und Druckverbände, eine Verbandschere, die auch Kleidung schneidet, sowie eine Rettungsdecke gegen Auskühlung. Pflaster in verschiedenen Formaten runden das Set ab.

Was nicht dazugehört, ist genauso wichtig: keine Medikamente, keine Desinfektionsmittel für offene Wunden im Rettungsablauf, keine Salben. Genormte Sets verzichten bewusst darauf.

Der Grund ist praktisch. Jedes zusätzliche Teil kostet im Ernstfall Sekunden, weil es durchsucht werden muss. Ein übersichtliches Set, dessen Inhalt du kennst, hilft mehr als eine prall gefüllte Tasche, in der du erst suchen musst.

Der Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164

Im Auto ist das Set Pflicht. Maßgeblich ist die Fassung der Norm von Februar 2022, die zwei staubgeschützte Gesichtsmasken nach mindestens DIN EN 14683 Typ I aufgenommen hat.

Gleichzeitig fiel das Verbandtuch BR weg, und statt zweier Dreiecktücher genügt eines. Wer heute ein Set kauft, achtet auf den Aufdruck DIN 13164:2022-02.

Fehlt das Set bei einer Kontrolle, sind Verwarnungsgelder von 5 bis 25 Euro vorgesehen. Deutlich teurer wird es, wenn du nach einem Unfall nicht helfen kannst, weil das Material fehlt.

Ältere Kästen musst du nicht sofort wegwerfen. Die neue Fassung gilt für neu verkaufte Sets; ein vollständiger Kasten mit gültigen Haltbarkeitsdaten erfüllt weiterhin seinen Zweck. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt zwei Masken dazu.

Der Platz im Fahrzeug ist ebenfalls geregelt gedacht: Das Set muss erreichbar sein. Unter dem Ersatzrad im Kofferraumboden liegt es schlecht, weil du im Ernstfall erst das halbe Gepäck ausräumst.

Sets für Rad, Wandern und Reise

Für unterwegs zählt Gewicht. Ein Set für die Tagestour kommt mit deutlich weniger aus als der Kasten im Auto, sollte aber dieselben Gruppen abdecken.

Sinnvoll sind zusätzlich Blasenpflaster, ein elastischer Verband für den Knöchel, eine Pinzette für Splitter und Zecken sowie ein kleines Desinfektionsmittel für die Hände. Verpackt gehört alles in einen wasserdichten Beutel.

Für längere Reisen kommt hinzu, was am Zielort schwer zu bekommen ist. Verlass dich nicht darauf, dass eine Apotheke in Reichweite ist, und prüfe vor Fernreisen, welche Mitnahmeregeln im Zielland gelten.

Für Radtouren lohnt sich ein Set, das am Rahmen oder in der Satteltasche bleibt. Was zu Hause im Schrank liegt, hilft am Waldrand niemandem. Das gilt genauso für das Set im Kofferraum, das beim Ausräumen in der Garage landet.

Ein Set für zu Hause

Im Haushalt passieren die meisten Verletzungen: Schnitte in der Küche, Verbrennungen, Stürze. Ein Set im Bad oder in der Küche ist deshalb kein Luxus.

Bewährt hat sich ein Kasten nach DIN 13157, ergänzt um Kühlkompressen und ein Fieberthermometer. Lagere ihn dort, wo ihn auch Besuch findet, und nicht ganz oben im Schrank.

Wenn Kinder im Haushalt leben, gehören zusätzlich kleine Pflaster und eine Notfallnummernliste dazu. Die Nummer des Giftnotrufs für dein Bundesland notierst du am besten direkt auf dem Deckel.

Was ein Set nicht ersetzt

Material ohne Wissen hilft wenig. Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert neun Unterrichtseinheiten und wird von Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz flächendeckend angeboten.

Der wichtigste Handgriff steht in keinem Set: der Notruf unter 112. Er ist in ganz Europa gebührenfrei und funktioniert auch von Mobiltelefonen ohne Guthaben.

Wiederhole das Gelernte in Abständen. Wer den letzten Kurs für den Führerschein gemacht hat, erinnert sich nach zehn Jahren an wenig mehr als die stabile Seitenlage. Ein Auffrischungskurs dauert einen Vormittag.

Sprich im Betrieb ab, wer Ersthelfer ist und wo das Material liegt. Diese zwei Informationen entscheiden im Ernstfall mehr über den Ausgang als die Frage, ob im Kasten 65 oder 127 Teile stecken.

Prüfen und nachfüllen

Sterile Auflagen und Verbandpäckchen haben ein Verfallsdatum, Pflaster verlieren Klebkraft, Handschuhe werden mit der Zeit brüchig. Ein jährlicher Blick reicht, wenn du ihn wirklich machst.

Nimm dir dafür einen festen Termin, etwa zusammen mit dem Reifenwechsel. Notiere das Prüfdatum auf dem Deckel, dann siehst du den Stand ohne Öffnen.

Nach jeder Entnahme füllst du sofort nach. Ein Set, in dem die Kompressen fehlen, ist im Ernstfall genauso wenig wert wie gar keines.

Häufige Fragen

Welches Erste-Hilfe-Set ist gesetzlich vorgeschrieben?

Im Pkw der Verbandkasten nach DIN 13164, geregelt in § 35h StVZO.

Muss ich mein altes Set austauschen?

Nur wenn Material abgelaufen oder unvollständig ist. Die Norm von 2022 gilt für neu verkaufte Sets.

Gehören Medikamente ins Set?

Nein. Genormte Sets enthalten keine Arzneimittel, und die Weitergabe an andere ist heikel.

Brauchen Motorräder ein Set?

Krafträder sind von der Mitführpflicht ausgenommen. Ein kleines Set ist trotzdem sinnvoll.

Wie lange hält ein Erste-Hilfe-Set?

Das hängt vom Material ab. Maßgeblich ist das aufgedruckte Verfallsdatum der sterilen Teile.

Was kostet ein Erste-Hilfe-Kurs?

Für den Führerschein zahlst du ihn meist selbst. Betriebliche Ersthelfer werden über die Unfallversicherung des Betriebs geschult.

Wo bewahre ich das Set im Auto auf?

Gut erreichbar, etwa hinter dem Beifahrersitz oder in der Seitenablage des Kofferraums. Unter Gepäck oder unter dem Ersatzrad ist es im Ernstfall nutzlos.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion wissenkosmos.de — sie schreibt hier über Wissensthemen und ordnet sie ein.

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